9.Oktober 2009

Bayerns Fischer mussten heute zur Kenntnis nehmen, dass von NABU und dem bayerischen Landesbund für Vogelschutz der Kormoran zum Vogel des Jahres 2010 kreiert wurde. Zugegebenermaßen eine gelungene Provokation gegenüber all denen, die sich für den Erhalt der heimischen Fischfauna einsetzen und die viel Geld in die Hand nehmen, um die durch den Fraßdruck des Kormorans stark dezimierte Fischfauna alljährlich wieder aufzubauen und zu erhalten.

Dies betrifft die Teichwirtschaft, die alljährlich immense wirtschaftliche Verluste hinnehmen muss, aber auch die Angelfischerei sowie die Seenfischer gleichermaßen. Und dies alles vor dem Hintergrund, dass mehr als 90% der Fließgewässerfischarten auf der Roten Liste stehen und ein guter Teil davon vom Aussterben bedroht ist. Dass dafür der Fraßdruck des Kormorans eine wesentliche Ursache ist, wurde vielfach wissenschaftlich belegt. 
Mit mehr als 2 Millionen Exemplaren in Europa, Deutschland und Bayern sind die Vögel so zahlreich und weit verbreitet wie nie zuvor! Auch hier wurde von den Vogelschützern „Neuland“ betreten; bislang wurden nur Vögel ausgewählt, die in ihrem Bestand bedroht waren und die mit ihrem Lebensraum geschützt werden mussten. Beim Kormoran trifft dies nicht zu. Sogar die Europäische Vogelschutzrichtlinie hat attestiert, dass er nicht mehr als gefährdet einzustufen ist. Oder ist dies eine Retourkutsche auf die Bemühungen der Fischer, endlich die überfällige Balance zwischen dem Kormoran und der Fischfauna herzustellen? Eine Instinktlosigkeit ist es allemal!

Der Bayerische Landtag hatte bereits am 07.05.2009 einen Beschluss mit Hilfen für die Fischereiwirtschaft und gefährdete Fischbestände gefasst und das federführende Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit beauftragt, eine Prioritätenliste der Gewässer zu erstellen, für die der Erlass entsprechender Allgemeinverfügungen durch die Regierungen der Bezirke vordringlich ist. Einige wenige Allgemeinverfügungen wurden zum Schutze der Teichwirtschaft vor dem Landtagsbeschluss erlassen, ansonsten ist bis zum heutigen Tage nichts geschehen.

Es stellt sich die Frage, warum sich die Administration mit der Umsetzung des Beschlusses des Souveräns so schwer tut? Gerade den Naturschutzbehörden auf allen Ebenen (Ministerium, Regierungen, Landkreise) sollte es doch ein Anliegen sein, im Sinne der internationalen Convention on Biological Diversity (CBD) darauf zu achten, dass auch die Lebewesen unter Wasser sich entwickeln und reproduzieren können und das Verhältnis zu den Fressfeinden, insbesondere den Kormoranen, die wiederum keine natürlichen Feinde haben, ausbalanciert werden muss.


Landesfischereiverband Bayern   - Eberhard Roese

Oktober 2009

Bericht: Eberhard Roese
Grafik: Eva Geigl

Statements an Royal Flyfishing:

Deutscher Fischerei-Verband e.V.                                    Presseerklärung
Michael Müller FliegenfischerForum 

Ich bin sehr bestürzt, dass all die Jahre der Verluste, der Argumentation, der Erstellung von wissensschaftlichen Gutachten, der Lösungsversuche, deren Umsetzung und des Zusammenrückens mit vernünftigen Verantwortlichen der Naturschutzverbände (ja - sowas soll es geben...) im nachhinein zu nichts geführt haben. Absolut bestürzend ist ebenso, dass es einige, anscheinend leider federführende, jedoch völlig vernagelte Mitglieder von NABU und LVB zu geben scheint, die sämtliche Errungenschaften der vergangenen Jahre mit Füßen treten und die wider jeglicher Vernunft die alten Lügen auftischen, die längst fachlich und wissenschaftlich widerlegt wurden. Nur: Lügen werden nicht deshalb wahrer, wenn man sie (zu) oft wiederholt. Deshalb werden ich und meine Mitstreiter sich mit voller Kraft dafür einsetzen, die wahren Fakten zu verbreiten und die Bürger aufzuklären über die ausschließlich eigennützgen Machenschaften des NABU. Im Fliegenfischer-Forum wird das Thema schon seit einigen Tagen heiß debattiert und selten waren sich die User derart einig! Link: www.fliegenfischer-forum.de . Gerne darfst Du darauf hinweisen/verlinken. Interessant ist - neben vielen anderen dort angesprochenen Fakten - auch unsere Idee, als Gegenzug die Äsche als Fisch des Jahres 2010 auszurufen, um einen Kontrapunkt zu setzen. Leider haben das die Sportfischerverbände verschlafen und statt dessen schon die Karausche nominiert! Nicht geschlafen haben die Dachverbände jedoch bei der raschen Reaktion mittels einer gemeinsamen Presseerklärung (s.o.), hinter der ich im übrigen voll und ganz stehe.
Mit freundlichen Grüßen - Michael Müller
                                         
