Fischbesatz – geeignetes Mittel zur Sicherung und Wiederaufbau von Fischbeständen?

ein Bericht von Dr. Dipl. Biol. Manfred Holzner

Viele Gewässer, Fließgewässer wie auch Seen, unterliegen europaweit vielfachen Störungen und Veränderungen in ihrer unmittelbaren und mittelbaren Umgebung. Gewässer wurden einschneidend verändert im Zuge von Landgewinnung, Hochwasserschutz, Energiegewinnung oder als Vorfluter für unsere Abwässer missbraucht. Diese Veränderungen sind heute natürlich auch in ihrer Besiedelung zu erkennen. Sensiblere Arten gingen zurück oder verschwanden ganz. Dies schlägt sich auch erkennbar in den Roten Listen der einzelnen Staaten nieder, in denen die meisten der europäischen Fließgewässerfischarten in irgendeiner Form einer Bestandsgefährdung unterschiedlicher Schwere unterliegen. Dies hat den Menschen dazu gebracht regulierend und erhaltend in die Systeme einzugreifen.


An der Ilz
In diesem Zusammenhang stehen eigentlich unterschiedlichste Mittel zur Verfügung, unter anderem auch die Durchführung von Fischbesatz, aber bei weitem nicht nur dieses. Leider wird die Stützung der Fischbestände in vielen Fällen auf dieses eine Mittel reduziert und dieses zudem noch oft in fragwürdiger Ausprägung eingesetzt. Nicht zuletzt diese Tatsachen haben dazu geführt, dass die aktuell durchgeführte Gewässerbewirtschaftung vielerorts in der öffentlichen Meinung, auf das Besetzen von Fischen reduziert wird, die möglichst schnell wieder gefangen werden sollen.

Bild 1: Einbringen von Fischbesatz
Das eigentliche Ziel der Maßnahmen, nämlich unsere heimischen Fischbestände zu stützen, zu erhalten und vielleicht auch wieder zu vermehren tritt all zu oft leider in den Hintergrund. Dies gab mir den konkreten Anlass zu dieser Zusammenstellung. In der Folge werden die Grundlagen, die Möglichkeiten der Umsetzung und auch die wichtigsten begleitenden Maßnahmen für eine erfolgreiche Gewässerbewirtschaftung zusammengestellt. Auf Basis dieser Grundsätze werden in unserem Büro auch Bewirtschaftungskonzepte für unterschiedlichste Gewässer– bzw. Gewässerstrecken erarbeitet und deren Umsetzung auch praktisch beratend begleitet. Grundlagen der Gewässerbewirtschaftung – Basis jeglicher Bewirtschaftungsmaßnahmen muss eine umfassende Bestandsaufnahme im betroffenen Gewässer sein.
Diese Bestandsaufnahme muss sowohl biotische Faktoren (Fischbestand, Fischnährtiere, sonstige Besiedelung im und am Gewässer), wie auch abiotische Faktoren, pysikalisch – chemische Wasserqualität oder Strukturausstattung umfassend aufnehmen. Nur die profunde Kenntnis dieser Gewässervoraussetzung erlaubt einen effektiven Einsatz der möglichen Bewirtschaftungsmaßnahmen. Bewirtschaftungsvoraussetzungen - um die Vorgehensweise zu erdeutlichen, sollen die Verhältnisse an einem hypothetischen Modellgewässer der Äschenregion demonstriert werden. In den beiden folgenden Tabellen werden die angenommen festgestellten Rahmenbedingungen dargestellt. Dabei sollen die beispielhaft besprochenen Arten als Beispiel für ihre jeweiligen speziellen Habitatansprüche stehen.
