Ein Bericht von Florian Dietze

Neben meinem Studium, als ich noch in einem Fliegenfischerladen arbeitete, kamen viele Kunden die wissen wollten, welche Fischarten  man wirklich mit der Fliege fangen kann. Wenn ich dann sagte, es ist möglich, fast alle Fischarten wie Hecht, Zander, Karpfen, Brachsen, Barben usw. zu fangen, wurde ich des öfteren total erstaunt angesehen. "Wie, ich kann Hechte mit der Fliege fangen"? - war die häufigste Antwort. Bei allen konnte ich erkennen, wie die Augen immer größer wurden, wenn ich das Wort "Karpfen" in den Mund nahm. Für viele Fliegenfischer ist ein Karpfen kein aufregender oder toller Fang. Das Forellen- und Äschenfischen sowie das Hechtfischen sind sehr viel populärer. Es ist zu vergleichen mit dem Fliegenfischen im Salzwasser. Viele Leute wollen nur Bonefish, Tarpon und Permit fangen, aber Barracudas werden auch total vernachlässigt. Ich will jetzt einfach mal behaupten, dass bestimmt 90 Prozent der Fliegenfischer noch nie einen Karpfen gefangen haben. Es ist eine gewisse Abneigung gegenüber der Karpfenfischerei vorhanden, die für mich immer noch ein Rätsel ist.

 

 