Roman Moser - Innovative Fly Fishing Products (A)

Die Vogellobby macht es möglich. Da es diesen verblendeten Tierschützern nicht gelingt, ein verbrieftes Recht, nämlich die Angelfischerei per Gesetz zu verbieten, bedient man sich des schwarzen Vogels, um somit das Zielobjekt der Petrijünger ganz legal eliminieren zu können. Dabei spielt es aus reinem Egoismus keine Rolle, ob auf der roten Liste stehende Fische gänzlich aus unseren Gewässern verschwinden. Man will alleine sein am Wasser, um Enten oder anderes Federvieh in Ruhe stundenlang beobachten zu können. Angler stören dabei nur. Und sollte bei schwindenden Fischbeständen auch der Kormoran auf der Strecke bleiben, so hat er lediglich seine Pflicht erfüllt – denn sympathisch finden ihn nicht einmal die fanatischsten Vogelfreunde. Solange man nicht drastische Massnahmen ergreift und in den Brutgebieten von Carbo Corax eingreift, ist der Kormoran in seinem Bestand nicht gefährdet. Die paar Abschüsse in den Wintermonaten verursachen nicht einmal eine kleine Delle in der ständig wachsenden Bestandskurve. Und über 2 Millionen Vögel in West- und Mitteleuropa sind wohl genug. Mein Vorschlag daher, Umbenennung auf "Unvogel des Jahres 2010".
Stefan Moser - 1.Vorsitzender BFV Miesbach-Tegernsee

Den Kormoran als Vogel des Jahres zu benennen schlägt dem Fass den Boden aus. Unzählige Studien belegen welchen Schaden diese "einheimischen" Vögel aus China (sinensis) anrichten. Die Bemühungen der Fischer schwer angeschlagene Arten wie die Äsche wieder "aufzupäppeln" werden mit Füßen getreten. Hört der Umweltschutz denn an der Wasseroberfläche auf? 2 Millionen Individuen in Europa und dann ist der Vogel gefährdet? Täglich werden über 1000t Speisefisch von dieser schwarzen Pest vertilgt, ganz zu schweigen von den vielen Fischen die „nur angestochen" werden und dann jämmerlich zugrunde gehen. Tierschutz? Naturschutz? Mitnichten! Verbände, die solchen Schwachsinn verbreiten und gezielt die Gesellschaft verdummen mit ihrem Aktionismus, sollte sofort jegliche öffentliche Förderung gestrichen werden. Ich hoffe die Jäger sehen die Problematik auch so wie wir Fischer und lassen sich nicht durch die Unwahrheiten, die gezielt gestreut werden, einschüchtern. Früher hätte man in solchen Fällen ein Haberfeldtreiben ausgerichtet und die Verantwortlichen zur Vernunft gebracht.
Jupp Verstraten - EFFA-Master Instructor