Tabelle 1
Tabelle1: Bestandserhebung im Frühsommer nach der Laichzeit
( + vereinzelt; ++ regelmässig; +++ häufig )
Tabelle 2
Tabelle 2: Bestandserhebung im Herbst
( + vereinzelt; ++ regelmässig; +++ häufig )
Bei dem potentiell untersuchten Gewässer soll es sich um einen Fluss der Äschenregion mit Frühsommer- bzw. Sommerhochwässern im Rahmen der Schneeschmelze und bei Regenereignissen handeln. Die physikalisch – chemischen Zustände sind für die dominierenden Salmoniden bestens geeignet und die Nahrungsausstattung ist artenreich und nicht erkennbar reduziert in ihrer Dichte. Die Strukturaustattung ist durch Längsverbau eingeschränkt und die Eintiefung des Gewässers reduziert die Verfügbarkeit von Nebengewässern (Altwässer, Nebenbäche) leider drastisch. Der bisherige Besatz waren, Äsche (1-sömmrig), Bachforelle (3-sömmrig), Barbe (1-sömmrig), Nase (1- sömmrig) und Rutte (1-sömmrig). Äsche und Bachforelle wurden im Frühjahr besetzt und die sonstigen Arten aufgrund der Verfügbarkeit im Herbst. Die Befischung bzw. die Entnahme der Fische durch die Gewässernutzer geschieht was Schonzeiten und Schonmaße angeht nach den Vorgaben des Bayerischen Fischereigesetzes. Besondere weitere Einschränkungen (Beschränkungen der Köder, Befischungstechniken, Schutzzonen usw.) zum Schutz der Fischbestände sind derzeit nicht gegeben. Ökologische Defizitanalyse - Viele Gewässerbewirtschafter können in dieser Beschreibung den Zustand ihres eigenen Gewässers wiedererkennen. Nur wenige Arten reproduzieren erfolgreich, von dieser Reproduktion erreicht nur ein sehr geringer Anteil die fangfähige Größe. Der Ausfang reduziert sich fast vollständig auf die fangreif besetzten Fischarten und diese auch nur zu einem deutlich reduzierten Anteil. Die in unserem Fall fangreif besetzten Bachforellen werden im Laufe der Befischungssaison durch die Gewässernutzer bis auf wenige Einzeltiere fast vollständig entnommen. Was kann man nun aus diesen Grundlagen bei eingehender Betrachtung und ökologischer Erfahrung für Schlüsse ableiten? Äsche und Bachforelle reproduzieren nicht nachweisbar, was uns belegt, dass offensichtlich keine funktionierenden Laichplätze vorhanden sind. Sie sind beide Kieslaicher - Interstitiallaicher, was hohe Ansprüche auf ein funktionierendes Kieslückensystem ableiten lässt. Dass Nase und Barbe (Kieslaicher – Haftlaicher) trotz erkennbar geschwächter Bestände noch erfolgreich ablaichen und größere Brutmengen erzeugen zeigt, dass prinzipiell noch geeignete Kiesbänke auch für Äsche und Bachforelle vorhanden sein müssten, aber das Kieslückensystem ein Überleben der Eier und Larven nicht gewährleistet.
Für Nase und Barbe sind die Ansprüche an dieses Interstitial nicht so hoch, da deren Eier auf den Kiesoberflächen festkleben und sich dort bis zur Larve entwickeln können. Diese Larven benötigen dann nur für wenige Tage Schutz im Relief der Kiesoberflächen, der anscheinend noch ausreichend gegeben ist. Der Bruterfolg belegt dies. Die sehr extreme Reduktion der Jungfische von speziell der Nase und etwas weniger der Barbe über den Sommer zeigt aber eindeutig, dass für diese Arten Brut- und Jungfischhabitate bzw. Hochwassereinstände gerade während der Hochwasserphase fehlen. Die Barbe ist hier etwas weniger sensibel, da deren Jungfische recht früh in die strömenden Areale einwandern können, was für die Nase nicht in diesem Maße der Fall ist. Auch nutzt die junge Barbe eher Ersatzlebensräume und findet sich beispielsweise auch im Lückensystem der an den meisten Gewässern vorhandenen Steinschüttungen zurecht. Nasenbrut
Bild 2: Fressfähige Nasenbrut - ca.11 mm
Die Nase benötigt strömungsreduzierte, warme Uferbereiche oder noch besser angebundene Nebengewässer. Die Rutte stellt einen Sonderfall dar, da deren pelagische Eier und die sehr kleinen Larven nach dem Ablaichen oft weit verdriftet werden und erst die etwas größeren Jungfische diese Lebensraumverluste dann stoppen bzw. kompensieren können. Ein guter Strukturreichtum im Gewässer kann nach eigenen Erfahrungen diese Lebensraumverluste etwas kompensieren und einen erkennbaren Naturnachwuchs erzeugen helfen. Ansonsten ist hier auch die Durchgängigkeit ein sehr wichtiger Faktor für den Erhalt der Bestände dieser Fischart, wie auch für andere Mittelstreckenwanderer unter den Fischarten wie Nase und Barbe. Abgeleitete Maßnahmen – die möglichen Maßnahmen zur Stützung der Fischbestände gliedern sich auf jeden Fall in drei wichtige Aspekte. Es sind Lebensraum verbessernde Maßnahmen als wichtigster Aspekt in den Vordergrund zu stellen, danach folgen entscheidende Veränderungen in der Bewirtschaftungsweise bzw. bei der Entnahme von Fischen und zuletzt soll noch dargestellt werden, wie der Besatz optimiert werden kann. Lebensraum verbessernde Maßnahmen – an erster Stelle ist die Verbesserung der Reproduktionsvoraussetzungen zu benennen. Die Gestaltung von funktionierenden Laichstrukturen ist mit dem heutigen Wissen problemlos möglich.