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Zurück zu den Leuten mit den großen Augen. Bei diesen handelte es sich so gut wie immer um Karpfenfischer, die das Fliegenfischen erlernen wollten. Für sie war es klar, man kann mit der Fliegenrute wunderbar Forellen fangen, aber Karpfen sicher nicht. Das ist ja auch nicht verwunderlich, da kaum Literatur vorhanden ist, in der es etwas über das Fliegenfischen auf Friedfische zu lesen gibt. Und die Chance einen Bekannten zu haben, der mit der Fliege auch noch auf Karpfen fischt, ist meiner Meinung nach extrem selten. Deshalb erkläre ich Ihnen in diesem Artikel, welche Methoden man anwenden muss und welche Gegebenheiten erforderlich sind, um mit der Fliege auf Karpfen erfolgreich zu sein. Das Wichtigste bei der "Jagd" auf Karpfen ist: man muss die Fische sehen, egal im See oder im Fluss!Es werden zwar immer wieder Fische auch im trüben Wasser gefangen, dies sind aber nur Zufallsfänge. In Amerika wird öfter auf Karpfen in trübem Wasser gefischt und das mit wirklich guten Resultanten. Leider funktioniert diese Art der Fischerei bei uns sehr schlecht oder gar nicht, da wir meist nicht die richtigen Gewässer dafür haben. Der See müsste extrem flach sein und ist eher erfolgreich, wenn die Schwanzflossen der Karpfen zu sehen sind, die Fische praktisch am Gründeln sind. Also gehen wir beim Gewässer davon aus, dass es sich um einen klaren See handelt; zur Flussfischerei kommen wir später. Im See ist die Fischerei jahrezeiten- und auch temperaturabhängig. Winterfischerei ist hier  vernachlässigbar, denn echt interessant wird es im Sommer. Wenn die Sonne das Wasser  erwärmt, sieht man häufig, dass sich schon im März größere Schulen von Karpfen an der Wasseroberfläche sonnen. Sie halten  sich auch nachmittags im Hochsommer vor allem knapp unter der Wasseroberfläche um Seerosenfelder, neben im Wasser liegenden Bäumen, unter Bäumen, an Schwimmkörpern wie z.B. Schwimmkränen usw. auf. Die Fischerei ist immer dann am Aussichtsreichsten, wenn kein oder kaum Wind weht. Besonders spannend ist es, wenn ein See  Flachwasserbereiche besitzt, in denen die Karpfen in Rudeln auf Futtersuche gehen. Dann kann man oft Karpfen in 15 cm flachen Wasser beim Fressen mit dem Rücken aus dem Wasser stehend beobachten oder wie bei Tailing Bonefish die Schwanzflosse aus dem Wasser stehend und in der Sonne glänzen sehen. Am Abend ziehen die Karpfen oft nur wenige Meter vom Ufer entfernt um den gesamten See. Dieses Phänomen ist oft bei sehr flachen Gewässern zu sehen; anfangs stehen die Fische eher im tieferen Wasser, aber zum Abend hin bilden sich viele Gruppen, die dann in die Flachwasserbereiche zur Nahrungssuche ziehen. In dieser Phase sind die Karpfen sehr leicht zu fangen, weil sie aktiv Nahrung suchen. Was in diesem Moment für uns von Vorteil ist: der Futterneid unter den Fischen! Genau dann nehmen sie ohne jegliche Scheu alles was Richtung Boden sinkt. 
Im Frühjahr und Herbst ist es nicht ganz so einfach die Fische zu finden, am besten sucht man die flachen Bereiche, vor allem mit dunklerem Untergrund ab, die sich bei Sonneneinstrahlung schneller aufwärmen, auch hier gilt: wenig Wind und Temperaturen über 20 Grad bieten gute Chancen. Als  Gerät empfehle ich für die leichte Karpfenfischerei eine 5er Rute, die auch meistens bei der schweren Fischerei Vorteile aufweist. Da Karpfen sehr Vorfachscheu sein können, ist die Verwendung von dünnen Vorfächern problemlos möglich, ohne den Fisch durch Vorfachbruch zu verlieren (die Spitze sollte jedoch nie unter 0,20mm gewählt werden). Auf der anderen Seite ist zu beachten, dass bei einem Gewicht von über 8kg der Drill unnötig in die Länge gezogen wird und wenn so große Fische zu erwarten sind, die Rutenklasse etwas höher gewählt werden muss. Außerdem ist es empfehlend, weiche Ruten zu fischen mit mittelschneller Aktion - auch hierdurch werden Vorfachbrüche minimiert.
Die Rolle sollte über eine sehr gute Bremse verfügen, da der Karpfen, ähnlich wie Bonefish, mehrere längere Fluchten hintereinander ausführt. Ein gravierender Unterschied beim Karpfenangeln ist das Fluchtverhalten an der Fliegenrute. Hier nehmen die Fische weitaus weniger Schnur, als an einer normalen Karpfenrute. Ich kann mir das nur so erklären: Fliegenruten sind viel weicher als herkömmliche Ruten, federn also die Schläge des Fisches viel besser ab und ermüden ihn dadurch sehr schnell. Die Flugschnur sollte eine schwimmende WF sein, hier hat sich die neue Teeny Carpline bewährt, sie ist dunkel gehalten und hat eine ca. 1m lange Spitze, die gelb eingefärbt ist, um die Bisserkennung zu verbessern. Zum Vorfach ist zu sagen, dass sich vor allem das Frog Hair Flourocarbon bewährt hat, da es sehr gute Dehnungseigenschaften besitzt und somit das Ausschlitzen des Hakens auf ein Minimum reduziert. Das durchgehende Flourocarbon-Vorfach mit ca. 3 Meter Länge hat einen einfachen Grund: ich habe es öfter erlebt, dass  Karpfen bei einem 2,5 m langen Vorfach plus 0,5-1m langer FC Vorfachspitze direkt auf die Fliege zugeschwommen sind, dann plötzlich eine Runde um die Fliege drehten und genau am Übergang zwischen FC und normalen Vorfach in Richtung Flugschnur schwammen, um dann an der Flugschnur angekommen sofort in Panik abzudrehen und zu verschwinden. Eine andere Möglichkeit für das Vorfach ist, die Spitze mit verschiedenen wasserfesten Stiften, je nach Gewässeruntergrund einzufärben.Jetzt will ich ihnen zwei verschiedene Fangmethoden in Seen und Weihern vorstellen, die mir in den letzten Jahren außerordentliche Erfolge brachten. Diese Methoden können sie vom Ufer, Boot oder vom Belly Boat ausüben. Mit dem Belly Boat ist es allerdings um einiges leichter als vom normalen Boot, da die Karpfen keinerlei Angst vor dem Belly Boat zeigen, wahrscheinlich nehmen sie uns als überdimensionale Ente wahr. Das Allerwichtigste ist, man muss den Karpfen sehen und genauso gut die Fliege und das auch auf größere Distanzen. Darum ist es sinnvoll, Fliegen in den Größen von  8-4 zu binden, damit sie auffällig genug sind, um sie auch in einer Entfernung von 20m gut zu sehen. Wenn ich ein Rudel Karpfen an der Oberfläche ausgemacht habe, werfe ich die Fliege nach Möglichkeit an den Rand des Schwarms. Was auf keinen Fall passieren darf, dass sie einen Karpfen überwerfen, sonst werden alle sofort flüchten.  Am besten legt man einem ausgemachten Karpfen die Fliege ca. 1 m vor seinen Kopf und lässt sie langsam absinken.