Als Fliegenfischer, der sich in der Natur bewegt, und sich mit den natürlichen Dingen und Abläufen im und am Wasser beschäftigt, stelle ich seit sehr vielen Jahren fest, dass es einige grundlegende und außergewöhnliche Veränderungen im Vorkommen bestimmter Fischarten gibt, insbesondere bei der Äsche. Ebenso lässt sich eine starke Veränderung im Vorkommen bestimmter Vogelarten, insbesondere des Kormorans der keine natürlichen Feinde in unseren Breitengraden hat, in dieser Zeit feststellen. Der Kormoran ist in früheren Zeiten, was Anzahl und Vorkommen betrifft, niemals von Bedeutung, und schon gar nicht gefährlich für unsere Fischbestände gewesen. Niemals war er hier heimisch, sondern kam nur in verschwindend geringen Zahlen vor. Die aus hegerischen Maßnahmen resultierenden Fischvorkommen haben, ebenso wie der Schutz dieser "bedrohten" Vogelart, hat dazu geführt, dass sich der Kormoran im extremen unkontrollierten Maße vermehrt hat. Es kann jedoch nicht sein, dass dies bedeutet, alle müssen eben so lange zusehen, bis es nicht mehr genug Fische gibt, dann regelt sich schon alles von selbst (Aussage eines Vogelschützers vor einigen Jahren). Die Äsche ist seit dem massenhaften "Einfall" und dem außergewöhnlichen Jagdverhalten des Kormorans, in sehr vielen Fließgewässern nicht nur erheblich eingeschränkt, sondern oftmals praktisch gar nicht mehr vorhanden. Die Erhaltung aller Altersgrößen der Fische in den verschiedenen Gewässern hat uns als Fischer immer zu einem ausgeprägten, hegevollen Verhalten im Umgang mit der Kreatur Fisch veranlasst, und hat die Fischereivereine stets zu einem ausgewogenen, den Erfordernissen angepassten Besatz bewegt. Diese Ausgewogenheit bei den vom Gesetzgeber geforderten hegerischen Maßnahmen ist jedoch seit vielen Jahren nicht mehr möglich, da auch die Fischzuchtanstalten meistens nicht mehr in der Lage sind, durch eine schwierigere Zucht der Äschen, und auch den "Angriffen" des Kormorans dort, den Fortbestand und Erhalt des Äschen-Bestands zu sichern. Laut deutschem Fischereirecht liegt der Sinn beim Fischen/Angeln darin, sich in den Besitz zum Verzehr fangfähiger Fische zu bringen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist bei der Gesetzgebung damit nicht nur das Züchten und Besetzen von "Monokulturen" (Bachforelle), als oftmals einzigen noch möglichen Besatz gedacht worden. Die Artenvielfalt zu erhalten, sollte eben nicht nur für uns Angler/Fischer gelten und oberste Priorität haben, sondern dies gilt genauso für alle anderen Natur- und Tierschützer.
Uwe Rieder und Christof Menz - Pro-Guides Flyfishing

ist wirklich unglaublich!! Schade dass die intensive und gute Arbeit sowie große finanzielle Investitionen, die die einzelnen Vereine und Verbände in den letzten Jahren vollbracht haben um die Fischbestände wieder zu sichern, durch das ignorante Auftreten der Vogelschützer immer wieder zurück geworfen wird. Aber anscheinend stehen heimische Fischarten nicht auf den Listen der Naturschützer, welche mit aller Gewalt versuchen einen Wandervogel bei uns anzusiedeln.
Dr. Manfred Holzner (Diplombiologe / Gewässerökologe) Mengkofen

