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... mit Verstand bewirtschaftet |
Viele kennen sie: „Die Moldau“, eine symphonische Dichtung von Friedrich Smetana aus dem Zyklus „Mein Vaterland“. Ein kräftiger Ausdruck des tschechischen Nationalbewusstseins. Aber viele von uns wissen nicht, dass der Fluss Moldau, auf tschechisch „Vltava“ genannt, mitunter auch sehr schöne Forellen-Reviere hat.
Namentlich sind dies die Strecken Vltava 29P und Vltava 29, wie sie in den offiziellen Gewässerbeschreibungen des Tschechischen Anglerverbandes bezeichnet werden. Es handelt sich hierbei um zwei sehr interessante Abschnitte unter dem Stausee Lipno zwischen den Orten Loučovice und Rožmberk nad Vltavou, dicht an der Grenze zu Österreich in Südböhmen mit einer Gesamtlänge von 17,6 km. Nicht umsonst fand hier 2005 die Junioren- Weltmeisterschaft im Fliegenfischen statt.
Wir hatten die Gelegenheit, anlässlich unserer CzechNymphing-Wochenendkurse im Mai 2007, beide Gewässer ausgiebig zu befischen. |
 | Das nächste Revier Vltava 29 fängt ab dem Ausgleichsbecken des Stausees bei Vyšší Brod an und endet in Rožmberk n.V., wo die Moldau zu einem grösseren Fluss wird, der teilweise nicht einfach zu betreten ist. Der Grund ist meistens steinig bzw. mit Sand bedeckt. Sehr oft gibt es Wassergras, in dem sich die Fische sehr gerne aufhalten. Es handelt sich hierbei um ein sehr gut besetztes Revier: Bach- und Regenbogenforelle, Äsche und Bachsaibling. Jedes Jahr werden hier Fische mit einem Mass von 60 cm gefangen. Äschen erreichen teilweise 40 cm Grösse. Es gibt aber auch Räuber wie Döbel, Aland und Barsch. Aus dem Ausgleichsbecken wird manchmal auch ein Karpfen „ausgespült“.
Auch hier gelten strenge Reglements. Die Bachforelle hat das Mindestmass von 45 cm. Die Regenbogenforelle, die ein Mindestmass von 27 cm hat, wird als Setzling von 10 cm eingesetzt. Dass sie verwildert, ist kein Wunder. Sie liefert dem Fischer einen genauso wilden Kampf wie die Bachforelle, nur manchmal noch etwas verbissener. Das Gewässer wird von der Orts-Organisation sehr gut gehegt. Es gibt Catch&Release- Abschnitte innerhalb der Strecke. Bis zum 20. Mai darf man übrigens nicht im Wasser waten! |
21 Bach- und Regenbogenforellen an einem späten Nachmittag auf Trockenfliege oder abwechslungsweise auf Nymphe, von einem Kursteilnehmer aus der Schweiz gefangen, sprechen dafür, dass beide Reviere mit Verstand bewirtschaftet werden. |
 | An einem Donnerstag, bevor der eigentliche Kurs anfing, wollte ich es mit der Fliegenrute auch selber wissen. Ich war schon um 7.00 Uhr am Wasser. Erst hat sich nicht viel getan. Der frühe Nebel bedeckte den Fluss und es war ziemlich kalt. Grosse Felsbrocken unterbrechen hier den Strom, dahinter bilden sich "Augen", wo die Fische vermutlich an den Scharkanten zwischen ruhigem und schnell fliessendem Wasser auf ihre Beute warten. Das Wasser ist eisenhaltig und deshalb leicht bräunlich gefärbt. Ich versuchte es mit Nymphen - zwei Regenbogner liessen sich zum Anbiss überreden. Kurz vor 8.00 Uhr, als es langsam wärmer wurde, brach die Fress-Orgie los. Über dem Wasser kreisten plötzlich zahlreiche kleine Köcherfliegen, die ihre Eier ablegten. Und die Forellen schnappten danach wie wild. Ich band eine 14-er Sedge an die Vorfachspitze, eine 12-er an den Nebenarm und wechselte die Stellung. Ich warf meine Fliegen schräg gegen die Strömung, so dass der Strom sie ganz natürlich abtrieb. Die zuerst gemendete Schnur hat sich gerade in dem Augenblick gespannt, wo die Fliegen die Kante zwischen Licht und Schatten erreichten. Vermutlich standen die Fische im Schatten, während die Fliegen in dem hellen Licht über`s Wasser tanzten. Die Bisse waren heftig, ich musste sofort anschlagen. |
11 schöne Bachforellen, bis der Zauber irgendwann nach ungefähr einer halben Stunde wieder aufhörte. Einige Fische habe ich auch in der starken Strömung verloren. Meistens in dem Augenblick, als ich den Fisch in Reichweite hatte. Wahrscheinlich liess meine Aufmerksamkeit nach, weil ich dachte, er ist ja schon meiner. Die Köcherfliegen verschwanden wieder und ich packte mein Zeug ein und fuhr in die Pension frühstücken.
