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Ein Bericht von Rudolf Ornetzeder

Es ist jetzt beinahe 10 Jahre her, dass ich das erste Mal mit dieser Leidenschaft der Fliegenfischerei in Berührung kam. Zu verdanken hatte ich das einem guten Bekannten, der damals schon zu den routiniertesten der Steelheadfischer gehörte. Voller Enthusiasmus und Zuversicht reiste ich nach B.C. – Smithers und glaubte, das wird die Fischerei meines Lebens. Es fing ja auch nicht schlecht an. Am ersten Tag nach ca. 15 Minuten der erste Biss, kurzer Drill, weg. Aber die grosse Ernüchterung folgte sogleich. Kein einziger Biss mehr an diesem Tag wie auch an den folgenden sechs Tagen, obwohl ich von morgens bis abends die Rute nicht  aus der Hand gelegt hatte. Ich war am Boden zerstört und wollte schon das Handtuch werfen, als ich nach einem Tag selbstverordneter Pause, am achten Tag die erste Forelle landete.  

Die ganze Zeit fragte ich mich, was ich wohl falsch machen würde. An der Technik lag es wohl kaum, da ich schon  geraume Zeit mit der Fliege fischte und zwar an einem der schönsten und anspruchvollsten Flüsse in Österreich, der Gmundner Traun, wo ich auch gross geworden bin und seit Kindheit mit der Fliegenfischerei in Kontakt war. Auch glaubte ich, die Flussstrukturen vernünftig lesen zu können. Oder lag es etwa am Material? Heute weiß ich, dass die Gründe dafür Unerfahrenheit und von allem ein bisschen zu dieser Situation führte.  Insgesamt fing ich dann doch noch drei Steelheads, was in Anbetracht der oben erwähnten Gründe nicht so schlecht war. Aber umso mehr weiß ich auch, dass gerade dieses Erlebnis mir zu der Erfahrung meiner Einstellung und nicht zuletzt zu meinen bisherigen Erfolgen verholfen hat. Heute ist das Steelheadfischen für mich eine Passion oder eigentlich schon eine Sucht, der ich regelrecht verfallen bin.