Büro für Gewässerökologie und Fischbiologie

Warum tun sich Teile des Bundesdeutschen Arten- und Naturschutzes so schwer, die offensichtlich vor Ihnen liegenden Tatsachen zu erkennen und auch anzuerkennen? Kein Mensch käme auf die Idee wertvolle Orchideenstandorte auf Feuchtwiesen verbuschen zu lassen, und sie damit zu verlieren. Es ist eine allgemein anerkannte Tatsache, dass die Schalenwildbestände (Rehe und Hirsche) negative Einflüsse auf die Verjüngung des Waldes haben können und deswegen durch die Jagd in einer zuträglichen Bestandsdichte gehalten werden müssen. Nur eine nachhaltige Bewirtschaftung und Pflege sichert wichtige Bestandteile unserer Kulturlandschaft, so wie wir sie kennen und schätzen. Vergleichbar zeigt sich für den offenen Beobachter die Situation unserer Gewässer und deren Bewohner. In den letzten Jahrhunderten wurden sie nachhaltig verändert und entsprechend den Bedürfnissen des Menschen in Bezug auf Flächengewinnung, Energiegewinnung und Hochwasserschutz massiv umstrukturiert. Sie wurden Teil unserer Kulturlandschaft, in die sie sich zwangsweise einfügen mussten. Nur mehr sehr wenige periphere Gewässerabschnitte sind wirklich unverändert. Es wurde insbesondere die für die Lebensvorgänge im Gewässer entscheidende Dynamik massiv beschnitten um die Gewässer und deren Entwicklung für den Menschen berechenbar und sicher zu gestalten. Dies war Voraussetzung für die heutigen Lebensmöglichkeiten an unseren Fließgewässern und Seen. In diesem stark veränderten Zustand sind unsere Gewässer, die trotz aller Veränderungen die Lebensadern unserer Landschaft darstellen, darauf angewiesen nachhaltig gepflegt zu werden. Dazu gehört Unterhalt und Neuschaffung von Strukturen genauso, wie die nachhaltige Sicherung und Pflege unserer Fischbestände. Ohne diese Eingriffe wären viele der sensibleren und empfindlichen Arten wahrscheinlich aus weiten Gewässerabschnitten bereits verschwunden. Ihre Stelle hätten weniger empfindliche Arten eingenommen und einem unwissenden oder auch nur oberflächlichen Betrachter würden diese Veränderungen vielleicht kaum auffallen. Dies kann aber ein verantwortungsvoller Gewässerbewirtschafter, der die Stabilität des Ökosystems Gewässer auch zum Nutzen der Allgemeinheit erhalten will, nicht zulassen. Aus diesem Grund kann der einseitige Schutz einer Vogelart, wie des Kormorans nicht länger toleriert werden. Seit langem kämpfen Gewässerbewirtschafter mit der Uneinsichtigkeit eines Naturschutzverbandes, der immer noch nicht erkannt hat, dass hier der kompromisslose Schutz einer einzelnen Art das gesamte Ökosystem Gewässer aus dem Gleichgewicht geworfen hat. Es ist nun unsere gemeinsame Aufgabe sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind das fehlende Gleichgewicht wieder herzustellen. Da der Kormoran eine hoch mobile Vogelart ist, die innerhalb Europas und auch darüber hinaus Wanderungen durchführt, kann auch nur eine europäische Lösung nachhaltige Verbesserungen bringen. Durch Jagd innerhalb Bayerns, egal wie intensiv diese auch stattfindet, kurieren wir leider nur an den Symptomen, was derzeit leider unsere einzige Möglichkeit darstellt. Deswegen meine Forderung an die Feder führenden europäischen Vogelschutzorganisationen: setzt euch zusammen und erarbeitet ein wirkungsvolles Managmentkonzept für den Kormoran auf europäischer Ebene. Ich bin Gewässerökologe und kein Vogelspezialist. Mir liegt es fern den dort Zuständigen Ratschläge zu erteilen, aber ich weiss und es wurde bereits mehrfach wissenschaftlich belegt, dass der Frassdruck der Kormorane insbesondere in den kleineren und mittleren Fließgewässern eine ernsthafte Bedrohung besonders für seltene Arten darstellt und zwingend kontrolliert werden muss. Genauso möchte ich aber abschließend den aktiven Vogelschutz darauf hinweisen, dass die Fischerei durchaus einige Erfahrung im Bereich Gewässerökologie aufzuweisen hat und die weiteren Probleme unserer Gewässer kennt und intensiv daran arbeitet. Ohne eine nachhaltige Veränderung des Vogelfrassdruckes können dadurch aber nur wenige kleine Teilerfolge erzielt werden.

Werner Leiacker - 1. Vorstand des Augsburger Fischereivereins

dieser "Schachzug" zeigt eindeutig, dass sich die Initiatoren völlig aus der Realität verabschiedet haben! Es wird von dieser Personengruppe immer widersprochen, dass die Äsche hier (in Schwaben) auf Grund von Kormoran und Gänsesäger äußerst stark bedroht ist. Nur dort, wo der Kormoran keinen Zugang zu einem Gewässer hat gedeiht die Äsche prächtig.
Beispiel - Augsburg Lechkanäle:
-monotoner Gewässerverlauf
-meist betonierte Ufer
-Gewässersohle meist Beton
-nur wenig Laichplätze auf Kiesbänken
Aber: Kein Einfluss von Fraßfeinden aus der Luft.
Ergebnis: Ein erstaunlich guter Äschenbestand aller Altersstufen! Trotz eigentlich widriger Bedingungen! Habe ich mal in Mathe/Latein im Gymnasium gelernt: Quod erat demonstrandum (q.e.d.) - was zu beweisen war
Hubert Indra - Präsident Castingclub Südtirol

Nachdem es so viel über unsere "Freunde" zu lesen gibt, möchte ich mich ganz kurz halten:

Das einzige positive an der ganzen Kormorangeschichte ist, dass nur eine gewisse Kategorie von Menschen daran glaubt er sei vom Aussterben bedroht; das sind jene Menschen dessen geistiger Horizont oberhalb des Wasserspiegel aufhört.

