Die  - Fisch des Jahres 2011 -
                                                          

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Fischart Äsche (Thymallus thymallus) einen beispiellosen Rückgang der Bestände in ganz Bayern hinnehmen müssen. Von den kleinen, nahrungsarmen Äschenbächen im nördlichen Unterfranken bis zu den klassischen, äußerst fruchtbaren Äschenrevieren im Alpenvorland gingen die Bestände dieser Fischart fast zeitgleich massiv und nachhaltig zurück.


Laichäsche aus der Sempt

Dies hat in der Folge zu umfangreichen Maßnahmen durch die lokal und überregional bewirtschaftende Fischerei geführt. Von universitär durchgeführten Forschungsprogrammen (Artenhilfsprogramm Äsche), über wissenschaftliche Tagungen zum internationalen Wissensaustausch, die auch das nahe Ausland (Österreich, Schweiz, Tschechien) integrierten, das mit dem selben Phänomen kämpft, bis hin zu Bayern weit organisierten Besatzbemühungen durch die Fischereiverbände. An vielen Stellen wurden wichtige Informationen erarbeitet und viel Wissen um das Leben dieses wunderschönen Fisches angesammelt.

Die daraus gezogenen Schlüsse reduzieren sich aber leider viel zu oft auf die Aussage, dass der Frassdruck durch Fisch fressende Vögel, wie Kormoran, und Gänsesäger die alleinige, gesichert erkennbare Ursache für das Verschwinden dieser Fischart sei. Dies mag für etliche oder auch für viele genannte Gewässer gültig sein, aber allzu oft erweisen sich solche pauschal angeführten Begründungen bei genauer Prüfung im Detail doch als wenig standhaft. Meine wissenschaftliche Erfahrung lässt mich begründet vermuten, dass wie so oft in den meisten Fällen eine monokausale Begründung nicht bis ins Letzte schlüssig durchzuhalten ist und bei der Betrachtung des konkreten Einzelfalles doch meist eine größere Anzahl von Puzzleteilen zusammengefügt werden muss, um der Ursache dieser dramatischen Bestandsentwicklung tatsächlich näher zu kommen. Zusätzlich ist die Reduktion des Frassdruckes vor allem durch den Kormoran ein komplexes Problem, dass durch einen regionalen Abschuss dieser hoch mobilen Vögel nicht sinnvoll und nachhaltig zu lösen ist. Hier sind auf europäischer Ebene Lösungsansätze zu erarbeiten, die zumindest versuchen sollten der Komplexität des Problems Rechnung zu tragen. Ich möchte deshalb die erneute Wahl der Äsche als Fisch des Jahres 2011 zum Anlass nehmen, um einen Überblick über den Lebenszyklus dieses interessanten Fisches zu geben, auf dessen Ansprüche in den einzelnen Lebensphasen kurz einzugehen und vielleicht für einige einen Denkanstoß zu liefern, ob die monokausale Begründung, Frassdruck von Kormoran und Gänsesäger, für ihre Gewässer tatsächlich zutrifft, oder ob es vielleicht noch andere Stellschrauben geben könnte, die eine Verbesserung der Äschenbestände in der nahen Zukunft in Aussicht stellen.
Natürlicher Lebenszyklus der Äsche
Der Lebenszyklus der Äsche beginnt mit dem Ablaichen der Elterntiere im zeitigen Frühjahr. Meist ist ein Temperaturfenster der Wassertemperatur zwischen 6 und 9°C Anlass für die Fische die Laichplätze aufzusuchen und paarweise oder maximal in kleinen Grüppchen üblicherweise mit Männchenüberhang ihre Laichprodukte abzugeben. Hierbei ist es meist so dass die Männchen an geeigneten Laichplätzen zuerst Reviere etablieren und die laichbereiten Weibchen dann aus geschützten Unterständen oberhalb oder unterhalb in diese Refugien einwandern. Die Eier werden im Kies deponiert, wobei hier keine echte Laichgrube angelegt wird, sondern das Weibchen den Schwanzstiel in das Kiessubstrat eindrückt während die Eier abgegeben werden. Das setzt sehr lockere Kiesbänke, ohne Kolmation oder sonstige Verfestigungstendenzen voraus. Auch ist eine geeignete Korngröße zwingende Voraussetzung, die für die Äsche zwischen 0,5 und 3,5 cm angegeben werden kann. Dies ist also deutlich feiner, wie für die Bachforelle bekannt.
