Noch während unserer Reportage an der Leitzach (siehe Gewässer-Tipps) beschlossen wir, zusammen mit Stefan Moser, dem 1. Vorstand des Bezirksfischereivereins Miesbach-Tegernsee, die nächste Gelegenheit wahrzunehmen, am Spitzingsee auf Hechte mit Streamer unser Glück zu versuchen.

Nach alter Überlieferung sind ja Vollmond- und Neumondtage im Sommer ideal dafür....
Der Spitzingsee liegt zwischen Miesbach und Bayrischzell im Oberland auf 1085 Meter Seehöhe. Mit 28,3 ha Fläche ist er der größte Hochgebirgssee Bayerns. Die Seetiefe beträgt maximal 16,5 m, an den Rändern die zum Befischen auf Hecht ideal sind, höchstens 4-6 m. Der Fischbestand besteht hauptsächlich aus Hecht, Schleie, und Renke. Vereinzelt soll es auch Brachsen, Forellen und Aale geben. Die Saison beginnt am 30. April und endet am 15. November. Tageskarten für € 13,- bekommt man im Kiosk unmittelbar am Seeufer. Allerdings wird dort erst um 9.00 Uhr geöffnet, so dass man die "goldenen" Morgenstunden zum Hechtfischen nicht nutzen kann – also rechtzeitig Karten am Vortag besorgen.
Ideal ist ein Belly-Boat, denn damit kann man sich praktisch lautlos anpirschen. Man muss aber am Spitzingsee an einem schönen Tag ab ca. 11.00 Uhr mit Nordwind rechnen, der je nach Hochwetterlage auch ziemlich kräftig blasen kann. Wer ein Boot mietet oder mitbringt, kommt ohne Telleranker oder entsprechendem Gewicht zum "Ankern" nicht aus. Wir – Stefan, Tom, Eva und ich – ruderten mit Belly-Boat und Fischerbooten etwa um 10.00 Uhr zur Nordwestseite des Sees. Dort gibt es sogenannte "Randwiesen" bestehend aus einer Art Schachtelhalm, das wie Zinnkraut aussieht. Vor diesem "Kraut" haben sich an einigen Stellen Seerosenfelder gebildet. Alles ideale Wohngegenden für Hechte.
Tom im Belly Boat
Meine Streamerwahl in der Fliegenbox fiel auf einen grünen widerhakenlosen Tuben-Streamer –
ein Geschenk vom Fliegenbinder Christian Geiger aus München.
Befestigt wurde er an einem Stück Hard-Mono 30 lbs. Meine # 8-Rute war mit der 8er Schwimmschnur
und dem eingeschlauften S
ink-Tip gut gerüstet. 


Tuben-Streamer von Christian Geiger


Streamer von Hans Eiber

Der grosse nasse Streamer überlastete aber dann fühlbar die Ruten-Aktion. Es war anfangs sehr ungewohnt und ich brauchte einige Zeit, das richtige Gefühl zu finden, um saubere und gezielte Würfe durchzuführen.

Aber man weiß ja sowieso nicht wo sich ein Esox versteckt hält. Man kann nur vermuten und Stück für Stück abfischen. Nach ca. 30 Minuten "grünerstreamerwerfen" ließ sich dann doch noch einer "reizen".
 
Nach einer gemütlichen Kaffeepause ruderten wir zum nördlichen Teil des Spitzingsees. Hier ist der Seegrund ca. 50 cm unter den aus dem Wasser ragenden Pflanzenköpfen. Nachdem meine Wurftechnik schon besser geworden war, konnte ich jetzt auch weite Würfe durchführen. Also warf ich jetzt mitten in dieses "Kraut"  und strippte den Streamer von Hans Eiber etwas mehr an der Oberfläche und viel schneller als sonst ein. Tatsächlich schoss ein Hecht auf den Streamer. Ein kurzer Drill folgte. Durch den angedrückten Widerhaken ließ sich der Streamer unter Wasser aus seinem Maul leicht  lösen, ohne den Hecht zu verletzen.  Diese Fischart ist extrem empfindlich und man sollte gerade deswegen untermaßige Fische so schonend wie nur möglich wieder ihren Lebensraum Wasser zurückgeben.

