Wiesenfluss mit Überraschungen

Die Kirnach ist ein ca. 30 km langer, kleiner Wald- und Wiesenfluss im Landkreis Ostallgäu. Sie entspringt westlich von Görisried im Kempter Wald und mündet nordöstlich des Biessenhofener Ortsteils Ebenhofen in die Wertach. Die Strecke, die wir (Eva, Tom und ich ) Ihnen heute vorstellen, hat eine Länge von ca. 4 km und beginnt in der Nähe von Ruderatshofen. Fließt von dort als reine Fliegenfischerstrecke bis zur Straßenbrücke in Ebenhofen und weiter noch ca. 400 Meter als Kunstköderstrecke bis zum Kirnachstausee ganz nah bei Biessenhofen. Widerhakenlos ist Pflicht! Erlaubt sind Trockenfliege, Nymphe und Streamer. Für den ungeübten Fliegenfischer sind etwa 60 % der Gesamtstrecke eine ganz besondere Herausforderung. 

Viele Bäume Büsche und Äste teilweise überhängend oder im Wasser lassen "normale" Präsentationen nicht zu. Man muss improvisieren und oft auch vorsichtige Positionswechsel vornehmen, um die zahlreich dort lebenden, teilweise recht großen Bachforellen mit Trockenfliege oder auch Nymphe zu erreichen. Die durchschnittliche Breite der Kirnach ist je nach Wasserformation zwischen 2 und max. 9 Metern.
Der Fischbestand: Hauptfisch ist die Bachforelle, dann Regenbogenforellen, einige schöne Äschen und ganz selten der Bachsaibling. Die Struktur der Alterspyramide ist durch den Mangel an  halbwüchsigen Fischen etwas aus dem Gleichgewicht.

             

Sehr erfreut hat uns, dass es Brut und Jungfische massenhaft gibt. Der Augsburger Fischereiverein arbeitet seit einigen Jahren daran, die natürliche Alters-Struktur der Fische wieder zu regeln - aber wir wissen alle, dass unser "Freund" Kormoran am liebsten 20-30 cm große Fische erbeutet.
In der schwach besiedelten und naturbelassenen Gegend von Ebenhofen bis Ruderatshofen ist Vergrämung und Jagd auf diesen Vogel verboten. Erst wenn der Befischungsdruck des Kormorans weniger wird, werden sich auch die sogenannten "Halbwüchsigen" wieder natürlich entwickeln
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Die beste Zeit im Sommer ist frühmorgens und am Spätnachmittag bis zum Eintreten der Dunkelheit um erfolgreich den zahlreichen schönen Forellen an der Kirnach nachzustellen. Zwei oder drei unfehlbar fängige Fliegen- bzw. Nymphenmuster zu empfehlen ist nur bedingt möglich. Man müsste Entomologe sein, diese Vielfalt an Insektenarten im oder am Wasser benennen zu können. Dazu noch enorm viele Landinsekten wie Spinnen, Käfer, Heuschrecken, Baumläuse und sonstige Krabbler. Parachute, Sedge, Steinfliege oder Käfer-Imitationen sind wenigstens ein Anhaltspunkt.
Wer meint, hier wäre ein "großer Happen"  das Richtige für einen strammen Fisch, der täuscht sich. Meist sind es nur die gerade auf der Wasseroberfläche daher schwimmenden Kleinstfliegen, auf welche sich die Forellen stürzen. Sind Fische aktiv und steigen kontinuierlich, dann sollte man sich ganz ruhig verhalten und es mit Mustern in grau, braun oder schwarz der Größen 12–14 versuchen. Bei Verweigerung sofort auf 16-er oder 18er Hakengröße wechseln. Der Nachteil dabei ist die Vorfachstärke, die man dann ja auch reduzieren sollte. Verwenden Sie mindestens 0,14 mm Tippet als Fluorcarbon. Bei 0,12 mm würde es sehr schwer werden, eine Forelle über 40 cm sicher zu landen und vor allem wegen vieler Wurzeln und Totholz im Fluss, wohin der Fisch sofort zu flüchten versucht.
Wir waren begeistert von der Vielfalt der Gewässerstruktur. Von Flachwasserzonen über kleine Rieselstrecken, tiefen Zügen  und einigen mächtigen Gumpen ist alles dabei. Auch die Ruhe in dieser ländlichen Gegend ist herrlich und trägt zur Entspannung bei. Ist schon etwas ganz Besonderes, wenn einem die Kühe beim Fliegenfischen zusehen...
Das Waten - bis auf die Gumpen –  gestaltet sich auch recht komfortabel und es empfiehlt sich flussaufwärts zu gehen. Die Uferzone ist teilweise von außen durch Brennesselfelder und dichten hohen Stauden sehr schwer zugängig. Bei dichten überhängenden Büschen aber, die Fliege am besten flussabwärts treiben lassen; da steigt die Spannung … und vielleicht auch die der Fliegenschnur.
                          

Erwähnenswert ist noch, dass der Kirnach-Stausee, wenn die Kirnach durch ein plötzliches Gewitter hoch und schmutzig werden sollte, auch mit Naturködern befischt werden könnte. 

Zusammenfassend kann man sagen - ein sehr interessantes Revier für Fliegenfischer, mit herrlichen Überraschungen!

Wer aus dem Raum München zur Kirnach will, nimmt die Autobahn nach Lindau und fährt an Landsberg vorbei und fährt nach Buchloe Ost in Richtung Kaufbeuren/Jengen  auf die B-12. Dort bei der Ausfahrt Biessenhofen ausfahren und am ersten Kreisverkehr links nach Ebenhofen abbiegen. Durch Altdorf durch und in Ebenhofen an der Kreuzung rechts bis zur Kirnach-Brücke fahren. Hier ist die untere Grenze der reinen Fliegenstrecke. Man kann selbstverständlich auch bis zum Stausee weiterfischen.
Um zur Nähe der oberen Grenze zu kommen, fährt man von Ebenhofen in Richtung Ruderatshofen und biegt etwa 300-400 Meter nach dem Ortsausgangs-Schild rechts zu einem großen Bauernhof ab. Nach dem Hof ist gleich die Kirnach und dort gibt es auch eine gute Parkmöglichkeit gleich nach der Brücke. Von hier hat man sicher noch etwa 500 Meter (meist freie Strecke) bis ein Schild die obere Grenze kennzeichnet. Tageskarten bekommt man ca. 10 Minuten von der Fliegenfischerstrecke Kirnach entfernt für € 15,- zuzüglich € 5,-Pfand bei: Angelgeräte Müller Salzstraße 27, D-87600 Kaufbeuren/Oberbeuren Tel. 0049-(0)-8341-73371
Bericht: Peter Sagerer
Fotos: Eva Geigl
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