Vogel des Jahres 2010 bringt den NABU in Erklärungsnot

Anlässlich der Bekanntgabe, dass der Kormoran zum Vogel des Jahres 2010 gewählt wurde, haben NABU und LBV die nach eigenen Angaben jährlich bis zu 15.000 Vergrämungsabschüsse von Kormoranen als beschämend bezeichnet und deren Beendigung gefordert. Laut NABU und LBV gäbe es Alternativen, um z.B. die Satzfischbestände in Teichwirtschaften auch ohne Abschüsse wirksam vor dem Kormoran zu schützen. Da der NABU mit der Blumberger Mühle im Nordosten des Landes Brandenburg selbst eine Karpfenteichwirtschaft besitzt, liegt es nahe, sich dort nach den angeblichen Lösungen für das Kormoranproblem zu erkundigen. Das tat das rbb-Fernsehen und bekam die überraschende Antwort, dass man das Problem von den Teichen der Blumberger Mühle in das Teichgebiet eines tschechischen Satzfischlieferanten delegiert hat. Weil der NABU in der Blumberger Mühle keine Vergrämung der Kormorane durch Abschüsse zulässt, ist die früher dort erfolgreich praktizierte Satzfischaufzucht heute nicht mehr möglich. Um dennoch die Teiche bewirtschaften zu können, ist der Zukauf von Satzfischen in einer Größe erforderlich, die vom Kormoran nicht mehr bewältigt werden kann. Weil in Deutschland wegen der Schäden durch Kormorane ein genereller Mangel an Satzfischen herrscht, ist man auf einen tschechischen Lieferanten ausgewichen. So werden seit dem Jahr 2000 jährlich zwischen 60 und 65 Tonnen Satzkarpfen quer durch Europa in die Teiche der Blumberger Mühle kutschiert. Liefern kann der Teichwirt aus Tschechien diese Satzfische nur, weil in seinem Teichgebiet ständig mehrere Mitarbeiter mit der Waffe unterwegs sind und konsequent gegen einfliegende Kormorane vorgehen. Im Interviev mit Brandenburg aktuell verteidigte Wolfgang Mädlow, Geschäftsführer des NABU Brandenburg, die Praxis des Importes von Satzfischen aus Ländern, in denen der Kormoran angeblich einen geringeren Schutzstatus hätte. Da die Tschechische Republik Mitglied der EU ist, gilt auch dort die EU-Vogelschutzrichtlinie. Der Kormoran genießt somit in Tschechien den gleichen Schutzstatus, wie in Deutschland und den übrigen EU-Mitgliedstaaten. Mitarbeiter des NABU und des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin äußerten gestern gegenüber dem Landesfischereiverband, dass ein Vorgehen gegen den Kormoran im Bereich der Blumberger Mühle nicht vorstellbar wäre. Schließlich wären Vergrämungsabschüsse auf Kormorane den Besuchern des NABU-Schulungszentrums und der zugehörigen Teichanlage nicht zu vermitteln. In der Blumberger Mühle hätte man es deshalb mit einer besonderen Situation zu tun, mit der die gegenwärtige Praxis des Importierens von Satzfischen aus dem Ausland gerechtfertigt sei. Für diese Haltung hat der Landesfischereiverband Brandenburg/Berlin e.V. natürlich vollstes Verständnis. Es ist Hobbyornithologen ganz sicher nicht zuzumuten, dass man sie mit der bitteren Realität konfrontiert und ihnen erklärt, dass der Kormoran tatsächlich massive Schäden anrichtet und auch der NABU entgegen anders lautender Darstellungen keinerlei Patentrezepte für eine zufrieden stellende Lösung parat hat. Der NABU agiert in Sachen Kormoran ganz offensichtlich nach dem Sankt-Florian-Prinzip, ist sich jedoch nicht zu schade, gleichzeitig die Vergrämungsabschüsse an deutschen Teichwirtschaften scharf zu kritisieren. 
26.01.2010