Der erste Entwicklungsabschnitt der Äsche findet dann für das Ei im oberflächlichen Interstitial (Kieslückensystem, meist bis 10 cm Sedimenttiefe) des Laichplatzes statt. Die Eier sind nicht klebrig, zwischen blass gelb und orange gefärbt und mit rund 3mm deutlich kleiner als Bachforelleneier. Sie sind ebenso lichtempfindlich und aus Erfahrungen aus der künstliche Nachzucht kennt man heute eine erhebliche Erschütterungsempfindlichkeit bis zum Augenpunktstadium, die viel höher anzusetzen ist als bei Bachforelleneiern. Die Entwicklungsdauer umfasst bei einem Mittel der Wassertemperatur von 10°C ca. 20 Tage. Eine erfolgreiche Entwicklung der Äscheneier ist in einem Temperaturfenster zwischen 5 und 15°C sicher möglich, wobei höhere Temperaturen die Entwicklung beschleunigen und geringere diese entsprechend bremsen. Aus eigener Erfahrung kann ich anführen, dass etwas erhöhte Wassertemperaturen sich günstig auswirken, bei einer weiteren Steigerung beschleunigt sich zwar die Entwicklung weiter, aber auch die Zahl der Entwicklungsfehler in der Eientwicklung steigt an und damit sinkt der Erbrütungserfolg. Eine genetische Prägung, d.h. eine Anpassung an unterschiedliche Gewässerparameter, bei den unterschiedlichen Stämmen dieser Fischart ist gerade in dieser Beziehung sehr wahrscheinlich.
Die frisch geschlüpfte Äschenlarve verbringt dann noch einige Tage (Dauer je nach Wassertemperatur) im Kieslückensystem, wo sie ihren Dottersack gänzlich aufzehrt, ehe sie an die Oberfläche steigt, die Schwimmblase füllt und mit externer Ernährung beginnt. Die Äschenlarve wandert morgens aus dem Kieslückensystem an die Substratoberfläche, ehe sie am folgenden Abend nach flussab mit der Strömung verdriftet wird, um dann für ihre weitere Entwicklung geeignete Lebensraumabschnitte zu finden. Bei Erreichen von flachen, strömungsreduzierten Uferbereichen, mit erkennbar höheren Wassertemperaturen endet die Abdrift der Äschenlarven. In diesen Bereichen nehmen sie dann die Nahrungssuche nach in der Wassersäule driftenden Nahrungspartikeln auf. Üblicherweise finden sich die Äschenlarven in kleinen Schwärmen in diesen Gewässerbereichen und können an ihrer chrakeristischen Erscheinung und der Art und Weise des Schwimmens sicher identifiziert werden.
Mit dem Wachstum, das bei höheren Temperaturen (um 15°C) deutlich schneller verläuft als bei sehr niedrigen (< 10°C) suchen die Jungfische der Äsche immer schneller strömende Bereiche mit größeren Wassertiefen auf. Jungfische im ersten Jahr finden sich typischerweise meist in flachen Rauschen neben der Hauptströmung, im Wirbelsaum entlang von Kiesstrukturen usw. Ausreichend schnelle Strömungen (um 0,5m/s) und Wassertiefen von unter einem Meter werden nach meinen Erfahrungen bevorzugt. Die Nahrung besteht zu diesem Zeitpunkt aus driftenden Insekten und Insektenlarven geeigneter Größe, sehr häufig werden Zuckmückenlarven bevorzugt.