Rudolf Ornetzeder   

Die Suche...man muss sich im Klaren sein, dass die "Stahlkopfforelle" fast ständig in Bewegung ist, ausser ihrer Ruhephasen, die sie dann meist in den tieferen Pools verbringt.
Dann die Dichte der  Fische. Es kann durchaus sein, dass an einem Flussabschnitt von einigen hundert Metern  nicht mehr als zwei bis drei dieser Spezies vorhanden sind - wenn überhaupt. Diese dann zu finden ist schon der halbe Erfolg.
Wassertemperatur und Wasserstand…ist meiner Meinung nach sowieso ein Hauptkriterium. Bei Wassertemperaturen um die vier Grad Celsius und darunter, sowie Niveauschwankungen, verhalten sich die Fische meist wie tot und fast nichts kann Sie zum Leben erwecken. Meistens hatte man dann einen schönen Wandertag in der Natur Kanadas  und ist wieder um eine Erfahrung reicher geworden.
Die Tageszeit…auch hier gibt es erhebliche Abweichungen  bzgl. Bissfreudigkeit und nicht zuletzt das Glück, das ja immer eine Rolle spielt - also alles in allem kommen doch einige Faktoren zusammen, die man beachten sollte.
Der Biss…auch da sollte man einige Regeln befolgen um zum  Erfolg zu kommen. Viele Fischer bringen sich schon selbst um den ersten Fisch durch unvorsichtiges Hantieren am Wasser, wie sofort hineinwaten  und  ähnlichem. Ich hatte schon die schönsten Bisse ohne überhaupt nass geworden zu sein, nur weil ich Anfangs ganz ufernah zu fischen begonnen habe, was natürlich nur dann Sinn macht, wenn man der Erste am Wasser ist. Weiters lasse ich nach jedem Wurf eine zusätzliche Schnurschlaufe in meiner Hand. Der Grund  ist, dass der Fisch meistens die Fliege von hinten nimmt und erst danach abdreht. Spüre ich den Biss, lasse ich die Schlaufe los, somit kann der Fisch ohne spürbaren Widerstand abdrehen und der Haken sitzt fast immer in der Schere (bei der Trockenfliege ein Muss).
Der Anhieb…
ist bei vielen Petrijüngern oft Anlass vulgärer Selbstgespräche. Eigentlich ist ein  Anhieb kaum nötig, wenn man bedenkt, welche Kräfte auf die im Wasser befindlichen Schnur einwirken. Da genügt schon oft ein leichtes Anheben der Rute und den Rest erledigt der Fisch von selbst. Ein zu wuchtiger Anhieb ist meistens  die Ursache für viele Misserfolge. Natürlich verliert man immer wieder mal Fische, aber ich denke das ist schon in Ordnung.
Die Bremse...ist bei mir sehr beschränkt im Einsatz, eher leicht eingestellt, da auch hier eine zu fest eingestellte Bremswirkung manchmal das Gegenteil bewirkt von dem was man bezweckt. Das Gefühl der eigenen Hand kann hier die beste Bremse nicht ersetzen.
Das Gerät…die meisten Steelheader fischen mit der Zweihand, da die Vorteile gegenüber der Einhand doch überwiegen. Wenn man bedenkt, dass für ein bis zwei Steelheads pro Tag  sehr viele Würfe nötig sind, kann hier die Zweihand sehr kräftesparend eingesetzt  und wenn nötig,  auch damit grössere Bereiche  abgefischt werden. Natürlich sollte man auch die dazugehörende Technik  beherrschen. Ich rate auch, immer eine Reserve-Rute mit dabei zu haben, was sich früher oder später sicher mal bezahlt macht.
Bekleidung…an der richtigen Bekleidung sollte man nicht sparen, ist aber eigentlich  selbstverständlich. Ich fische verschiedene Systeme, je nach Gegebenheit und Situation, wobei ich zu dieser Jahreszeit schon eher sinkende Schnüre bevorzuge. Ganz einfach deshalb, weil die Fische aufgrund der vorherrschenden Wassertemperatur und Wettersituation eher tiefere Bereiche aufsuchen und dann so tun, als würde sie
das Ganze nichts angehen. Dann mit der Trockenfliege zu fischen, grenzt schon leicht an Masochismus. So gesehen, betreibe ich die Spätherbstfischerei mit einem weinenden und einem lachenden Auge,  da ich doch lieber die Trockenfliege fischen würde. Aber dafür ist dann doch eher der September die idealere Zeit.
Die Fliegen...dieses Kapitel ist wohl eines der Umfangreichsten und es würde wahrscheinlich  den Rahmen dieses Berichtes sprengen, wenn ich alle  Muster der vergangenen Jahre hier erläutern würde. Darum möchte ich versuchen, dies in sehr wenigen Worten zu fassen, wenn das überhaupt möglich ist. Grundsätzlich herrschen hier  dieselben Gesetze wie zu Hause, wo jeder auf seine eigenen Muster schwört. Den Einsatz der verschiedenen Muster und Farben kann man, denke ich, auf zwei wesentliche Wasserzustände herabbrechen, nämlich trübes und klares Wasser, da ja beide Zustände in der Regel auch Hoch- und Niederwasser bedeuten. Bei trübem Wasser bevorzuge  ich eher dunkle bis schwarze Farben in verschiedenster Größe und Form, jedoch nicht zu gross. Bei klarem Wasser haben sich die helleren  Farben  wie grau, blau bis grün sehr gut behauptet. Natürlich gilt auch hier - die Ausnahme bestätigt die Regel. Aber es ist auch hier so wie an heimischen Gewässern, man sollte versuchen, den Fischen das anzubieten, was an Nahrungsangebot am jeweiligen Fluss bzw. im Ozean vorkommt.

                                    

Die letzten Jahre fischen wir (mein Freund Jürgen und ich) eher später und zwar von Mitte Oktober bis Mitte November, da diese Zeit uns vorteilhafter erscheint, als die eigentliche Hauptsaison (Mitte August bis Ende September), da wir ausschliesslich nur auf die Steelheadforelle und nicht  auf  Lachse fischen, die zu dieser Zeit schon sehr selektiv  vorhanden sind. Desweiteren ist ein Schlechtwettereinbruch (Hochwasser) nicht  so problematisch wie im September, da sich etwaige Niederschläge schon größtenteils als Schnee ankündigen. Und da wären wir  meiner Meinung nach schon bei den Nachteilen dieser späten Fischerei. Zum Einen, Eisschollen, die immer wieder mal vorkommen, da die Temperaturen schon öfters unter die Null Grad fallen können und zum Anderen - Schnee - ist aber nur begrenzt ein Problem (Zufahrtswege zu den Flüssen). Gefrierende Ringe an der Rute - auch nicht wirklich unlösbar. Und zudem sollte einem die Kälte nichts ausmachen, da es ja bekanntlich kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur falsche oder schlechte Bekleidung. 