Lars Dettmann 

http://www.lfvb.org
Artikel aus dem Münchener Merkur vom 8.6.10
Kampf dem Kormoran. Abschuss jetzt sogar in Vogelschutzgebieten.
Er ist der Feind der Fischer und Angler: der unersättliche Kormoran. Seit Jahren tobt am Chiemsee um ihn ein erbitterter Kampf der wenigen dort noch tätigen Berufsfischer gegen Tierschützer. Nun hat die Regierung von Oberbayern zum Schutz heimischer Fischarten in 4 weiteren Regionen den zeitlich befristeten Abschuss des Fischfressers zugelassen - obwohl es sich dabei um Naturschutzgebiete oder europäische Vogelschutzgebiete handelt. Damit sollen neue Brutkolonien verhindert werden. Der Landtag hatte vor 1 Jahr beschlossen, dem Kormoran stärker zu Leibe zu rücken. In Oberbayern gibt es nun 10 Genehmigungen zum weiteren Abschuss. Die neuen Regionen sind an der Isar zwischen Moosburg und Bad Tölz, an der Donau bei Ingolstadt, an der Tiroler Achen im Mündungsgebiet in den Chiemsee, sowie im Vogelschutzgebiet am Ammersee.
Artikel aus dem Münchener Merkur vom 27.10.10
Ab sofort ist der Abschuss von Kormoranen auch am Ammersee erlaubt-obwohl der See ein europäisches Vogelschutzgebiet ist.
Die Regierung von Oberbayern erteilte zum Ärger der Vogelschützer eine Sonder-Erlaubnis. Erst seit 1991/92 ist der Kormoran am Ammersee heimisch. Etwa 100 Brutpaare gibt es nach Angaben des Landesbunds für Vogelschutz. Ob die Zahl jetzt schrumpfen wird, ist die Frage: denn nach Anordnung der Regierung von Oberbayern dürfen Kormorane ab sofort ausserhalb der Brutzeit zwischen dem 16. August und 14. März vom Ufer aus und, wenn der Vogel direkt an Fischernetzen gesehen, auch vom Boot aus geschossen werden. Für Jungvögel ist sogar ganzjährig der Schutz aufgehoben. Ausserdem dürfen Fischer den Neubau von Nestern verhindern und bestehende Nester ausserhalb der Brutzeit zerstören - vorausgesetzt, die Regierung von Oberbayern genehmigt dies. "Ziel ist es, den Vogel zu vergrämen", sagt der Sprecher der Regierung von Oberbayern, Heinrich Schuster. Zum Schutz heimischer Fischarten und "wegen erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden"- am Ammersee gibt es 38 Fischer-sei der Abschuss notwendig. Er spricht beim Vogelabschuss im Vogelschutzgebiet von einem schwierigen Abwägungsprozess. Die Verfügung ist auch nicht ohne Grund bis 30. April 2013 befristet. Nicht zum ersten Mal hatt die Regierung eine sogenannte Allgemeinverfügung erlassen und damit den Abschuss des Kormorans in Schutzgebieten legalisiert. Seit Mai 2009 ist der Kormoran zum Abschuss am Lech freigegeben, danach ging es Schlag auf Schlag: Chiemsee und Alz, Loisach-Kochelseemoore, Ampermoos, Isarauen, selbst im Donaumoos dürfen Jäger auf den Fischräuber anlegen. Nur an der Salzach ist der Vogel noch geschützt-eine Allgemeinverfügung scheiterte bislang an Grenzstreitigkeiten mit Oberösterreich und Salzburg, ist jedoch weiterhin auch für dieses Gebiet in Arbeit. Christian Niederbichler, Naturschutzgebiet-Betreuer des Landesbunds für Vogelschutz, nimmt die Allgemeinverfügung etwas niedergeschlagen hin. Rechtlich dagegen vorzugehen plant der Vogelschutzbund nicht. Allerdings zweifelt Niederbichler stark daran, dass sich durch die Abschussgenehmigung irgend etwas ändert. Bayernweit gebe es jährlich mehrere tausend abschüsse. Doch die frei werdenden Nistplätze würden durch Zuzügler aus Nordeuropa "binnen weniger Wochen" wieder besetzt. Der Kormoran, 2010 der Vogel des Jahres, werde "zum Sündenbock" gemacht. Doch schädigten beispielsweise auch massenhaft ausgesetzte Aale die Fischerei - sie fressen Jungfische und Laich.
Royal Flyfishing