Mit dem weiteren Wachstum der Fische erschließen sie sich immer tiefere und schneller fließende Gewässerbereiche als Lebensraum. Das Nahrungsspektrum bleibt für den recht kleinmäuligen Fisch zeitlebens bevorzugt im Bereich von Insekten, Insektenlarven und Kleinkrebschen, den sogenannten Makroinvertebraten des Heimatgewässers. Hierbei ist das Wachstum der Fische natürlich vom Nahrungsangebot und vor allem auch von der vorherrschenden Wassertemperatur abhängig. Warmes Wasser bedingt schnelleres Wachstum, kühles Wasser bremst die körperliche Entwicklung der Fische.
Einsömmrige Jungäsche ca. 10cm Länge

Die Weibchen erreichen meist im dritten, teils erst im vierten Jahr die Geschlechtsreife, was je nach Umweltbedingungen eine Größe zwischen 30 bis 35cm bedeutet. Die Männchen werden meist ein Jahr früher geschlechtsreif. Aus züchterischer Erfahrung weiß man, dass bei den Weibchen das erste Ablaichen mit recht geringen Eizahlen und oft sehr schlechter Eiqualität stattfindet. Das bedeutet für eine erfolgreiche Vermehrung der Bestände aus natürlicher Reproduktion heraus sind Weibchen im Alter von minimal fünf bis zu acht Jahren wohl optimal geeignet. In diesem Zusammenhang kann man oft beobachten, dass durch die geringen Bestandszahlen für die verbleibenden Fische sehr gute Lebensbedingungen vorliegen und sie extrem schnell abwachsen. Die Äsche erreicht zusätzlich kein allzu hohes Alter ist also kein langlebiger Fisch, so dass Individuen mit mehr als zehn Jahren Alter eher selten zu finden sind. Für die erfolgreiche Vermehrung der Äschenbestände sind also vergleichsweise nur geringe Bestandsanteile zuständig, was die Äschenbestände insgesamt in vielen Belangen gefährdungsanfälliger als andere Flussfischarten erscheinen lässt.
Gefährdungspotentiale – strukturelle Eingriffsmöglichkeiten
In der Folge soll nun versucht werden am bisher aufgezeigten Lebenszyklus der Äsche orientiert Gefährdungspotentiale für die vorhandenen Bestände aufzuzeigen und auch an plastischen Beispielen zu visualisieren.
Laichplatzqualität - Gesamtstruktur und Körnungsverteilungen
Aus Beobachtungen ist bekannt, dass an reich strukturierten Laichplätzen deutlich weniger Stress für die Fische zu verzeichnen ist und auch deutlich mehr Männchen in der Lage sind Reviere zu etablieren, was den Ablaicherfolg beides insgesamt erheblich verbessert. Deckungsreiche Unterstände für die Weibchen optimieren das Angebot eines "perfekten Laichplatzes". Der nächste entscheidende Faktor ist die Eignung des Sedimentes am Laichplatz für eine erfolgreiche Eiablage und die folgende Ei- und Brutentwicklung.


versandeter Laichplatz


intakter Laichplatz - sauberer Kies

In vielen Bereichen ist durch die Störungen des Geschiebehaushaltes im Gewässer (Querverbau - Staulegung) eine veränderte Körnungsverteilung in den vorhandenen Kiesbetten zu beobachten, die sich massiv hin zu den extremen Körnungen (sehr fein bzw. sehr grob) verschoben hat. Des weiteren wird durch verschiedene Faktoren bedingt heute in vielen Gewässerstrecken ein Überangebot von sehr feinen Sedimentanteilen transportiert. Dadurch wird dann das äußerst wichtige Lückensystem des Kiessedimentes verfüllt und die Kiesbetten insgesamt verfestigt. Damit werden die Kiesbänke der ständigen und entscheidenden Umlagerung entzogen. Nur bei optimaler Qualität des Kiessediments am Laichplatz ist aber ein ausreichender Vermehrungserfolg durch die ablaichenden Elternfische zu erzielen.