Bild 3: Strukturierte Kiesschüttung als Laichplatz in einem Nebengewässer
Entweder wird vorhandenes Kiesmaterial umgelagert und so gereinigt, bevor es in geeigneter Weise zu einem Laichplatz modelliert werden kann. Im Fall von fehlendem Geschiebe kann es aber auch nötig sein Kies von außen zu zugeben, wobei hier räumlich möglichst nahe liegende Kiesabbaugebiete das geeignete Material (unsortierter Wandkies) liefern können. Die passende Lage des künstlichen Laichplatzes ist anhand geeigneter Strömungs – und Flussbettparameter von erfahrenem Personal auszuwählen und auch die Gestaltung entsprechend zu begleiten. Weiters kann auch die Lage und damit das Durchkommen der Brut- und Jungfische der verschiedenen Fischarten erheblich verbessert werden.
Eine Wiederanbindung oder auch Neuschaffung von angebundenen Nebengewässern (Altwässer, Nebengerinne, Nebenbäche) ist zwar oft aufwändig, aber obligate Voraussetzung für das nennenswerte Überleben der Jugendstadien zum Beispiel von Nase und Barbe. Aber auch bereits eine Neustrukturierung von Uferbereichen durch Abflachen, Bildung von Buchten und Kehrwässern kann bereits erhebliche Verbesserungen für die Brütlinge und Jungfische der genannten Arten erreichen. Hier ist immer wieder festzustellen, dass selbst kleinste Maßnahmen bereits eine erkennbare Wirkung erzielen können. Es geht in keiner Weise um riesige, schwer bis gar nicht durchführbare Vorhaben, sondern sehr oft ist ein Mosaik aus vielen unterschiedlich aufgebauten, kleinräumigen Strukturangeboten die bessere bzw. effektivere Wahl. Neben den bereits genannten strukturellen Möglichkeiten zur Verbesserung der Reproduktion und dem effektiven Aufkommen der Jungfische ist natürlich auch für alle weiteren Größenstadien und Arten eine hohe Strukturvielfalt entscheidend für die Verteilung und Dichte der Fischbestände. Der gezielte Einsatz von verschieden gestalteten Totholzstrukturen (Rauhbäume,Wurzelstöcke usw.) kann hier zum Beispiel bei vertretbarem Aufwand helfen die sehr wichtige hohe Strukturvielfalt zu sichern oder noch zu verbessern.
Hier sind oft auch entscheidende Verbesserungen in Hinblick auf den Schutz vor Fisch fressenden Vögeln (Kormoran, Gänsesäger und Fischreiher), zumindest für einige betroffene Fischarten, möglich. Ein reich strukturierter Gewässerabschnitt mit funktionierenden Laichmöglichkeiten, guter Verzahnung mit dem Umland und den Nebengewässern, ist entscheidende Voraussetzung für eine Sicherung der vorkommenden Fischbestände bzw. deren erfolgreiche Verbesserung. Eine funktionierende Durchgängigkeit sowohl zu flussauf wie auch flussab gelegenen Gewässerabschnitten erhöht die Stabilität des Ökosystems weiter entscheidend und hilft die nötige Strukturausstattung auf jeden Fall zumindest in einem größeren Gewässerzusammenhang zu erreichen.
