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Ein Bericht von Karl-Heinz Kaulig |
Als ich vor einigen Jahren mit befreundeten Fliegenfischern erstmals über das Fliegenfischen in Italien gesprochen habe war jedem klar, dass ich nur Südtirol meinen konnte. Aber weit gefehlt: Italien hat fliegenfischereilich noch viel mehr zu bieten! Einige meiner bevorzugten Gewässer liegen in der Region Veneto, zwischen Cortina d`Ampezzo und Belluno. Eine Besonderheit die es zu beachten gilt: in der Region Veneto sind grundsätzlich alle Gewässer Dienstags und Freitags geschont. Ich versuche aus diesem Grund den Dienstag oder Freitag als Reisetag zu nutzen. Bei weiblicher, nicht fischender Reisebegleitung kann man diese "Leerlauftage" grosszügig zum gemeinsamen Shopping anbieten. |
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Die Piave ist eines der Gewässer das ich seit 2001 regelmässig mehrere Male im Jahr besuche. Sie entspringt auf circa 1400 Metern Höhe in den Dolomiten nahe der Ortschaft Sappada und mündet bei Cortellazzo ins Adriatische Meer. Die wirklich guten Abschnitte der "Piave" sind hier, wie auch an den meisten anderen Topgewässern in Europa, Catch and Release Bereiche, in Italien werden sie als "Zona No Kill" bezeichnet. Was aber nicht automatisch bedeutet, dass alle anderen Zonen schlecht sind! Einer dieser von mir bevorzugten "No Kill"-Abschnitte ist die "Piave" bei Perarolo di Cadore, etwa 30 Kilometer entfernt von Cortina. Dieser Teilbereich ist circa 2 km lang und zwischen 15 und 20 Metern breit. Auch zu beachten ist, dass es für diese Strecke nur Halbtageskarten gibt. Die Vormittagskarte gilt von Sonnenaufgang bis 12 Uhr, die Nachmittagskarte ab 12 Uhr bis Sonnenuntergang. Da die Anzahl der Fischer auf 3 pro halben Tag begrenzt ist, macht eine Vorbestellung der Karten wirklich Sinn, vor allem an Wochenenden. Einige werden nun sagen: was mache ich mit der übrigen Hälfte des Tages - aber der Äschenbestand ist so hervorragend, dass sich auch ein halber Fischtag lohnt. |
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 | Nicht nur die Menge der fangbaren Fische, sondern auch ihre teilweise kapitale Grösse ist beeindruckend: Äschen von 45cm sind fast an der Tagesordnung und auch 50+ Äschen kann man immer wieder mal überlisten. Dazu kommt, dass diese Fische sehr gut genährt sind - ich würde sie als regelrecht fett bezeichnen. Eine 45cm Äsche kann ohne weiteres 1 kg wiegen! Wenn man zur richtigen Zeit an diesen Fluss kommt, ist eine Äschenfischerei möglich, die in Europa ihresgleichen sucht. Immer wieder aber wird die Nymphe auch von feisten, kampfstarken Bachforellen genommen, deren Bestand ich als durchweg gut bezeichnen würde. Etwas mehr Glück benötigt man, eine in diesem Bereich der "Piave" selteneren Marmoratas oder Marmorata Hybriden an die Fliege zu bekommen, was aber durchaus machbar ist. |
Die beste Zeit zum Fischen im Veneto beginnt Mitte März, wenn die ersten warmen Tage auch die ersten grösseren Insekten schlüpfen lassen und endet Mitte Mai mit der einsetzenden Schneeschmelze. Meine erfolgreichsten Fliegenmuster sind Goldkopf-Hasenohr oder Fasanenschwanz-Nymphe in den Grössen 12,14 und 16 sowie ganz einfache Goldkopf-Nymphen in braun und oliv. Bei den Trockenfliegen bevorzuge ich CDC-Parachutes in Größe 14 und 16 oder Rehhaarmuster wie Buck Caddis oder Stimulator in Größe 10 und 12. Die Lizenzen gibt es in "Tai di Cadore" an der Hauptstraße bei der Firma Camping & Sport. Der Chef dieser Firma hat einige Jahre in München gelebt, daher ist eine Verständigung auf Deutsch kein Problem. Im "Cadore Tal" wird generell sehr viel Deutsch gesprochen, denn aus diesem Tal kommen, so sagt man, die besten Eiskonditoren der Welt und viele von ihnen üben ihr Handwerk in Deutschland aus. Als Beispiel dazu: Ich stehe mit meiner Freundin in "Tai di Cadore" vor einem kleinen Eiscafe und wir diskutieren ob wir unsere Bestellung in Englisch oder gebrochenem Italienisch formulieren sollen. Da schaut uns der Mann hinter der Eis-Theke lächelnd an und fragt in bestem Deutsch: "Möchten sie ihr Eis im Becher oder im Hörnchen?" |
Mit dieser kleinen Anekdote zum Abschluss möchte ich auch die Fliegenfischer die nicht der italienischen Sprache mächtig sind ermutigen, diesen landschaftlich und fischereilich fantastischen Teil Italiens zu besuchen. Karl-Heinz Kaulig
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| Bericht: Karl-Heinz KauligFotos: Karl-Heinz KauligGrafik: Eva Geigl |
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