Brutfischstandorte

Nachdem die Eier der Äsche sich im Kiessediment erfolgreich entwickelt und die Brütlinge selbiges verlassen haben beginnt die nächste spannende Phase im Leben der Jungäschen. Sie müssen nun ein Areal finden, in dem sie gute Lebensumstände und ausreichend geeignete Nahrung vorfinden. Ihnen ist in dieser Lebensphase ausschließlich die Fortbewegung flussabwärts möglich, was die Möglichkeiten zusätzlich erheblich einschränkt. Über zeitliche Dauer und räumliche Gestaltung dieser Driftphase wissen wir leider kaum etwas, was die Abschätzung der Auswirkungen von Umweltveränderungen auf die Bestände zusätzlich erschwert. Entscheidend sind für die Brütlinge zwei Faktoren, zum einen die räumliche Greifbarkeit dieser essentiellen Strukturen und in der Folge die zeitliche Konstanz dieses Lebensraumangebotes zum Beispiel auch über Hochwasserzustände hinweg. Nur wenn diese beiden Aspekte erfüllt sind ist eine erfolgreiche und effektive Weiterentwicklung der Brütlinge hin zu dann mit der Zeit deutlich widerstandsfähigeren Jungfischen möglich. Bereits geringfüige oft kaum auffällige Veränderungen dieser räumlich eng begrenzten Lebensraumabschnitte können die Erfolgsaussichten der abwachsenden Brütlinge entscheidend verschlechtern. In der folgenden Abbildung ist eine häufig zu beobachtende Degradation von Kiesbankufern visualisiert.
Uferdegration aufgrund von Bewuchs und fehlender Umlagerung - Brutstandorte in roter Markierung

Durch die immer noch sehr reichhaltige Düngesituation unserer Gewässer etabliert sich heute sehr oft schnell ein dauerhafter Bewuchs auf Kiesbänken, was eine sehr tief greifende Verschlechterung der Lebensraumqualität für dort lebende Jungfische beinhaltet. Bereits bei geringen Abflussanstiegen kommt es zu einer erheblichen Beschleunigung der lokalen Strömungsverhältnisse, der sich die Brütlinge nicht erfolgreich entziehen können. So kommt es zu massiven ungewollten Verdriftungserscheinungen.
Jungfischstandorte - Standorte für Subadulte - Adultfischstandorte
Mit zunehmender Größe sind die Jungäschen natürlich mehr und mehr in der Lage sich aktiv und selbständig im Gewässersystem auch gegen die überall vorherrschende Strömung zu bewegen und damit optimale Lebensraumabschnitte effektiver aufzusuchen. Entscheidend ist, dass für jedes Alter und damit jede Fischgröße alle benötigten Lebensraumkomponenten, wie Nahrungsareale, Hochwasserrückzugsareale oder Winterungsstandorte durchgängig verbunden und ganzjährig erreichbar sind. Für all diese sehr mobilen Alterstadien kommt der Durchwanderbarkeit der Gewässerstrecken eine zentrale Bedeutung zu
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Rahmenbedingungen bei der Bewirtschaftung:

