Ein Privatrevier im Naturschutzgebiet Nationalpark Hohe Tauern

Die Kötschachtaler Ache (Kötschachbach) entspringt im Tischlerkar auf rund 2.200 m Seehöhe am Fuße des Tischlerkarkogels (3004 m). Dort speisen viele kleine Quellbäche aus dem Tischlerkarkees (Kargletscher) den Gebirgsbach, der  südöstlich des Alpenhauses Prossau in mehreren Wasserfällen über Felswände herunter in einen Lawinenkessel stürzt und sich hier zur Kötschachtaler Ache wieder vereinigt. Vor einigen Jahren brachen hier große Steinlawinen in den Bergwald neben der Ache herunter, was heute noch unverändert im Original zu sehen ist. Von hier ab sind es noch ca. 11-12 km, die die Ache durch das Kötschachtal hinunter bis zur Einmündung bei Bad-Bruck in die Gasteiner Ache fließt.

Wir wollen zuerst einmal darauf hinweisen, dass es sich bei dieser Fliegenfischer-Strecke um ein bisher nicht öffentlich befischtes Privat-Revier handelt. Die Kötschachtaler Ache befindet sich ab dem Kötschachdorf (ca. 1066 m Seehöhe) bereits im Naturschutzgebiet Nationalpark Hohe Tauern. Die Forststraße nach diesem Dorf darf also nur von einigen wenigen Berechtigten mit dem Auto befahren werden. Diese Erlaubnis gilt auch für Fliegenfischer mit gültiger Tageslizenz! Hotelgäste des Hotels Norica, Bad-Hofgastein, dürfen ab Saison 2016 das Privat-Revier der Inhaberfamilie Czerny, befischen. Herrr Czerny bietet Fliegenfischern eine persönliche Einweisung des Reviers. Der Fischbestand besteht zum Großteil aus wilden Bachforellen (80%) und Bachsaiblingen (20%). Oberstes Gebot ist der schonende Umgang mit Fisch und Natur! Widerhaken sind streng verboten! Kescherbenutzung nicht erlaubt. Fischentnahme nach Absprache nur zum Verzehr im Hotel.
Wir durften diese, bisher praktisch unbefischte Kötschachtaler Ache volle 3 Tage lang testen und erlebten dabei ein Naturgewässer, wie es heutzutage sehr selten zu finden ist. Wasserformationen von ruhig bis bewegt, von heftig bis wild, von tosend bis unüberwindbar. Dazu Geröllfelder im natürlichen Bachlauf mitten im Wald. Ein Eldorado für Naturliebhaber. Dieses Alleinsein am und im Gebirgsbach auf der Suche nach den Standplätzen der Fische, war schon etwas ganz Besonderes. Und wir haben genug Forellen und Saiblinge überlisten können, obwohl dies stellenweise auch viel Geduld und stets genaue Präsentation erforderte. Wir fischten übrigens ausschließlich mit der Trockenfliege! Nympheneinsatz ist weder erforderlich, noch ratsam; Streamer sind  sowieso nicht gestattet.
Streckenabschnitt Kötschachdorf/Bad Bruck:
