Nicht jeder Fliegenfischer liebt hochalpine Gebirgsbäche. Oft stören lange Anstiege zu Fuß, Mitnahme von zusätzlichem Gepäck für Verpflegung, oftmals schwer zugänglich oder vielleicht fehlt noch ein wenig Erfahrung mit der Technik an diesen kleinen und schnellen Gewässern.

Aber…leises Anpirschen am Almwiesen-Rand, unglaublich nah am Fisch, kurze Würfe, meist sogar „Fliegen-Stippfischerei“ reichen aus um richtig Spaß zu haben.

Wir freuen uns jedes Mal, wenn sich die Gelegenheit bietet, im Hochgebirge einen noch völlig natürlichen Gebirgsbach zu befischen. Karl Pichler, der Onkel der Hotel-Chefin Heike Pichler ist zuständig für Jagd und Fliegenfischerei. Er bot uns an, ins hochgelegene Gößnitztal zu fahren, um dort einen Tag lang miteinander zu fischen.
Das Gößnitztal im Bereich Nationalpark Hohe Tauern ist nahezu unberührt, ebenso das längste nicht verbaute Tal der Ostalpen. Der Gößnitzbach entspringt in der Schober-Gruppe aus dem Gletscher des Berges „Roter Knopf“  (3281 m) und fließt in Richtung NNO bis zur Steilstufe am Ende des Hochtals. Unten, nach dem Gößnitzfall dreht er dann in Richtung NO und wird zur Möll.

Gößnitzschlucht
Die kleine Schotterstraße, teilweise ein aus dem Fels herausgehauener Weg – für den öffentlichen Verkehr gesperrt -  die  vom Gößnitzbach-Wasserfall (>siehe Gewässertipp: Möll) bis hinauf zur Wirtsbaueralm ins Gößnitztal führt, ist absolut extrem steil und kann nur per Allradfahrzeug befahren werden. Zu Fuß mit Gepäck bräuchte man etwa 1,5 Stunden.

Nach Überwindung der höchsten Steigung führt uns die Bergstraße hoch über die imposante Gößnitzschlucht bis zum Anfang des Talbodens. In diesem Tal gibt es 1 Berghütte mit Bewirtschaftung, 1 kleinen Bauernhof mit Viehwirtschaft sowie die Jagd-Hütte vom Hotel Glocknerhof. Ansonsten nur noch Natur…pur!

Der Bach mit einer zu befischenden Länge von ca. 2,5 km ist das „Wohnzimmer“ von Bachforellen und Bachsaiblingen. Es sprudeln etliche Quellen in den Gößnitzbach, in denen sich das „Kinderzimmer“ der dort lebenden Salmoniden befindet. In diesen kleinen Rinnsalen entdeckten wir viele Baby-Forellen und -Saiblinge, welche hier natürlich aufwachsen. Die irgendwann vor vielen Jahren einmal besetzten Fische vermehren sich hervorragend und bilden heute auf einer Seehöhe von über 1.700 m eine wilde Lebensgemeinschaft. Entnahme war nie und ist auch jetzt nicht möglich.

Inmitten dieses wildromantischen Tales mit Almwiesen, Bergwaldbeständen, Latschen, großen Felsblöcken, Beerenkräutern und Pilzen banden wir unsere Fliegen ans Vorfach. Köcherfliegen kennen die „Wasserbewohner“ als tägliches Brot, weshalb eine Sedge-Imitation nie verkehrt ist.

Der Gößnitzbach ist im Schnitt ca. 5m breit nicht sehr tief, aber die Gumpen…!! Oft magische 2m tief ! In den Strudeln des schnellen Wassers hinter grossen Steinen und in Gumpen steht ja der Fisch meist nicht immer flussaufwärts, also vorsichtig beim Anpirschen, kann sein, dass man schon von mehreren aufmerksamen Fischaugen „gescannt“ wird, bevor man ankommt…

Man möchte meinen, hier oben gäbe es wenig Nahrung und deshalb nur kleine, schlanke Fische.
Die ersten Fänge überraschten uns total, denn jede Forelle und jeder Saibling war erstaunlich gut genährt, enorm kräftig im Drill, wenngleich die Fluchtwege nicht lang waren, da immer sofort die gewohnten Unterstände aufgesucht wurden.
Die größten Bachforellen wachsen bis gut 30 cm, man kann aber auch einen "kapitalen" Saibling landen...

Nach diesem wirklich traumhaften Fliegenfischer-Erlebnis auch noch in der Wirtsbauer-Alm einen köstlichen, zucker-karamelisierten lecker Kaiserschmarrn mit Blick auf das Tal bis hinauf zum "Roten Punkt" und mit Blick nach unten zum Gößnitzbach genießen zu dürfen, das war wunderbar!
Fischereibestimmungen:
Fly-only, widerhakenlos, catch&release, keine Streamer sowie keine zusätzlich beschwerten Nymphen. Kein Kescher. Kärntner Fischer-Gastkarte und Gewässerlizenz erforderlich.
Geräte-Empfehlung:
Logischerweise muss man hier bachaufwärts fischen und bei ganz vorsichtigem Anpirschen begreift man erst, wie gut der Fischbestand ist. Eine Rute Klasse 4, Länge 9' ist ideal; Vorfach 2,70 m, zusätzlich als Tippet ein Fluorcarbon 0,15 mm und man ist bestens ausgestattet. Das Präsentieren wird durch Bäume oder Büsche fast nicht gestört und Watbekleidung braucht man auch nicht, denn hier reichen Berg- oder feste Wanderschuhe.

Wer den Gößnitzbach erleben möchte, kann im Hotel Glocknerhof eine Lizenz erhalten. Als außergewöhnlichen Service – nach Absprache – wird ein kostenloser Shuttle ins Gößnitztal angeboten. Selbstverständlich mit Abholung am Abend! Für Hotelgäste ist es auch möglich, eine Nacht auf der hoteleigenen Jagdhütte zu übernachten. Verpflegung müsste allerdings dann mitgenommen werden. Übrigens: die Schlucht werden wir auch mal befischen – gerne fahren wir wieder hin !


Jagdhütte

 noch mehr Fotos von der Jagdhütte und Informationen in unserem
kleinen
> Royal Flyfishing-Fotoalbum
  zum Gewässerbericht > "Möll" mit Gewässerkarte (inkl. Gößnitzbach)
und Informationen zum Hotel Glocknerhof - Fam. Pichler (Lizenzen für Gößnitzbach)
  mehr Fotos vom Gößnitzbach in unserer > Royal Flyfishing-Fotogalerie

Bericht: Peter Sagerer
Fotos/Layout: Eva Geigl