Bestandsstützung:
Für die Stützung noch in Resten bestehender Äschenpopulationen ist die Verwendung geeigneten Besatzmaterials von grundlegender Bedeutung. Nur wenn die eingesetzten Individuen in allen Belangen genetisch optimal an das bewirtschaftete Gewässer angepasst sind, haben sie reelle Chancen sich in das Gewässer einzufügen und in der Zukunft an der Vermehrung der Äschenpopulation beteiligt zu sein. Eine lokale Nachzucht der Fische aus lokalen Beständen ist also durch nichts zu ersetzen. Neben der genetischen Eignung ist es prinzipiell so, dass die freigesetzten Fische sich umso besser in die Natur integrieren können, je kürzer sie durch die künstlichen Lebensumstände in einer Fischzucht negativ beeinflusst wurden. Weiters sind kleinere bzw. jüngere Besatzstadien preislich günstiger und erlauben die wiederum genetisch (Bestandsbasis) wichtigen hohen Besatzzahlen. Wenn die natürliche Selektion im Gewässer aus einer hohen Ausgangszahl von Besatzfischen auswählen kann, bleiben bei gleicher genetischer Anpassung einfach mehr Individuen im Gewässer übrig, wie bei entsprechend geringen Besatzzahlen. Eine Stützung aller Alterstufen ist natürlich wie generell propagiert sinnvoll und auch anzustreben, kann aber oft mangels Finanzmitteln nicht durchgehalten werden, da die Äsche mit der teuerste Besatzfisch in unseren Regionen ist.
Bestandsnutzung:
In vielen bayerischen Gewässern ist heute die Äsche durch die bewirtschaftenden Fischereivereine ganzjährig geschont worden. Diese Vorgehensweise („Käseglocke“) halte ich generell im Naturschutz gerade bei dynamischen Lebensräumen, für keine gute Lösung. Die folgende Entfremdung von den betroffenen Arten führt über kurz oder lang dazu, dass die Bereitschaft Geld oder Arbeitsleistung für zum Beispiel bedrohte Fischbestände zu mobilisieren rapide abnehmen wird. Hier greift leider zu schnell das Prinzip „aus den Augen aus dem Sinn“, das den Äschenrestbeständen dann nur zu schnell zum Verhängnis werden kann. Des weiteren ist die Akzeptanz von sonstigen wichtigen Begleitmaßnahmen, z.B. Köderbeschränkungen, Schongebieten oder sonstige notwendige Fangeinschränkungen auf die noch einzugehen sein wird, höher, wenn zumindest noch eine eingeschränkte Nutzung der Bestände möglich ist.
Aus diesem Grunde plädiere ich für ein deutlich höheres Schonmaß mit begleitenden Schutzmaßnahmen
Ziel dieses Schonmaßes muss in diesem speziellen Falle sein, den gesamten noch effektiv reproduzierenden Äschenbestand weitgehend zu schützen, was mit einem Schonmaß um 45cm sicher zu erreichen ist. Warum bei der letzten Änderung des bayerischen Fischereigesetzes nicht zumindest ein merkliche Erhöhung des Schonmaßes für die Äsche in Erwägung gezogen wurde, ist angesichts der derzeitigen bayernweiten Gefährdungssituation dieser Fischart für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Mit den immer noch bestehenden 35cm Schonmaß werden in vielen Gewässern insbesondere die wertvollen Weibchen weiter entnommen, deutlich bevor sie ihre effektivste Vermehrungsgröße erreicht haben. Dies wird noch verstärkt durch das bereits angesprochene oft sehr gute Wachstum der verbliebenen wenigen Äschen in den Gewässern, die oft einem Überangebot von Nahrung gegenüberstehen. Bei Altersuntersuchungen konnte ich immer wieder feststellen, dass die Fische bei erheblichen Größen noch als vergleichsweise jung einzustufen sind.


Äschenschuppe aus dem Inn - 47cm - 6 Jahre alt

Wichtige Begleitmaßnahmen sind weiters alle Regelungen, die ein möglichst schonendes und verletzungsfreies Zurücksetzen von untermaßigen Äschen sicherstellen, oder diese Fische insgesamt weitgehend vom Fang ausschließen. Dies betrifft die Beschränkung von Naturködern in den Verbreitungsgebieten der Äsche, zum Beispiel auf große Varianten wie nur Köderfische (ab einer festgelegten Größe), Fischfetzen und eventuell der Tauwurm. Köder, die auch für die Äsche attraktiv sind (Trockenfliegen, Nassfliegen oder Nymphen), sollten generell nur mit Einzelhaken und ohne Widerhaken eingesetzt werden. Dies sollte sinnvoller Weise auch für kleine Spinnköder (<6cm) gelten, da gerade zum Beispiel Spinner zu Beginn der Bachforellensaison sehr gerne von den großen Äschen genommen werden, was häufig massive Verletzungen an den gefangenen Fischen zur Folge haben wird.