 

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Wichtig ist, dass diese niemals zu schwer sein darf. Das könnte zwei Ereignisse hervorrufen: entweder, dass die Fische durch das laute Plop-Geräusch sofort flüchten oder die Fliege viel zu schnell unter geht. Sie sollte fast schwebend wirken, also extrem langsam absinken. Nach dem ich abgelegt habe, darf ich die Fliege nicht bewegen, da sonst meist mit Desinteresse oder der Flucht des Fisches gerechnet werden muss.  Wenn er die Fliege gesehen hat, wird er langsam auf sie zu schwimmen und nun kommt der große Vorteil einer gut sichtbaren Fliege, ich weiß genau wie weit der Karpfen noch entfernt ist und wie er auf die Fliege reagiert. Im Normalfall sieht man, wie die Fliege langsam im Maul verschwindet und jetzt kann der Anhieb gesetzt werden. Aber im richtigen Moment, denn so schnell wie ein Karpfen die Fliege nimmt, so schnell spuckt er sie auch wieder aus. Nach  dem Anhieb können Sie sich auf etwas gefasst machen, die Fluchten eines Karpfens gegenüber einer Forelle sind enorm. Jetzt darf nur im Notfall versucht werden, den Fisch in seiner ersten Flucht zu bremsen, da sonst entweder das Vorfach nachgibt oder der Haken ausschlitzt. Die einzige Chance, eine Karpfen vor einem Hindernis zu stoppen, ist die Rute unter Wasser oder nah an die Wasseroberfläche zu halten, dadurch bringt man ihn aus dem Gleichgewicht und er überschlägt sich praktisch unter Wasser. Dabei ist aber immer noch das Risiko eines Vorfachbruches gegeben, aber immerhin noch besser, als den Fisch durch ein Hindernis zu verlieren. Fast 100% fangbar ist ein Karpfen, wenn er beim Gründeln, mit dem Kopf nach unten am Grund umhersucht. In diesem Moment kommt es auf die Nerven des Fischers an, nicht zu früh oder zu spät anzuschlagen. Solche Fische mache ich meist in den Flachwasserzonen von Weihern und Seen aus.Habe ich so einen Flachwasserbereich gefunden, muss ich im Sommer eigentlich nur warten, bis sich ein paar Karpfen auf das Flate wagen, um zu fressen. Natürlich gibt es auch hier immer wieder Stellen, die von Karpfen lieber aufgesucht werden als andere. Diese sogenannten Flachwasserzonen müssen nicht groß sein, oft reichen 2-4 m² schon aus. Wenn ich nun einen gründelnden Fisch ausmache, dann gibt es nur eins: ruhig bleiben... vor allem bei Kapitalen. Meist ist es kein Problem - anders wie bei der Salzwasserfischerei - einige Leerwürfe zu machen, aber dann muss die Fliege nach Möglichkeit direkt vor dem Maul des Karpfens am Grund vor ihm aufkommen, was besonders wichtig ist, bevor der Fisch wieder weiter schwimmen will. Hier ist es wieder mal ähnlich wie mit dem Bonefishing - wenn ein Karpfen mit dem Kopf nach unten am Grund wühlt, kann ich die Fliege sehr nahe bei ihm ablegen, ohne dass es ihn stört, da er ja abgelenkt ist mit seiner Nahrungssuche.
Er wird aber nur in den seltensten Fällen eine bewegte Fliege attackieren.  Schwimmt er allerdings einfach nur herum, dann muss ich weiter vor ihm die Fliege ablegen, da ich ihn sonst durch den Aufprall der Fliege verscheuche. Hier kommt es auch darauf an, in welcher Wassertiefe der Fisch schwimmt und wie tief das Wasser an der Stelle ist. Je flacher und je näher der Karpfen unter der Oberfläche, desto weiter vor ihm entfernt ist die Fliege zu präsentieren. Dies gilt aber nicht für die oben beschriebenen Karpfen an der Oberfläche, da diese nicht so leicht zu vergrämen sind. Liegt die Fliege nun am richtigen Ort bleibt nur noch abzuwarten, ob der Karpfen sie gesehen hat. Jetzt auf keinen Fall die Fliege bewegen - nur liegen lassen! Wenn sich nun der Karpfen langsam nach vorne auf die Fliege zubewegt, hat man fast gewonnen. Jetzt nur noch den Anhieb setzen, aber Vorsicht: schlag ich zu früh an, ist der Fisch weg; schlag ich zu spät an, dann spuckt er die Fliege sofort wieder aus. Ein guter Anhaltspunkt für den Anhieb ist, wenn ich sehe wie der Fisch plötzlich über der Fliege stehen bleibt und sich dann in eine Schräglage begibt. Jetzt stülpt er sich über die Fliege und ich kann anschlagen. Anfangs ist dies das größte Problem, aber mit etwas Übung wird man die meisten Karpfen fangen, bis auf die Großen, denn da kommt wieder das Problem Ruhe zu bewahren und das ist wirklich nicht leicht, wenn ein 20- pfündiger Karpfen auf die Fliege zu schwimmt!!

