Ein vielfaltleben-Projekt der Österreichischen Naturschutzjugend Önj
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Die Flussperlmuschel 

Margaritifera margaritifera

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Die Flussperlmuschel ist Botschafterin für alle heimischen Muschelarten - ebenso, wie für eine gute Wasserqualität. Weil die Bestände innerhalb von nur 100 Jahren um 90% abgenommen haben, setzt die Önj-Haslach auf den Schutz der letzten Muschellebensräume im oberen Mühlviertel.
Als Methusalem unter den Weichtieren kann die bis zu 16 cm große Flussperlmuschel sogar ein Alter von über 100 Jahren erreichen. Wegen ihrer hohen Ansprüche ist die Flussperlmuschel ein Anzeiger für gute Wasserqualität. Auch ihre Fortpflanzung ist etwas Besonderes: Das Weibchen nimmt ab einem Alter von 15 Jahren erstmals Spermien aus dem Atemwasser auf. Anschließend brütet es in den Kiemen eine Vielzahl Muschellarven (Glochidien) aus, die dann millionenfach ins Wasser abgegeben werden. Bachforellen nehmen ihrerseits die Larven auf. Diese setzen sich an deren Kiemen fest und leben parasitisch von Blut und Körperflüssigkeit des Wirtsfisches, der dabei aber keinen Schaden erleidet. Nach Monaten fallen sie von der Forelle ab, ziehen sich mehrere Jahre in das Lückensystem der Bachsohle zurück und kommen dann als junge Flussperlmuscheln an die Oberfläche. Die aus Nordamerika stammende Regenbogenforelle, die die Bachforelle weitgehend verdrängt hat, ist als Wirt nicht geeignet. Eine Muschel filtert etwa 30 l Wasser pro Tag, 500 Muscheln 15.000 l - man kann sie durchaus als kleine biologische Kläranlage für Schwebstoffe von Tieren und Pflanzen bezeichnen.
Ohne Bachforellen und gute Wasserqualität keine Flussperlmuscheln. Da die Larven einen Teil ihrer Entwicklungszeit in den Kiemen von Bachforellen verbringen, sind sie auf deren Vorhandensein angewiesen. Eine weitere Bedingung sind kalkarme, saubere, gut strukturierte, kühle Bäche und Flüsse - dieser Lebensraum ist in Österreich auf die Böhmische Masse, also Mühlviertel, Waldviertel und Sauwald beschränkt. Besiedelt werden die Ober- und Mittelläufe der Fließgewässer. Da, wo noch geeignete Lebensbedingungen vorhanden sind, findet man die Muscheln auf der ganzen nördlichen Hemisphäre - in Europa von Spanien bis ins nördliche Skandinavien. Dort leben auch die ältesten bekannten Exemplare.
Fünf nach zwölf. Die Flussperlmuschel ist unmittelbar vom Aussterben bedroht - sie wird weltweit unter der zweithöchsten Gefährdungsstufe geführt (IUCN Invertebrate Red Data Book). Nicht von ungefähr, sind doch ihre Bestände in den letzten 100 Jahren um 90 % zurückgegangen. Auch wenn Süßwasserperlen Jahrhunderte lang begehrtes Gut waren, ist es nicht die Perlensucherei, die Schuld daran hat. Es sind dies die Wasserverschmutzung z.B. durch Gülle oder Sedimente, die Zerstörung der natürlichen Gewässerstruktur durch Verbauung oder falsche Besatzmaßnahmen mit Regenbogenforellen. Aufgrund ihrer komplexen Entwicklung reagieren die Muscheln bei solchen Eingriffen äußerst empfindlich. Die noch vorhandenen Tiere sind zudem meist überaltert und pflanzen sich kaum mehr fort.
Als wirksame Schutzmaßnahmen haben sich die Verbesserung der Wasserqualität und der Besatz mit heimischen Fischen, wie der Bachforelle, herausgestellt.