Zu diesem Zeitpunkt befinden sie sich auch noch in der Schonzeit und sind unabhängig von der Fischgröße zurück zu setzen. Natürlich ist es auch eine effektive Möglichkeit zum Beispiel Strecken die bekannter Maßen Standplatz gerade von jungen Äschen sind, generell von der Befischung auszunehmen und sie als Schongebiete auszuweisen.

Ein ansonsten möglichst schonender Umgang mit den gefangenen Äschen, wie Zurücksetzen ohne Berührungen, ansonsten nur Einsatz von nassen Händen usw. sollte selbstverständlich sein. Ein Druck auf den Fisch oder gar die Entnahme aus seinem Element um ein Erinnerungsbild zu schießen sollte für die sehr empfindliche Äsche auf jeden Fall tabu sein. Man kann auch sehr schöne Bilder von Fischen in ihrem Element aufnehmen, ohne den Erinnerungswert zu schmälern. Wenn der Fisch durch den Drill sehr ermüdet erscheint, ist ein kurzes Ausrichten gegen die Strömung um die Kiemen optimal mit Sauerstoff zu versorgen auf jeden Fall sinnvoll. Das Drillgeschehen selbst sollte auf jeden Fall so kurz wie möglich gehalten werden, um dem Fisch unnötigen Stress zu ersparen. Weiters sei an dieser Stelle noch festgestellt, dass es sehr unwahrscheinlich ist, wenn an einer Stelle im Gewässer bereits der zweite untermaßige Fische gefangen wurde, dass dann an dieser Stelle noch eine deutlich größere Äsche ihren Standplatz hat. Die Fische rotten sich im Gewässer fast immer zu Gruppen mit recht einheitlicher Größe zusammen. Ein Standortwechsel ist dann eigentlich die einzig sinnvolle Maßnahme um den Fang weiterer kleiner Äschen zu vermeiden.
Bestandsgefährdung
Die derzeit in erster Linie diskutierte Gefährdungsursache für die noch bestehenden Äschenbestände ist der Frassdruck durch Gänsesäger und Kormoran. Dabei schädigt der Gänsesäger bedingt durch das Beuteschema in erster Linie die Bestände der Jungfische im ersten und zweiten Lebensjahr, wohingegen der Kormoran selbst Fische um 40 cm und größer wohl regelmäßig erbeuten kann.

In Zusammenhang mit dem Frassdruck dieser Wasservögel ist natürlich ein massives Problem, dass auch die sonstigen vorkommenden Fischarten der Äschenregion oft nur noch in völlig desolaten Restbeständen vorkommen. Die ehemaligen Massenbestände, von Nase, Barbe oder auch Aitel oder Hasel sind in vielen Gewässerstrecken fast vollständig zusammengebrochen. Dies hat den sehr unangenehmen Nebeneffekt, dass als Jagdbeute für die Fisch fressenden Vögel fast ausschließlich die Restbestände der Äsche oder noch fataler die Äschenbesatzfische zur Verfügung stehen. Gerade die Besatzfische sind den optimal angepassten Jägern fast schutzlos ausgeliefert, da ihnen die nötigen Erfahrungen zur Räubervermeidung fehlen. Das weitgehende Fehlen der Begleitfischfauna ist also mit eine der wichtigsten Gefährdungsursachen für die Äsche derzeit. Deren Bestandsanierung erfordert aber meist andere oder zusätzliche Maßnahmen, wie sie derzeit für die Äsche notwendig erscheinen.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der den Frassdruck der Vögel zur Gefährdung werden lässt ist auch der derzeitige strukturelle Zustand vieler Gewässerstrecken. Natürlich ist es so, dass die Äsche üblicherweise eher strukurarme, freie Gewässerstrecken als Standplätze bevorzugt. Dies bedeutet aber nicht, dass sie im Falle einer Gefährdung durch Räuber keine Schutzzonen aufsuchen würde. Dazu müssen diese aber auch tatsächlich vorhanden und erreichbar sein. Totholz ist hier ein wichtiger Faktor in den Gewässern der Äschenregion. Aber auch eine abwechslungsreiche und reichhaltige Entwicklung von Gewässertiefen und Strömungssituationen ist hier von entscheidender Bedeutung für die vorkommenden Fische.
Totholz-Strukturen gegen Vogelfraßdruck