Der Abschnitt untere Reviergrenze von der Einmündung der Kötschachtaler Ache in die Gasteiner Ache bis zum Beginn der Schlucht, ist ca. 300 m lang. Eine große Terrasse reiht sich an die Nächste und überall stehen schöne Bachforellen und ab und zu auch mal ein Saibling. Die Fische sind kräftig im Drill und gehen gerne schnell über die Terrasse nach unten. Als Vorfachspitze sollte kein Monofil unter 0,16 mm verwendet werden. Der Einstieg ist nicht besonders schwer. Bei normalem Wasserstand ist das Queren im oberen Teil kein Problem, da der Bach trotz guter Strömung nicht besonders tief ist. Einstiegsmöglichkeiten für die ganze Strecke sind vorhanden.
Streckenabschnitt Kötschachdorf:
Ab Bad Bruck und dem auf ca. 1.060 m Seehöhe gelegenen Kötschachdorf befindet sich der Bach in äußerst steilem Gelände, in welches eigentlich nur so genannte "Geübte" absteigen sollten. Dies bezieht sich auf die Fähigkeit der leichten und mittleren Kletterei. Die Straße von Bad Bruck hinauf zum Dorf durch den dichten Mischwald (Laternenwald genannt) ist sehr steil und nicht geteert! Am Ende des Waldes überquert man eine Brücke am Bach und gleich danach befinden sich einige Parkmöglichkeiten. Von hier aus könnte man auf einem Wanderweg abwärts in die Schlucht absteigen. Wer an der Brücke aufwärts nach der Fischtreppe einsteigt, wird schöne Angriffe auf die Fliege erleben. Das Gelände am Bach zwingt manchmal zum Aussteigen, weil ein Durchwaten zu schwierig wird. Die Ufer sind mehr oder weniger bewachsen und auch im Dorfgebiet stellenweise steil abfallend. An den Böschungen stehen Fichten, großblätterige Weiden und neben diversem Bodengestrüpp auch die von Fliegenfischern besonders "geliebten" Grau-Erlen.
Oberhalb von Kötschachdorf öffnet sich das Tal, und die Ache wird ab dem Louis-Trenker-Weg auf einer Länge von ca. 400 m immer flacher und auch breiter. Eine Landschaft mit Feuchtwiesen, Biotopen, mit Vieh- und Pferdeweiden, direkt unter der gut 1000m hohen "Himmelwand", einer senkrechten, teilweise überhängenden Felsformation. Sie sorgt übrigens dafür, dass ein ziemlich starker Wind talabwärts entstehen kann.
Während unserem 3-tägigen Aufenthalt (im September) wehte hier der Wind regelmässig ab ca. 11.00 Uhr zwei Stunden lang sehr stark. Dass hier ein „scharfer Wind weht“ ist bekannt. Eine kleine Kapelle und eine bronzene Gedenktafel informieren den Wanderer, was hier in diesem Gebiet für ein Unglück geschah:
"Am 20. Januar 1951, nach 4-tägigem dichtem Schneefall, brach in 2100m Höhe die Töferl-Lawine ab, löste durch Luftwellen im Niedergehen die Fluglawine aus. Beide Schneeströme zusammen schoben einen Luftwirbel, gleich einem Tornado vor sich her, der die 4 Objekte, Ölbrennergut, Patschglehen mit Stallgebäuden zerstörte und das Leben der 14 Bewohner, sowie 14 Stück Vieh auslöschte und alles unter 20m hohem Schnee begraben wurde. Der zersplitterte Firstbaum des Patschgutes trug die Jahreszahl 1684. Das Bauerngut hat demnach 270 Jahre bestanden!"