Die zu verwendenden Fliegenmuster sind vor allem Bonefishflies z.B. die Gotcha, Pink Charlie, small Merkin, Lenny Moffo`s Crab und Wooly Bugger in allen Farben, Größen und Gewichten. Sie haben vor allem den Vorteil, dass der Haken immer nach oben sieht und sich nicht im Boden verhaken kann. Die Muster müssen je nach Wassertiefe verschieden schwer sein,  je flacher das Wasser, desto leichter, da auch Karpfen ab und an "very spocky" sein können. Für 15-25 cm tiefes Wasser ist dann eine unbeschwerte Bonefish-Special ein perfektes Muster oder auch Fliegen mit Plastikaugen. Sobald die Wassertiefe einen halben Meter erreicht,  kommen Gotcha`s, Charlie`s und verschiedene Krabbenmuster zum Einsatz. Alle Muster sollten in knalligen Farben gebunden werden, somit sind sie auf große Distanz noch gut zu erkennen und den Karpfen stören diese Farben wenig. Für die Fischerei auf an der Oberfläche befindliche Karpfen haben sich Glo Bug, Carp Snack und unbeschwerte Wooly Bugger mit Gummibeinchen als außerordentlich fängig  erwiesen. Am besten funktionieren aber immer noch die Glo Bug-Fliegen, hierbei handelt es sich eigentlich um Eierfliegen die oft beim Steelhead-Fischen oder in Neuseeland auf große Forellen verwendet werden.

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Ich binde diese Eierfliegen auf 8-4er starkdrähtige Haken, da der Haken sonst sofort aufgebogen wird. Bei den Farben hat sich keine besonders fängige herausgestellt, die Fische nehmen alle Farben von gelb, orange, grün, weiß usw... Das Wichtigste ist: die Fliege darf nicht beschwert werden, weil der dickdrähtige Haken schon genügend Gewicht hat, um langsam abzusinken.
Wie im See gibt es natürlich auch im Fluss Karpfen. Diese zu fangen ist nicht ganz so einfach, aber es ist möglich. Der Vorteil ist auf jeden Fall, dass man hier das ganze Jahr über Karpfen fangen kann. Man muss nur ihre typischen Unterstände und die Stellen kennen, an denen sie vorzugsweise fressen. Das Vorfach sollte auch wieder ca. 3m Länge haben und an einer Schwimmschnur gefischt werden. Bei den Fliegen ist es so, dass Wooly-Bugger mit großen Tungstenperlen sowie Charlie`s, Gotcha`s und Krabbenmuster mit schweren Tungsten Balance Eyes immer sehr gute Erfolge bringen. Karpfen im Fluss fängt man definitiv sehr gut, wenn sie am Grund nach Futter suchen, wichtig ist auch hier wieder die Fische zu sehen. Oft bemerkt man schon von weitem eine große Schlammwolke, dann kann der Fisch nicht mehr weit sein. Manchmal steht er direkt in Wasserpflanzen, also ist wirklich nur eine Schlammwolke zu sehen. Jetzt muss nur noch gewartet werden, bis er irgendwann rauskommt und im Freien das Futtersuchen anfängt. Genauso wie oben beschrieben, sollte die Fliege so abgelegt werden, dass sie direkt vor dem fressenden Fisch aufkommt; das ist natürlich um einiges schwieriger als im See, da die Strömung unterschiedlich stark ist und die Wassertiefe variiert. Die nächste Schwierigkeit ist, die Fliege am Grund liegen zu lassen, ohne dass die Strömung die Fliege anhebt oder das Vorfach auf den Karpfen zutreibt. Hat man all diese Fehler vermieden, wird der Karpfen die Fliege nehmen und der Anhieb kann gesetzt werden. Auch hier gilt es, den Karpfen nach Möglichkeit nicht sofort versuchen zu stoppen. Im Fluss sind sie oftmals energischere Kämpfer als im See und versuchen auch weit entfernte Unterstände zu erreichen - es ist auch keine Besonderheit, wenn ein Karpfen im Fluss Backing nimmt. Oft wird man bei der Fliegenfischerei auf Karpfen den Backingknoten durch die Ringe rattern hören und das kann auch ein Grund sein, einmal auf Karpfen zu fischen. Wie oft hat Ihnen denn eine Forelle schon mehrere Meter Backing von der Rolle gezogen?!
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Guiding
Bei Interesse stehe ich gerne zur Verfügung, Ihnen das Fliegenfischen und natürlich auch auf Karpfen beizubringen. Ich kann Ihnen auch bei der richtigen Gerätezusammenstellung helfen und Gewässer zeigen, an denen Sie sehr gute Voraussetzungen zum Forellen- bzw. Karpfenfischen vorfinden.

1-Tag Guiding inklusive Tageskarte und einem Brotzeitpaket, inklusive Gerät, Vorfächer und Fliegen 250,00 Euro (ohne Transfer und ohne Watbekleidung)
Kontakt:
Dietze Florian

mobil: 0172 6166591

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Bericht und Fotos: Florian Dietze
Layout: Eva Geigl/Royal Flyfishing
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