Der nahegelegene Stausee Lipno selbst verführt die Karpfenangler auf einer Fläche von 4.650 ha und 48 km Länge zur Ausübung ihrer Leidenschaft. Er ist nur 6 bis 21 m tief. Karpfen, Brassen, aber auch Zander, Hechte und Barsche gibt es massenweise, so dass man keine Minute Langeweile erleben dürfte. Egal ob man vom Boot aus, oder von den mit Schilf bewachsenen Ufern angelt. Die Sandstrände sind den sonnenhungrigen tschechischen Badenixen vorbehalten. Die nichtangelnden Familienmitglieder werden dort genauso gut auf ihre Kosten kommen. Der See, „Tschechisches Meer“ genannt, hat ca. 306 Mio cbm Wasser und bietet für Wassersportler eine Palette an Freizeitaktivitäten, vom Baden bis zum Segeln, an. Um den See herum gibt es viele Campingplätze, Hotels bzw. Familienpensionen, wo man eine Unterkunft von preiswert bis etwas gediegen finden kann. Aber einen kleinen Wermutstropfen hat das Fischen an diesen Moldau-Gewässern schon -die Bootsfahrer. An beiden Wochenendtagen - am frühen Vormittag und dann am Abend - kann man das Fischen teilweise vergessen. Österreichische, deutsche, holländische und tschechische Wassersportler, die lieber erst zu Hause in der Badewanne lernen sollten wie man diese Dinger in einem schnell fliessenden Fluss steuern muss, grölen da rum und fahren den im Wasser stehenden Fischer oft fast über den Haufen. Unter der Woche ist es ruhiger, bis die Ferien beginnen. Dafür kann man am Wochenende bis nach Österreich auf gut beschilderten Wegen durch den Böhmerwald wandern. Die nahe gelegene Stadt Český Krumlov (Böhmisch Krumau) ist einen Besuch wert. Liebevoll „Venedig an der Moldau“ genannt, wurde sie auf Platz zwei der UNESCO Liste der schützenswerten Denkmäler Europas eingetragen. Das ca. 70 km entfernte imposante Schloss Hluboká nad Vltavou (Schloss Frauenberg) gehört zu den schönsten Schlössern Tschechiens. Es verfügt u.a. über eine bemerkenswerte Waffenkammer, in der sich eine in Europa einmalige Sammlung an Ritter-Rüstzeug sowie Stech- und Hiebwaffen befindet. |
Wir haben während unserer Kurse jedes Mal in der gemütlichen Familienpension „Pod Lipou“ in Loučovice gewohnt. Mit deftiger Hausmannskost und dem guten (nicht gefälschten) Budweiser vom Fass, das in der 60 km entfernten Stadt České Budějovice (Böhmisch Budweis) gebraut wird.
Falls Sie von Ihrer nichtfischenden weiblichen Begleitung angemosert werden, weil Sie ständig im Wasser rum stehen und sich mehr den Flossenträgern widmen als ihr, geben Sie ihr doch den Autoschlüssel und überlassen Sie ihr das Portemonnaie. Dort kann sie nämlich genauso ausgiebig, wie in jeder anderen westlichen Stadt, das Geld in vielen Shops, Boutiquen und Einkaufszentren ausgeben. | |
 | ...übrigens,
den Verantwortlichen der Fischerei-Orts-Organisation beider Reviere kann man für ihre Mühe und die Bereitschaft umzudenken nur ein grosses Lob aussprechen. Denn das Bewirtschaften eines Gewässers heisst nicht, alles herauszufischen und wieder neu rein zu setzen, wie es in Tschechien leider immer noch überwiegend praktiziert wird. | |
Die Kartenausgaben: MOLDAU 28
Dipl.-Ing. Jindřich Hanzlíček Třída Míru 407 CZ-382 73 Vyšší Brod Tel/Fax :00420 380 746 096 Handy : 00420603 174 080
Wochenkarten kosten CZK 1.500,- und gelten für die Südböhmische Angelreviere, demnach auch für die MOLDAU 29
MOLDAU 29 P
Herr Pučegl Tel. 00420 606 952 644 Herr Kučera Tel. 00420 724 566 622 Tageskarte kostet CZK 250,-
Es ist wichtig zu erwähnen, dass man aber hierzu einen Jahresschein braucht. Den stellt jedes Ortsamt aus. Hierzu benötigt man den Personalausweis bzw. Reisepass, ein Foto und einen Nachweis der deutschen/österreichische/schweizerischen etc. Sportfischerprüfung. |
Bericht: Jaromir KnorreFotos: Jaromir KnorreGrafik: Eva Geigl |
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