Regenbogenforelle - Äschenkonkurrent ?

Nicht zuletzt soll an dieser Stelle natürlich noch angeführt werden, dass auch durch ungeeignete Bewirtschaftungsmaßnahmen ein zusätzlicher Frassdruck auf die Äsche oder zumindest negativ zu bewertende Konkurrenz um essentielle Lebensraumabschnitte entstehen kann. Zentrales Problem ist hier die allgegenwärtige Regenbogenforelle. Sie ist keine heimische Fischart nutzt aber die selben Lebensraumabschnitte wie die Äsche, steht also mit ihr in unmittelbarer Konkurrenz. Hinzu kommt ein Aspekt, der sehr oft vernachlässigt wird.

Gerade zur Zeit der Äschenlaichzeit und im Anschluss zur Zeit der beginnenden Jungfischentwicklung, findet man in unseren Gewässern zumindest lokale und zeitlich begrenzte Überbestände (Besatzpunkte) der Regenbogenforelle.

Bedingt durch
die gesetzliche Regelung, dass ein Gewässer nach dem Besatz mit fangfähigen Besatzfischen für die Befischung gesperrt werden muss, wird oft der gesamte vorgesehene Regenbogenforellenbesatz eines Jahres bevorzugt Anfang bis Mitte März in der Zeit unmittelbar vor der üblichen Befischungsperiode besetzt. Dies trifft in vielen Gewässern genau mit einer der sensibelsten Phase der Äschenvermehrung, der Emergenz der Äschenlarven aus den Kiesbetten und der anschließenden Verdriftung zu den Brutstandorten zusammen. Diese Ereignisse fallen dann mit der höchsten Raubfischdichte (Regenbogenforellen) in den entsprechenden Lebensräumen im gesamten Jahresverlauf zusammen. Der Effekt dieser Konstellation ist bisher nicht quantitativ untersucht, beinhaltet meiner Meinung nach aber ein sehr hohes Gefährdungspotential für die frisch geschlüpften Äschenlarven und damit für die lebensnotwendige Basis jedes natürlichen Äschenbestandes.
Ich hoffe mit dieser Zusammenstellung etwas mehr Einsicht in den Lebenszyklus einer Fischart erreicht zu haben und den interessierten Lesern einige Denkanstösse geliefert zu haben, welche Faktoren an ihrem Gewässer vielleicht eine entscheidende Rolle bei der bisherigen und der weiteren Entwicklung der Äschenbestände spielen könnten.

Dr. Dipl.Biol. Manfred Holzner


Foto: Eva Geigl
Bericht und Fotos: Dr.Dipl.Biol. Manfred Holzner
Gewässerökologie und Fischbiologie
Layout: Eva Geigl

weitere Berichte über die Äsche in Royal Flyfishing:
 zur Wahl  der Äsche 2011-gefährderter Charakterfisch von Prof.Dr. Jürgen Geist
 Fisch des Jahres 2011 - die Äsche vom Präsident VDS e.V. Peter Mohnert
 Die Äsche - wertvoller Fisch in unseren Fließgewässern von Dr. Andreas Meraner