Fisch des Jahres 2022

(in Österreich)

Die Barbe

 

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Fisch des Jahres 2022 - Oesterreich

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Bericht: Klaus Berg (Oö Fischerei)

Fisch des Jahres 2022: Die Barbe (Barbus barbus)
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Mit der Wahl zum „Fisch des Jahres“ zeigt der Fischereiverband die Gefährdung der Fischbestände in unseren Gewässern auf und will auf die Notwendigkeit der Verbesserung der Lebensbedingungen hinweisen. Die gewählte Art steht dafür stellvertretend für mehrere Fischarten mit den gleichen Ansprüchen.

Vorkommen und Verbreitung

In Österreich wird eine eigene Fischregion nach ihr benannt – die Barbenregion –, in der, wie der Name schon sagt, die Barbe als Leitfischart eingestuft ist und zahlenmäßig dominieren sollte. Im Vergleich zur stromaufwärts liegenden Äschenregion ist die Barbenregion durch höhere sommerliche Wassertemperaturen, ein geringeres Gefälle, größere Wassertiefen und größere Gewässerbreiten gekennzeichnet.

Biologie

Systematisch gehört die Barbe zur Familie der Karpfenfische (Cyprinidae). Ihr Körper ist langgestreckt und fast drehrund; nur die Bauchseite ist abgeflacht. Sie besitzt kleine längliche, festsitzende Schuppen und ein rüsselartig vorstülpbares, unterständiges Maul. Dieses verfügt über dicke Lippen und zwei Paar deutlich sichtbare Barteln. Der dritte und längste Hartstrahl der Rücken- und Afterflosse ist am Hinterrand stark gesägt. Die Durchschnittsgröße der erwachsenen Barbe liegt je nach Gewässer meist bei 30 cm bis 60 cm. Exemplare bis zu 90 cm Länge, mit einem Gewicht von 8 kg und mehr, sind belegt.
Jungtiere (sh. Foto) haben feine, dunkle Flecken, welche bei erwachsenen Tieren nicht so deutlich ausgeprägt sind; vielmehr schimmern diese meist bräunlich bis messingfarben.
Verwechslungsmöglichkeiten gibt es eigentlich nur mit dem Semling, der auch Hundsbarbe oder Nudelbarbe genannt wird. Bei dieser mittlerweile vom Aussterben bedrohten Fischart erreicht die zurückgelegte Afterflosse den Ansatz der Schwanzflosse. Die Barbe hat eine vergleichsweise deutlich kürzere Afterflosse.

Die Barbe lebt als geselliger Grundfisch in mäßiger bis starker Strömung über sandigen oder kiesigen Grund. Jungfische halten sich meist in Gruppen in seichteren Gewässerabschnitten, die Erwachsenen in tieferen Gumpen und Rinnern auf.
Im Alter von zwei bis vier Jahren werden die Barben geschlechtsreif und ziehen in Schwärmen im Frühjahr flussauf zu den Laichgründen. Sie zählen zu den Mittelstreckenwanderern und legen - sofern ihnen der Weg nicht durch Querbauwerke versperrt wird – mehr als 100 km zurück! Barben suchen flache, kiesige, gut durchströmte Laichgründe auf, an denen sie ihre klebrigen Eier portionsweise abgeben.

Achtung: Der Rogen der Barbe ist roh und gegart giftig und kann bei Verzehr zu Kopfschmerzen, Durchfall und Erbrechen führen.

Nahrung

Barben sind Allesfresser: von pflanzlicher Kost über Insektenlarven und Muscheln, bis hin zu kleinen Fischen. Der Verdauungstrakt ist sehr lang und kann die zweifache Körperlänge überschreiten.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie listet die Barbe im Anhang V. Aufgrund lokaler Gefährdung und Bestandsrückgängen ist die Barbe in der Roten Liste der Fische Österreichs als „nahezu gefährdet“ eingestuft.

In vielen Flüssen Österreichs sind die Bestände bereits im 20. Jahrhundert aufgrund wasserbaulicher Maßnahmen, wie Staue und Querbauwerke, stark zurückgegangen. Die Zerstückelung ihres Lebensraums in Kombination mit den reduzierten Fließgeschwindigkeiten führen zu Lebensraumverlusten. Fehlende Laich- und Jungfischlebensräume, Schwall- und Sunkbetrieb der Kraftwerke und regelmäßige Feinsedimentspülungen schädigen vielerorts die Entwicklung. Dies gilt leider für alle strömungsliebenden Kieslaicher, wie zum Beispiel Huchen und Nase. Besatz alleine ist dabei keine Lösung.

Nur durch die Wiederherstellung geeigneter Lebensräume – von Laichplätzen über Kinderstuben bis zum Tiefenrinner – können sich die Populationen wieder erholen: Damit langfristig die Barbe wieder zum dominierenden Fisch in ihrer eigenen Fischregion wird.
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Fisch des Jahres 2022 - Österreich

Copyright Foto/Barben: Hr. Clemens Ratschan
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In Royal Flyfishing-Webseite www.royal-flyfishing.com eingefügt, mit freundlicher Genehmigung
von Herrn Klaus Berg / Oberösterreichischer Fischereiverband / (05.01.2022).
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Klaus Berg

Klaus Berg
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Literatur:

Hauer Wolfgang (2007): Fische – Krebse – Muscheln, Leopold Stocker verlang, 231 S.

Hochleithner Martin (2014): Karpfenfische – Biologie und Aquakultur, AT Ratgeber, 348 S.

Rat der Europäischen Gemeinschaft (2010): Richtlinie 2010/63/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. September 2010 zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere, 47 S.

Wolfram, G. & E. Mikschi (2007): Rote Liste der Fische (Pisces) Österreichs. - In Zulka, K.P.: Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs. Checklisten, Gefährdungsanalyen, Handlungsbedarf. - Grüne Reihe (Hrsg. Lebensministerium) Band 14/2 (Kriechtiere, Lurche, Fische, Nachtfalter, Weichtiere), Wien, 61-198.

Verband Deutscher Sportfischer e.V. (2003): Artikel zur Barbe - Fisch des Jahres 2003. https://www.dafv.de/projekte/fisch-des-jahres/item/116-fisch-des-jahres-2003-barbe-barbus-barbus

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