In der Zwischenzeit hatte auch Stefan einen Hecht gelandet.

Aber dann zogen wir uns wegen dem anhaltend starken Wind zur Bucht im Südwesten des Spitzingsees zurück.

Tom bekam einen heftigen Biss und hatte kurzzeitig einen großen Hecht am Streamer, der extrem stark in die Tiefe zog, aber plötzlich wieder frei war. Der Grund dafür war wohl , dass bei seinem großen Streamer der Hakenbogen zu weit vor der Schwanzspitze des Streamers lag und somit der Hecht nur die Synthetikfasern erfasste. Aber bei der nächsten "Fliegebinde-Session" werde er mehr darauf achten, meinte er.
Wir waren uns darüber einig, künftig mit Tuben-Streamern zu fischen (s.o.). Hier lässt sich diese Differenz problemlos mit einer weichen Tube überbrücken, so dass der Hakenbogen ganz dicht am Schwänzchen liegt. Damit gibt es fast keine "Fehlbisse" mehr und ein kurzer Tubenhaken unterliegt auch nicht den Hebelkräften, wie es bei einem langen Streamerhaken der Fall ist.


Streamer von Ulf Pawlik
Mit Ulf Pawlik's Streamer wurde dann Tom in den Abendstunden noch von einem weiteren Hecht "überrascht".

(
Biografie von Ulf Pawlik in Royal Flyfishing)

Abends wurde es windstill, auf dem See wurde es ruhig. Eva, unsere Fotografin mit im Boot,  hatte nun genug vom Zuschauen und tauschte die Kamera mit der Fliegenrute...
...und...
...hat noch einen im "Gebüsch gefunden". Ein toller Erfolg, wir freuten uns alle mit ihr!

Wir hatten einen wunderschönen "Hecht-Tag" am Spitzingsee umgeben von einer bezaubernden Gebirgslandschaft und können Ihnen das sehr empfehlen.

Hier noch einige nützliche Tipps:  Mit Belly-Boat nicht ohne Neopren-Wathose und entsprechender warmer Unterbekleidung! Generell auch im Sommer warme und winddichte Kleidung anziehen oder zumindest im Boot mitnehmen. Bitte achten Sie auf das Schnur-Gesamtgewicht zuzüglich Sinktip und nassem Streamer - am besten vorher genau vom Fachmann prüfen lassen, denn die Rute transportiert dies alles bei Überlastung nur noch mit großem Kraftaufwand. So kann ein schöner Tag leicht anstrengend werden!  Die beste Lösung ist ein Schusskopf mit leicht sinkender Spitze und eingeschlauftem Hard-Mono-Tippet. Als Alternative bietet sich auch ein schwimmender Schusskopf mit Hecht-Diver  (Sink-Tip) an. Sie können bei uns im Royal Flyfishing-Shop Ihre Fliegenrute kostenlos vermessen lassen und entsprechend dem Messergebnis den genau zur Rutenaktion passenden Schusskopf mit Runnig-Line finden.

Von München aus fährt man die A-8 München-Salzburg bis zur Ausfahrt Weyarn, von hier nach Miesbach und Richtung Bayrischzell über Hausham, Schliersee, Neuhaus. Kurz nach diesem Ort geht es gut beschildert rechts zum Spitzingsee.
Wer nicht nur einen Tag am Spitzingsee oder in den umliegenden Gewässern des Bezirksfischereivereins Miesbach-Tegernsee mit Fliege oder Streamer fischen möchte, findet im Postgasthof „Rote Wand“ in Geitau genau die richtige Unterkunft. Adresse mit Daten finden Sie in unserem Gewässer-Tipp  "Leitzach".

  mehr Fotos von unserem Spitzingsee-Ausflug
in unserer Royal-Flyfishing
Fotogalerie



zur Seekarte Spitzingsee
Bericht: Royal Flyfishing
Fotos/Layout: Eva Geigl