Fliegenfischen auf Hecht

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Esox Lucius (Europäischer Hecht)

Für viele Fliegenfischer ist das Fischen auf Hecht mit der Fliegenrute eine neue und große Herausforderung, die sie bis jetzt noch nicht versucht haben. Aber für jeden der eine Abwechslung sucht oder nicht die Möglichkeit der Fischerei auf Salmoniden vor der Haustüre hat, bietet diese Art des Fliegenfischens eine interessante und spannende Alternative. Hechte kommen in fast allen Arten von Gewässern vor, nicht nur in Seen und Teichen sind sie zu Hause, auch in Flüssen findet man sie und gerade dort wachsen sie oft zu großen Exemplaren heran, da sie sich bevorzugt von der großen Anzahl von Salmoniden ernähren.

Uwe Rieder 

Die beste Zeit, um mit der Fliege auf Hecht zu angeln, ist sicher der erste Monat nach der Laichzeit.  Die Hechte sind noch in den Uferregionen anzutreffen und gerade die Männchen sind noch sehr aggressiv und reagieren deshalb sehr gut auf Reize, wie sie unter anderem auch Hecht-Streamer verursachen können.
Mit der Fliegenrute haben wir ein beschränktes Einsatzgebiet. Das heißt, auch mit verschiedensten Sinkschnur-Varianten können wir nur bis zu einer bestimmten Tiefe unseren Köder effektiv anbieten. Grundsätzlich kann man sagen, dass es sehr schwer wird, den Streamer unterhalb einer Tiefe von 5 Metern in einer bestimmten Geschwindigkeit zu führen, da der Auftrieb der Fliegenschnur auch bei Sinkschnüren immer noch zu groß ist. Aber im Frühjahr, und natürlich auch später noch, wenn der Hecht in den Uferregionen zu finden ist, ist er ein hervorragender und anspruchsvoller Ziel-Fisch für den Fliegenfischer.

Grundsätzlich sollte man bei der Wahl des richtigen Gerätes nicht zu leichte Schnur-Klassen wählen, da beim Fliegenfischen immer das Gewicht der Schnur werfen sollte und nicht das Eigengewicht des Köders. Wenn man also davon ausgeht, dass die Hechtstreamer eine Größe bis zu 25 cm haben, muss man mit einem bestimmten Gewicht des Streamers bzw. mit einem bestimmten Luft-Widerstand dessen rechnen. Folglich empfiehlt es sich, auch die Schnurklasse dahin gehend abzustimmen, da man eine gewisse Masse von Schnur braucht, um diese großen Fliegen auch werfen zu können.

Einhand-Ruten, aber auch kurze Zweihand-Ruten, der Klasse #9 oder #10 mit einer Länge von 9-10’ eignen sich sehr gut. Rollen mit einer guten Bremse und einem großen Spulenkern-Durchmesser erleichtern den Drill oft ungemein und verhindern einen Memory-Effekt der Schnur.

Christof Menz 

Es gibt mittlerweile eine große Palette von speziellen Hechtschnüren von verschiedensten Herstellen. Das Problem dieser Schnüre ist aber, dass sie meistens zu wenig Masse in der Keule besitzen um große Streamer zu werfen und viele Lehr-Würfe brauchen um eine bestimmte Distanz zu werfen.

Besser geeignet sind da Schuss-Köpfe, wie sie für die Zweihandruten verwendet werden. Wenn man diese Schuss-Köpfe einkürzt, um das richtige Gewicht zu bekommen, lassen sich diese auch mit Einhandruten sehr gut werfen und man erreicht mit etwas Übung auch mühelos mit nur ein oder zwei Rückwürfen Distanzen bis über 30 Meter, und gerade diese Reduktion von Lehrwürfen spürt man am Ende eines Fischertages und der Körper wird es einem danken. Beim Schuss-Kopf kann man die unterschiedlichsten Varianten wählen, von schwimmend bis zu schnell sinkend, man kann also sehr gut auf unterschiedlichste Situationen reagieren.

 

  

Sehr gute Erfahrung haben wir mit Schuss-Köpfen mit zwei verschiedenen Sinkraten gemacht, das heißt: der vordere Teil ist schwerer als der hintere Teil der Schnur und deshalb liegt der Schuss-Kopf gerade in einem Winkel von ca.45° im Wasser, und man hat einen direkten Kontakt zur Fliege. Normale Sinkschnüre haben oft das Problem, dass sie in einem Bogen durch hängen und man zuerst den Widerstand der Schnur gegen das Wasser aufheben muss bevor man Kontakt zur Fliege herstellt.

Die meisten Hechtangler verwenden Stahlseide als Vorfach, als Schutz gegen die scharfen Zähne des Hechtes. Auch beim Fliegenfischen auf Hecht muss man am Ende des Vorfaches eine haltbare Variante finden. Stahlseide ist geeignet, auch Kevlar kann verwendet werden. Wir bevorzugen das sogenannte Super-Hard-Monofil, da es etwas steifer ist und die Wurfeigenschaften unserer Schnur besser unterstützt. Zusätzlich ist es, vor allem wenn man sehr klare Gewässer befischt, mehr unsichtbar im Wasser wie die meisten anderen Materialien.
Bei der Streamerwahl gibt es grundsätzlich zwei Varianten. Entweder man versucht Köderfische zu imitieren oder man appelliert an den Reiz-Reflex des Hechtes, natürlich kann man auch beides kombinieren. Gerade bei trüberem Wasser eignen sich "buntere" Farbkombinationen, bei klarem Wasser erreicht man mit natürlichen Imitationen oft mehr. Auch Oberflächenköder werden gerne genommen und gerade die Fischerei mit sogenannten Poppern bietet atemberaubende Attacken. Zu groß kann ein Hecht-Köder eigentlich gar nicht sein, oft ist es - je größer je besser! Die Streamerlänge kann ohne weiteres oft die 25cm-Grenze überschreiten.

Aber der Hecht ist ein sehr launischer Räuber. Er frisst und jagt nicht den ganzen Tag, eher sind es einzelne Stunden pro Tag, an denen man an den richtigen Stellen sein muss.

 

Den Hechten mit der Fliegenrute nachzustellen ist sicherlich mehr als nur eine Alternative und hat mittlerweile viele Anhänger gefunden. Der direkte Kontakt zu Fisch und Fliege ist an Spannung wohl kaum zu überbieten.

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Vielleicht sind auch Sie schon ein Hecht-Fan oder werden es in Zukunft noch werden,
wir wünschen viel Spaß und Erfolg bei ihrer nächsten Hecht-Jagd.

Uwe Rieder und Christof Menz  - Pro-Guides -

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Bericht und Fotos: Christof Menz / Uwe Rieder
Layout: Eva Geigl/Royal Flyfishing
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