Wir tun etwas - das Vielfaltleben-Schutzprojekt

Die Önj Haslach und der Naturschutzbund OÖ haben nun ein Muschelprojekt an einem Bach im oberen Mühlviertel gestartet, mit dem sie die Kampagne Vielfaltleben unterstützen. Den genauen Ort verraten wir nicht, um keine „Perlensucher" anzulocken. Ziel ist es, den Muschelbestand zu erhalten bzw. einen neuen aufzubauen. In einem ersten Schritt suchte das Team der Önj nach Flussperlmuscheln und ging den Störfaktoren nach. Anschließend folgten chemische und physikalische Wasseranalysen. Damit verbunden wurde bis zum Herbst 09 eine Erhebung über den Zustand der Ufer und des Umlandes vorgenommen, die in einen Managementplan einfließt. Ganz wichtig dabei waren die Verhandlungen mit dem Fischereiberechtigten, der letztlich seine Zustimmung zu den Untersuchungen geben muss. Sind die Fischer mit im Boot, sind wichtige Verbündete für den Besatz mit Bachforellen gewonnen. Auch ein Erfahrungsaustausch mit Muschelexperten aus dem angrenzenden Bayern Ende Juni d. J. brachte viel Wissenswertes zur künstlichen Nachzucht von Flussperlmuscheln. Sind alle Vorarbeiten erledigt, kann kommendes Jahr der Aufbau eines jungen Muschelbestandes in einer geschützten Anlage, dem „Muschelgarten", begonnen werden. Dazu müssen Bachforellen künstlich mit Muschellarven infiziert und der Bach mit ihnen besetzt werden. Auch ist es dringend erforderlich zu untersuchen, ob der Altbestand überhaupt noch fortpflanzungsfähig ist.
Auch hier geht es nicht ohne Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung und besonders bei Kindern. Deshalb lädt Karl Zimmerhackl, Lehrer aus dem Önj-Team, immer wieder Schulklassen zu Ausflügen ins Projektgebiet ein. Zum Team gehören noch DI Karl Eder und Student David Moser.
Das Projekt wird in weiterer Folge in ein Gesamtprojekt für Oberösterreich einfließen, das von der Naturschutzabteilung des Landes koordiniert wird.

Prominente Patin

Die Schauspielerin Ursula Strauß hat die Patenschaft für die Flussperlmuschel übernommen: „Als Patin der Flussperlmuschel möchte ich mich dafür einsetzen, dass diese einzigartige Tierart bei uns überleben kann."

Hätten Sie gewusst...


...dass nach neuesten Erkenntnissen skandinavische Flussperlmuscheln bis zu 280 Jahre alt werden können?
...dass die eingewanderten Tierarten Bisamratte und Waschbär ganze Muschelbestände auffressen können?

Text: Ingrid Hagenstein, Chefredakteurin Natur und Land

Kontakt:
Önj-Haslach: DI Karl Eder,
4121 Altenfelden
Karl Zimmerhackl, 4170 Haslach
David Moser, 4170 Hofkirchen

Die "önj" hat viele Augen:
Hunderttausende Jugendliche haben in ganz Österreich an önj-Veranstaltungen teilgenommen. Zahlreiche ökologisch wertvolle Landschaften wurden angekauft, unter Schutz gestellt oder für deren Schutz die entsprechende Öffentlichkeitsarbeit geleistet. Viele Artenschutzprojekte wurden erfolgreich durchgeführt. Neue Initiativen entstanden aus der önj und machten sich selbständig - z. B. Gründung der Berg- und Naturwacht, moderne Landschaftsarchitektur, etc. Die besondere Leistung der önj ist aber die Förderung des Naturschutzgedankens in jungen Menschen. > mehr davon in
www.oenj.at
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mit freundlicher Genehmigung von Dr. Bernhard Gum TU München
Layout: Eva Geigl/Royal Flyfishing
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zum Bericht >> "Die Flussperlmuschel"
von Dr. Bernhard Gum, in unserer Royal Flyfishing-Kategorie "Wissenswert"

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