|
Der Falschauerbach
Nachahmenswerte Gewässerbewirtschaftung
|
|
Neue Erkenntnisse und Erfolge sprechen durchaus für diese umweltschonende und natürliche Bewirtschaftung eines Fliegengewässers
|
 |
|
Die Falschauer im Ultental ein Bericht von Hubert Indra
In den Jahren zwischen 1950 und 1965 fielen ein Großteil der Südtiroler Gewässer der wirtschaftlichen Nutzung zum Opfer. E-Werke mit ihren Stauseen und Sperren lösten eine umwälzende Beeinträchtigung der ökologischen Funktionsfähigkeit der Gewässer aus. Auch die Falschauer im Ultental blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Förmlich in Zeitraffer, zumindest aus der Sicht der Natur, gerieten die natürlichen Selbstregulierungsmechanismen der Rest-Gewässer aus dem Gleichgewicht. Veränderung des natürlichen Abflussgerinnes, der Wegfall natürlicher Schwankungen in Abflussmenge und Höhe, der völlig ausbleibende Geschiebetransport, die Veränderung der Ufervegetation und Wanderung von Organismen in den Gewässern bis hin zur Beeinträchtigung der Wasserbeschaffenheit durch Abwässer und Schadstoffe waren die Folgen.
Produktivität und Reproduktion reduzierten sich Besorgnis erregend und als dann in den 70-er Jahren der Befischungsdruck boomartig stieg, und die Falschauer von Fischern aus Nah und Fern entdeckt wurde, war es dann mit der geruhsamen Fischerei vorbei. Wenn man dann im Herbst Fische fing, konnte man sehr gut die Spuren von unwaidmännischer Behandlung erkennen. Das damals erlaubte Fischen mit natürlichen Ködern trug wesentlich zur Verringerung des natürlichen Fischbestandes und vor allem der Größen- bzw. Altersskala bei.
|
 |
Durch intensiven Maßfischbesatz glaubte man die Bestände in den Fließgewässern regulieren und erhalten zu können. Das Gegenteil war der Fall, denn mit zunehmendem Besatz kam es im Bach zu "Platzmangel" und die Verfügbarkeit an ausreichend Futter und Unterständen (Revieren) war nicht mehr gegeben. Verleitet durch den andauernden Futterstress reagierten die Forellen mit einer überhöhten Beißfreudigkeit.
|
|
Um diesen fast unaufhaltsam scheinenden Zerfall der Wasserqualität und Fischbestand im Bach entgegenzuwirken war nicht nur die öffentliche Hand durch Errichtung von Kläranlagen gefragt, sondern auch der Bewirtschafter durch Anwendung folgender Zielsetzungen: nachhaltige und umsichtige Bewirtschaftung zwecks Erhaltung der natürlichen Fischdichte und -Arten, Verbot aller natürlichen Köder, Einführung schonender Fangmethoden. Letzteres erwies sich dann schlussendlich als das Rezept schlechthin. Mit der Einführung der Fliegenfischerei mit klassischer Fliegenrute, schwimmender Fliegenschnur und unbeschwertem Vorfach sprach man natürlich vor allem jene Kategorie von Fischern an, welche nicht unbedingt den fischereilichen Erfolg bzw. das Erlebnis von der Beute abhängig machen.
|
|
Pararell zur Einführung der schonenden Fangmethode(n) startete man den Versuch zur naturnahen Bewirtschaftung indem man einfach keine Besatzmaßnahmen mehr durchführte. Begleitet wurde dieses Projekt bzw. dieser Versuch von wissenschaftlichen Untersuchungen bei denen es hauptsächlich darum ging, den genauen Bestand von genau abgesteckten Teilstrecken exakt, sei es von der Altersstruktur als auch von der Biomasse, zu erfassen.
|
 |
|
Diese Untersuchungen wurden dann mehrere Jahre hindurch immer zur selben Jahreszeit und natürlich im selben Abschnitt wiederholt. Das Ergebnis war verblüffend: die Biomasse als auch die Alterspyramide waren in all den Jahren fast unverändert geblieben. Es lässt sich also daraus schließen, daß ein gesundes unbelastetes Gewässer sehr wohl, trotz Befischungsdruck mit angemessener Entnahme aus eigener Kraft für einen guten Bestand sorgen kann, vorausgesetzt es wird mit schonenden Fangmethoden gefischt - und das ist unumstritten die Fliegenfischerei.
|
| Der Bewirtschafter der "Fischerei Braunsberg" Ultental/Südtirol.
 Hubert Indra
0039-(0)473-561586
email: indra@dnet.it
|

Mayfly-Kreation 2006 von Hubert Indra
|
Bericht: Hubert Indra / Lana (Südtirol) Fotos: Eva Geigl Foto Mayfly-Kreation: Hubert Indra |
|