Wir erlebten hier morgens viele Attacken von Saiblingen und am späteren Nachmittag an der gleichen Strecke (mit derselben Fliege) fast ausschließlich die Bisse von Bachforellen. Dieser flache Abschnitt zieht sich hinauf bis zum Beginn des Bergwaldes (Restaurant/Cafe Himmelwandhütte), an dem der Nationalpark Hohe Tauern beginnt.

Streckenabschnitt Nationalpark Hohe Tauern:
Ab hier zeigt sich die Ache urig und unberührt. Kurz nach dem Einfahren in den Wald sieht man auf der rechten Seite einen Jägerstand. Dort sollte man unbedingt einsteigen und beginnen, die ursprüngliche Natur zu genießen. Mehr und mehr Saiblinge warten hier auf gut präsentierte Fliegen. Im weiteren Verlauf ändert sich das Bachbett über mehrere Kilometer ständig. Von breiten Kiesbänken über Steilstufen bis Felskaskaden, alles ist vertreten.

Je weiter man nach oben kommt, um so schreckhafter werden die Fische. Jetzt ist der "Indianerfischer" gefragt! Forellen- und Saiblingstandplätze muss man genau suchen um die Fische zu überlisten. Logischerweise werden die Salmoniden je weiter man nach oben wandert, wegen des nicht so üppigen Insektenaufkommens im Wald, auch kleinwüchsiger. Sie sind aber wunderschön und topfit.
Wer diese herrliche Tour plant, sollte sich unbedingt eine gute Brotzeit und etwas zum Trinken mitnehmen, auf halber Strecke die Himmelwandhütte und am Ende der Bergstraße (Talschluß) das Alpenhaus Prossau auf 1.278 Meter Höhe besuchen, denn eine Stärkung braucht man! Das Befahren der Forststraße bis dorthin ist Fliegenfischern mit Lizenz erlaubt. Die Wanderer - oft in Gruppen unterwegs - sind deswegen manchmal nicht "amused". Einige Parkmöglichkeiten findet man an der ganzen Waldstrecke. Diese liegen nicht immer in Bachnähe! Wir weisen darauf hin, wegen der doch sehr schmalen Straße den Wagen so abzustellen, dass er weder Lieferfahrzeuge, noch die Pferdekutschen behindern kann. Der Zugang zur Ache hinunter über teils steiles, bewaldetes Gelände ist stellenweise mühsam aber doch lohnend. Nachdem die Sicht auf den Bach wegen des Waldes oft nicht gegeben ist, sucht man das Wasser eben nach Gehör. Das ist richtiges Abenteuer in der Wildnis! Die Alpenflora hier ist besonders geprägt durch seltene Moose und Sumpfpflanzen. Und….man entdeckt immer wieder schöne interessante Bachformationen.
Im Bereich zwischen Kötschachdorf und dem Anfang des Nationalparks sind sowohl Lieferverkehr und Pferdekutschen, als auch land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge unterwegs. Auch hier muss vorsichtig gefahren und hindernisfrei geparkt werden. Das gesamte Fliegenfischer-Revier ist eine wunderbare Herausforderung in vielerlei Hinsicht. Erfahrung in der Gebirgsbachfischerei und körperliche Fitness sind die Garantie auf Erfolg in dieser abenteuerlichen Kötschachtaler Ache.  

Fischereibestimmungen:
Saison:  Anfang Mai bis Ende Oktober
Fly only! Nur Fliegenmuster ohne Widerhaken erlaubt. Kein Kescher. Streamer verboten.
Tageslizenz: 75.-€. Alle Fische - die nicht entnommen werden - müssen äußerst schonend im Wasser ausgehakt werden. Als Entnahme zum Eigenverzehr im Hotel sind 2 Saiblinge ab 25cm möglich.

Geräte-Empfehlung:
Ruten Klasse #4 oder #5, Länge 8“ bis 9“, Vorfachlänge mind. 3m, Vorfachspitze
nicht unter 0,16 mm. (im oberen Abschnitt feineres Vorfach). Wer Watschuhe mit Spikes benutzt, hat am Gebirgsbach kaum Chancen auf Erfolg; also nur mit Gummi- oder Filzsohlen! Grundsätzlich ist der Bach gut bewatbar, es gibt aber im Bereich des Waldes auch rutschige bzw. lockere Steine. Vorsicht ist geboten!

Fliegen:  Sedges, Parachutes oder sonstige (eher braune) buschige Muster in der Größe #10 oder #12. Man sollte bei jedem Flussabschnitt und zu jeder Tageszeit gut beobachten: nur im oberen Bereich der Ache entdeckten wir spätnachmittags z.B. die Heptagenia sulphurea (Subimago), die gelbe Eintagsfliege, welche immer ca. ab Mitte September schwärmt und die Forellen zum Steigen bringt. Gelbe Muster sind somit hier auch nicht „verkehrt“.





     mehr Fotos von der Kötschachtaler Ache

            in unserer > Royal Flyfishing-Fotogalerie

 
U
nser Aufenthalt im Thermen-Hotel Norica war besonders angenehm. Nach einem ausgiebigen Fliegenfischertag an der Ache, können sich die "müden Knochen" in der Therme wunderbar regenerieren. Ein riesiges Wellness-Angebot steht ebenfalls zur Verfügung (siehe Homepage). Im Hotel Norica gibt es selbstverständlich einen Heizungsraum zum Trocknen der Watbekleidung. Mehr Informationen vom Hotel in unserer Royal Flyfishing Fotogalerie www.royalflyfishing-fotogalerie.de unter der Kategorie: Hotel/Gasthöfe ect. an Fliegenfischergewässern (Direktlink: >Hotel Norica Therme)

 

Übernachtung und Fischereikarten:

Hotel Norica Therme
Familie Czerny
A-5630 Bad Hofgastein
Kaiser-Franz-Platz 3
Tel.: 0043-(0)-6432-8391
Fax: 0043-(0)-6432-8391-500
info@hotel-norica.at
www.thermenhotels-gastein.com

 

 
 
 
Bericht: Royal Flyfishing
Fotos/Fotogalerie/Layout: Eva Geigl