Bild 4: Natürliche Totholzstrukturen als Brut- und Jungfisch-Unterstand
Bewirtschaftungsvorgaben – Ziel dieser Vorgaben muss sein, die natürliche Reproduktion aus den Beständen heraus zu erreichen oder zu verbessern. Dazu benötigten wir optimale Laichfischbestände. Die derzeitigen Schonmaße orientieren sich daran, dass ein Fisch bevor er entnommen werden darf, mindestens einmal abgelaicht haben sollte. Diese Ziel wird aber mit den derzeitigen Schonmaßen in vielen Gewässern nicht erreicht.

Bild 5: Fischdurchgängige Anbindung eines Nebenbaches am Inn

Hinzu kommt, dass jeder Fischzüchter die Erfahrungen gemacht hat, dass Fische, die zum ersten Mal ablaichen eine vergleichsweise schlechte Qualität der Geschlechtsprodukte (Eier, Sperma) aufweisen. Die Fische sollten demzufolge mindestens zweimal, besser drei oder viermal reproduzieren können, ehe sie entnommen werden dürfen.

Aus diesem Grund ist fest zu stellen, dass je nach den speziellen Gewässervoraussetzungen deutlich höhere Schonmaße anzusetzen sind. Aus eigenen Erfahrungen für die als Beispiel genannten Arten wären die in der folgenden Tabelle genannten Maße in einem durchschnittlich nahrungsreichen Gewässer als Schonmaße geeignet.

Der Ausfang der einzelnen Arten wird sich durch eine solche Maßnahme nur zeitlich begrenzt negativ verändern, da die Fische meist vergleichsweise schnell nachwachsen. Der Effekt auf die Reproduktionsbasis im Gewässer durch die deutliche Steigerung der vorhandenen Laichfischbestände kann aber enorm sein, wenn die Reproduktion und das Abwachsen der Fische funktioniert. Neben diesen Maßnahmen zur Verbesserung des Laichfischpotentials, sind natürlich auch geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die noch nicht fangfähigen Fische so zu schützen, dass sie schonend und unverletzt ins Gewässer zurückgesetzt werden können, wenn sie versehentlich an den Haken gegangen sind. Tabelle 3
Tabelle 3: Vorschläge zu geänderten Schonmaßen zur Verbesserung der Laichfischbestände und des Vermehrungspotentials
Hier sind auf jeden Fall Einschränkungen in Bezug auf Köderangebot, Ködergrößen, Hakengestaltung (z.B. widerhakenlos) und Befischungstechniken usw. in Erwägung zu ziehen und an die jeweiligen vorhandenen Gewässervoraussetzungen und Fischbestände geeignet anzupassen. Im Falle unseres bisher verwendeten Modellgewässers in der Äschenregion könnte dies bedeuten, kleine Köder nur widerhakenlos und mit Einzelhaken zu fischen (Fliege, Spinner). Der Einsatz von Naturködern ist auf große Köder (Tauwurm, Fischfetzen, Köderfisch) und Hochwasserzeiten bzw. die Nachtstunden (Ruttenfischen ab 1h nach Sonnenuntergang) zu beschränken. Größere Kunstköder, wie Streamer ab einer bestimmten Hakengröße, oder auch Spinnköder (z.B. ab 8cm Länge) können dann mit Widerhaken bzw. auch mit Drilling ausgestattet sein. Mit Ihnen werden fast ausschließlich so große Fische angesprochen, dass sie über dem Schonmaß liegen, so dass hier nur geringe Risiken bestehen die wertvollen Jungfischbestände zu gefährden. Auch die Schonung von Teilstrecken des Gesamtgewässers, wie die Einrichtung von Laichschonstrecken, besonderen Jungfischschonbereiche usw., kann hier eine geeignete, begleitende Maßnahme sein. In unserem Beispiel an dem Fluss der Äschenregion würde es Sinn machen, die flachen reich strukturierten schnell