Die Vorteile aus  meiner Sicht sind also schon erwähnt, außerdem ist es zu dieser Zeit unwahrscheinlich, keine oder wenige Fische im Fluss zu haben, was einem im August oder Anfang September durchaus passieren kann. Wenn ausserdem eine ungünstige Wettersituation (Niedrigwasser, späterer Aufstieg) vorherrscht und nicht zuletzt - fischt man fast alleine am Wasser.

 

Man kann nicht alles haben und manchmal gelingt es doch, trotz der späten Saison,  eine Steelhead mit der Trockenfliege zu überlisten. Schusskopfsysteme mit auswechselbaren Spitzen, von schwimmend bis schnell sinkend sollten nicht fehlen, wie ich auch Polyleader sehr gerne verwende und natürlich Trockenschnüre, die ich mit etwas längeren Vorfächern und beschwerten Fliegen fische. Hier kommt es wirklich auf die jeweiligen Gegebenheiten  an, die aber letztendlich jeder selbst beurteilen muss. Aber wenn die Situation es erlaubt, wird auf Trockenfliege umgestellt. Die Trockenfliege ist leider im Spätherbst, wie oben schon erwähnt, eine sehr gewagte Sache, aber nicht hoffnungslos. Das hängt natürlich sehr von der Wassertemperatur ab, da die Quecksilbersäule kaum mehr über 6-7 Grad Celsius steigt. Da gehen die Fische schon sehr sparsam mit ihren Kräften um und man muss die Fliege zum Fisch bringen, wenn man Erfolg haben will. Kurzzeitige Wassertemperatur-Unterschiede von meist nur einem Grad können hier entweder Highlights oder völlige Resignation verursachen. Ein grosser Teil meiner Fliegen sind Muster mit losen Haken, ähnlich der Tubenfliege. Dies hat zwei wesentliche Vorteile: es ist dem Fisch kaum möglich den Haken auszuhebeln und ich kann die Haken beliebig wechseln, habe also somit immer optimale Schärfe am Haken. Ich bin kein Freund des Hakenschärfens, aber manchmal ist es nicht vermeidbar. Hier hat sich die Feile des Leatherman als das absolut Beste bewährt.

Rudolf  Jürgen 

 Diese Steelheads - beide 1 m - wurden im Sustut und Morice-River gefangen.

Aber auch Bulkley, Kispiox und Babine-River sowie Skeena-River sind absolute Topflüsse. Alle im Umkreis von ca. 300 km mit dem Auto gut erreichbar - von Smithers ausgehend. Natürlich gibt es noch kleinere Flüsse, die nicht weniger attraktiv, aber leider sehr oft  schwerer zugänglich sind und deshalb  meist auf fliegendes Gerät angewiesen ist. Wo wir gleich beim nächsten Thema währen - die Preise...

Die Gebühren für die Jahres-Steelhead-Lizenzen   betragen 180 can.$ (Stand 2007) plus der Tageskarten für die jeweiligen Flüsse wo man entweder 40$ oder 20$ berappen muß, je nachdem ob  der Fluss in Klasse 1 oder 2 eingeteilt ist. Die Kosten für Flug, Unterkunft und Verpflegung sind sehr individuell, da von Lodges bis "bed and breakfast" über Wohnmobil alles möglich ist und letztendlich jeder für sich selbst entscheiden muss. Natürlich spielt auch die Aufenthaltsdauer keine unwesentliche Rolle, wobei mindestens 2-3 Wochen schon ratsam wären. Gutes Kartenmaterial ist  unabdingbar, ist aber vor Ort in den verschiedensten Verkaufsläden erhältlich. Trotz allem würde ich jedem Anfänger schon raten, sich einem Guide anzuvertrauen, da hier die Erfolgsaussichten doch am grössten sind. Informationen zu diesem Thema sind genügend im Internet vorhanden.

 

Zuletzt hoffe ich doch, mit diesem Bericht einigen interessierten Anfängern eine kleine Hilfestellung gegeben zu haben, um sich vielleicht der Leidenschaft der Steelheadfischerei selbst einmal hinzugeben.


           In diesem Sinne wünsche ich viele unvergessliche Erlebnisse und ein kräftiges Petri !

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Bericht und Fotos: Rudolf Ornetzeder
Titel/Grafik/Layout: Eva Geigl/Royal Flyfishing
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