Meinung

Catch & Release

Bericht von Markus Greif (CH)

Vorne weg, ich bin nicht gegen die Entnahme von Fischen um diese zu essen (gefrorene Fische können wir überall kaufen).

In 2011 nahm ich teil an einem Symposium zum Thema „Grenzen des Fischbesatzes“ und dort stellte mir ein Obmann eines grossen Fischvereins die Frage, ob das Zurücksetzen von Fischen nicht schlecht wäre. Nun, meine Antwort war, wir setzen doch immer wieder Fische zurück, jedes Mal wenn Sie nicht das nötige Fangmass haben. Bei einem Fischbestand der einigermassen gesund ist, sogar sehr oft. Nur in Gewässern mit Fischbesatz von entnahmefähigen Fischen ist dies selten der Fall. Dieser Mann schaute mich etwas erstaunt an und schwieg.
Wir alle machen catch&release und erst wenn die Fische ein Fangmass erreichen, das die Entnahme ermöglicht, fängt die kontroverse Diskussion an. Auch Aussagen wie "grosse Fische schaden dem Bestand" oder "sind nicht mehr zu fangen" finde ich sehr erstaunlich. Glauben Sie mir, fast jeder Fisch wurde schon mal gefangen bevor er von uns Anglern entnommen wurde und nicht schon als grosser Fisch eingesetzt wurde.
Seit ich fische, werden den Gewässern mehr entnommen als gut ist und wir stocken die Gewässer auf mit Fischen aus einer Zucht für Speisefische. Ist dies nicht sehr fragwürdig?
Noch mal, jeder soll die Möglichkeit haben Fisch zu entnehmen, um diesen zu essen. Mehr aber auch nicht. Wer heute eine gute Forellenfischerei erleben will muss reisen, oder ein eigenes Gewässer besitzen und viel Geld ausgeben. Dort unterwirft er sich gerne Bestimmungen, die er zuhause bekämpfen würde. Muss das wirklich so sein?
Die meisten Gewässer haben heute eine gute Wasserqualität, auch Nahrung ist für die Fische meist genug vorhanden. Wir Angler oder unsere Familien leiden keine Not oder hungern. Und trotzdem ist noch immer das Mass aller Dinge, wie schnell man wie viele Fische gefangen und entnommen hat.
Auch lernen unsere Jungangler sehr genau wie ein Fisch zu töten ist, jedoch selten wie ein Fisch schonungsvoll zu drillen und vom Haken zu lösen ist. Was ich am Wasser oft beobachten muss ist schlimm und die Fische tun mir leid.
Schon in den 80er Jahren gab es am Deschutes River USA die Regelung dass 2 Fische entnommen werden dürfen; diese müssen zwischen 24-28 cm haben, (gedacht für den Grill am Lagerfeuer) was kleiner oder grösser  ist muss zurück gesetzt werden. Dies an einem unverbauten 150 Meilen (240km) langen Fluss und wer wissen möchte, was dies für einen Fischbestand bedeutet, dem kann ich eine Reise an diesen Fluss in Oregon empfehlen.
Auch England ist für mich ein gutes Beispiel. Teiche und Seen die zum Sportfischen benutzt werden und mit starken und gesunden Fischen besetzt werden (ist ja bei uns verspottet), die in gutem Wasser ihr Zuhause finden und dem Angler tollen Sport und Fischentnahme bieten. Dabei wird  auf ein natürliches Verhalten der Fische geachtet. Zugleich ist das Fischen auf Naturfische mit harten Auflagen und Bestimmungen geregelt, um diese Bestände zu schützen, schonen und zu pflegen.
Ich würde mir wünschen dass wir Angler uns mehr um die Hege und Pflege unserer Fische und Gewässer kümmern würden. Bei Vorschriften für die Entnahme und Besatz ein Umdenken statt finden würde. Mehr für den Fisch weniger für die Entnahme und Beutegier des Anglers. So dass sich in den Gewässern ein gesunder Bestand entwickeln kann der sich nach Möglichkeit selbst erhält.

Ich bin der Überzeugung dass wir unsere Einstellung zu unserem Hobby ändern müssen. Wir können uns anpassen und einschränken, der Fisch nicht.

Nun hoffe ich mit meiner Meinung zum Thema Catch and release  und diesem Beitrag den Anstoss zum Nachdenken geben konnte, mich würde es freuen.

Markus Greif
Bericht: Markus Greif
Fotos zur Verfügung gestellt: Eva Geigl (Fische immer im Wasser aushaken!)

Noch was zum Thema Verbot von C&R in Deutschland:
Wenn der Fischbestand so gering ist, dass er sich nicht selbst erhalten kann, dann MUSS ich sogar auch einen fangbaren Fisch wieder zurücksetzen. (so steht es im Fischereirecht). Und wer könnte den Bestand besser einschätzen als die Angler(?) plus welcher Fischbestand trägt sich bei uns heute wirklich noch selbst?
Grüsse von Michael
Hallo Markus,
hast Du gut geschrieben, ich bin stolz auf Dich. Auch ich bin der Meinung, dass wir mehr für unsere Gewässer und die Reproduktionsbedingungen tun sollten und weniger Fische in der Truhe bunkern sollten. Eine im Gewässer aufgewachsene Bachforelle oder Äsche (die ich gerne wieder schwimmen lasse) macht mich zehnmal glücklicher als eine besetzte Regenbogenforelle.
Liebe Grüße aus Wellendingen
DIDI