fließenden Gewässerabschnitte, die bevorzugt von Jungfischen genutzt werden, für Naturköder ganz zu sperren und auch bei den Kunstködern nur die größeren Muster zuzulassen. Auch all diese Maßnahmen rund um die Befischung des Gewässers und die Entnahme von Fischen müssen individuell an die einzelnen Gewässer bzw. eventuell sogar Gewässerabschnitte angepasst werden. Zusätzlich ist hier ein entscheidender Faktor, dass der Hintergrund und Sinn dieser Maßnahmen allen Fischereiausübenden klar wird und diese auch von allen akzeptiert und mitgetragen werden. Nur dann ist eine praktikable und nachhaltige Umsetzung auch denkbar. Fischbesatz – das ist der dritte wichtige Eckpfeiler auf dem eine erfolgreiche Gewässerbewirtschaftung ruhen kann. Die Möglichkeiten mit Besatz die Fischbestände zu sichern oder zu verbessern sollen in der Folge wieder am bisher genannten Modellbeispiel erläutert werden. Vorab gilt es allerdings einige wichtige Prinzipien die den Besatzerfolg beeinflussen zu verdeutlichen. Je älter ein Besatzfisch ist, desto schlechter wird sein Anpassungsvermögen an einen veränderte Umwelt sein. Das bedeutet, dass der Besatzfisch sich umso besser im Besatzgewässer zurechtfinden wird und dort auch überlebt, je jünger er dorthin gelangt. Weiters beeinflusst jegliche „künstliche“ Fischhaltung in Teichwirtschaften das Verhalten der dort gehaltenen Fische, wobei dies in der Salmoniden-Teichwirtschaft massiver und nachhaltiger der Fall ist wie in der Karpfenteichwirtschaft.
Je länger ein Fisch dort gehalten wird, desto mehr und umso nachhaltiger verändert sich sein Verhalten. Jede Zucht nimmt durch Auswahl der Laichtiere Einfluss auf deren genetische Ausstattung. In der Fischzucht wählt der Mensch diese Fische nach subjektiven Merkmalen aus (Wachstum, Aussehen, Krankheitsresistenz usw.), eigentlich sollte diese Auswahl im Gewässer durch die jeweiligen dort vorliegenden Umweltbedingungen erfolgen. Nur so kann eine geeignete Anpassung an das neue Heimatgewässer effektiv erfolgen. Bachforelle
Bild 6:  wunderschöne Bachforelle -
aber passt die Genetik ins Gewässer ?
Auch diese Tatsache erfordert möglichst junge aber auch möglichst viele Besatzfische, um der Natur eine ausreichende Selektionsbasis zur Verfügung zu stellen. Ist die Basis und damit die Besatzahlen zu gering bleibt nach der Anpassungsphase eventuell fast nichts übrig.
Brütlinge
Bild 7: Viele Brütlinge - Bestes Anpassungspotential
Damit haben wir weitgehend klare Vorgaben für effektive Besatzmaßnahmen und können sie an unserem bisherigen Beispiel, dem Fließgewässer der Äschenregion, weiter konkretisieren. Wir müssen aber auch hier jeweils die Gewässervoraussetzungen intensiv berücksichtigen, was bedeutet, es können nur Fische besetzt werden, deren Lebensraumanforderungen auch erfüllt werden können und sie werden genau in eben diese für sie relevanten Gewässerabschnitte auch besetzt, um ihnen die ohnehin anspruchsvolle Anpassung möglichst zu erleichtern. Bei den vorgestreckten Fischen die im Spätsommer bzw. Frühherbst in das Gewässer gesetzt werden, ist darauf zu achten, diesen Besatz möglichst knapp nach der Hochwasserphase zu tätigen, damit den Fischen genügend Zeit verbleibt sich anzupassen, ehe die zurückgehenden Wassertemperaturen im Herbst ihre physiologischen Fähigkeiten dazu zu sehr einschränken.
Sollte es aufgrund der Gewässerumstände notwendig sein, auch größere, d.h. ältere Besatzfische mit zu besetzen, sollte immer versucht werden im Gewässer dann den natürlichen Bestandsaufbau nachzubilden. Das bedeutet für uns viele Jungfische, deutlich weniger subadulte Fische und nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl an adulten Fischen einer Art. Nur so erreichen wir Verhältnisse unter denen laufend junge Individuen nachwachsen können um die Lücken zu schließen, die durch den Fang der großen Fische entstanden sind. Für den eigentlichen Besatzvorgang ist noch zu erwähnen, dass sich ein Fisch umso stressfreier in das neue Gewässer einfinden kann, je besser und schonender er auf die neuen Wasser- (Physikalische und chemische Faktoren) und Gewässerverhältnisse (lokale Zuchtbetriebe bevorzugen – vergleichbare Umweltbedingungen) vorbereitet wurde. Durch die Verwendung von kleinen und kleinsten Fischstadien für den Besatz ergibt sich noch ein zusätzlicher Vorteil. Auch bei begrenzten finanziellen Mitteln für den Fischbesatz ist es so möglich, die nötigen vergleichsweise große Fischmengen (ausreichende Selektionsbasis!) zum Besatz bereitzustellen. Ein Überbesatz, wie er bei fangfähigen Fischen mit Sicherheit regelmäßig erfolgt ist so ebenfalls kaum denkbar. Fische, die keine geeigneten Lebensraumstrukturen mehr vorfinden sollten, werden sich suboptimal einnischen müssen und erleiden meist sehr schnell das Schicksal gefressen zu werden. Dadurch sind sie nicht verloren, sondern sorgen für Zuwachs bei den größeren Individuen. Ein echter Schaden für das Gewässer oder die Fischbestände, wie er bei fangfähigen Fischen immer wieder zu beobachten ist, ist bei dieser Besatzvorgehensweise weitgehend ausgeschlossen.
Tabelle 4
Tabelle 4: Geeignete Besatzgrößen und Besatzorte für die angesprochenen Fischarten
Viele Fischereiberechtigte werden sich nach diesen Aussagen noch fragen, wo denn in all diesen Erwägungen zum Beispiel die Regenbogenforelle geblieben ist. Hierzu ist zu sagen, dass nach meiner Ansicht in einem Gewässer in dem noch Bestände der dort natürlich vorkommenden Fischarten vorhanden sind und gestützt werden sollen, Fremdfischarten wie die Regenbogenforelle oder der Bachsaibling sind, nichts verloren haben. Auch diese Fischarten haben natürlich ihre Berechtigung in Gewässerstrecken, die so denaturiert (Bsp. Stauseen und ausgedehnte Staustrecken an den kalten Voralpenflüssen, Kanäle usw.) sind, dass der eigentlich natürliche Fischbestand kaum mehr eine Chance hat. Hier können sie eine attraktive Ergänzung der ansonsten stark reduzierten fischereilichen Möglichkeiten darstellen. Hier ist aber auf jeden Fall sicherzustellen dass benachbarte, der Natur nähere Gewässerstrecken, nicht etwa versehentlich geschädigt werden können. Abschließend ist festzustellen, dass bisher leider viele mögliche Facetten der Gewässerbewirtschaftung noch viel zu wenig genutzt werden. Viel zu oft wird noch der Versuch gestartet die Bewirtschaftung von Gewässern und die bewirtschafteten Fischarten rein an den Wünschen des Fischereiberechtigten zu orientieren und nicht an den tatsächlich Rahmenbedingungen, die das Gewässer in den meisten Fällen recht klar vorgibt. Wir als Gewässer- und Fischökologen sehen es dabei als unsere Aufgabe in der Beratung an, den am Gewässer agierenden Fischereiberechtigten, nach unseren Möglichkeiten dabei zu helfen, das richtige aus den Gewässervorgaben heraus zu lesen, darauf aufbauend die richtigen Schlüsse zu ziehen und ihre Bewirtschaftungsbemühungen unter Berücksichtigung von finanziellem Möglichkeiten und abschöpfbarem Erfolg entsprechend zu optimieren.

An der Isar
Bericht und Fotos: Dr.Dipl.Biol. Manfred Holzner
Büro für Gewässerökolgie und Fischbiologie
Hauptstr. 80 / 84152 Mengkofen
Holzner-manfred@t-online.de (für Anfragen an den Verfasser)
Layout/Fotos von Ilz und Isar: Eva Geigl