Die Äsche

wertvoller Fisch

in unseren

Fließgewässern
 


ein Bericht von Dr. Andreas Meraner
Aus der Südtiroler Fischerzeitung mit freundlicher Genehmigung von Hubert Indra
(Präsident Castingclub Südtirol)

Die Äsche ist ein typischer Fisch der Fließgewässerlebensräume unseres Landes. In beachtlichen Bestandsdichten kommt dieser edle lachsartige, entgegen dem europäischen Trend, noch in den Mittel- und Unterläufen unserer Flüsse vor. Grund genug, dem interessierten Angler die Äsche vorzustellen und etwas näher auf die Verbreitung, Biologie und Ökologie dieser einzigartigen Fischart einzugehen.

Die Gattung der Äsche setzt sich aus vier – oder laut neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen aus fünf – verschiedenen Arten zusammen, von denen in Europa aber lediglich eine Art, nämlich die europäische Äsche, Thymallus thymallus, verbreitet ist. Das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Fischart erstreckt sich dabei über Skandinavien, Teilen der britischen Inseln, Zentral- und Osteuropa bis in den Südalpenraum. Ähnlich der Bachforelle haben sich dabei innerhalb der Art der Europäischen Äsche verschiedene Unterarten (oder Linien) entwickelt, welche nacheiszeitlich die verschiedenen Gewässersysteme Europas besiedelten.

 

geschlüpfte Äsche
Eine frisch geschlüpfte Äsche - aufgrund vielfacher menschlicher Eingriffe werden Bilder wie diese
zunehmend seltener. Besonders die Verkittung der für die Fortpflanzung notwendigen Kiesflächen hat europaweit zu Einbrüchen in den Äschenbeständen geführt. (Foto: Michel Roggo)

Für den Bereich des nördlichen Adria-Einzugsgebietes, in welches auch das Etsch-System entwässert, ist dabei die Adria-Äsche ("temolo padano") als heimisch anzusehen, doch wurden viele Gewässer der Südalpen in den letzten Jahren zunehmend von Zuchtstämmen der sogenannten Donau-Äsche besiedelt. Dadurch wurde die ursprünglich heimische Form der südalpinen Äsche vielerorts verdrängt und es kam zu Hybridisierungen zwischen heimischen und donaustämmigen Formen. Wenngleich die Unterscheidungsmerkmale deutlich geringer ausgeprägt sind als etwa zwischen marmorierter Forelle und Bachforelle, so werden doch eine höhere Körperform und eine bläuliche Färbung entgegen einer rötlichen Grundfärbung im Bereich der Schwanzflosse als Kennzeichen der ursprünglich-heimischen Adria-Äsche und Abgrenzung zur Donau-Äsche angesehen. Als typischer Bewohner stark strömenden Wassers weist die Äsche einen langgestreckten, seitlich etwas abgeflachten Körper auf, mit einem kleinen, leicht unterständigen Maul, welches sie zusammen mit den deutlich größeren Schuppen von den verwandten Forellen unterscheidet. Die Rückenflosse der Äsche ist markant ausgebildet und bei männlichen Exemplaren zu einer besonders farbenprächtigen und stark verlängerten "Fahne" ausgeprägt. Die Grundfärbung der Äschen ist in einem eher schlichten grau-grün gehalten, mit teilweise gelben Flecken an der Basis von Brust- und Bauchflossen und silbrig-weissem Bauch. Die Schwanzflosse der Äschen ist stark zugespitzt, gegabelt und rötlich bis bläulich eingefärbt. Ähnlich den ebenfalls auf Kleinnahrung spezialisierten Renken, weisen Äschen vergleichsweise große Augen auf, deren Pupillen nach vorne etwas zugespitzt sind.

Besondes auffällig sind das kleine leicht unterständige Maul, die im Vergleich zu Forellen grossen Schuppen und die nach vorne spitz zulaufende Pupille des Auges. (Fotos: Eva Geigl)

Die durchschnittliche Lebenserwartung bei mitteleuropäischen Äschenpopulationen liegt bei vier bis fünf Jahren mit einzelnen bis zu acht Jahre alten Fischen. Im hohen Norden Skandinaviens, wo die Äschen aufgrund weniger günstigen Lebensbedingungen deutlich langsamer wachsen, können einzelne Individuen hingegen durchaus ein Alter von 13 bis 15 Jahren erreichen. Durchschnittlich erreichen Äschen dabei eine Länge von 30 bis 50 cm und ein Gewicht von 0,3 bis 1,0 kg, jedoch können einzelne Exemplare auch über 60 cm und dann ein Rekordgewicht über 3 kg erreichen. Die Geschlechtsreife wird dabei bei Männchen mit einem Alter von zwei bis vier Jahren erreicht, bei den die Weibchen erst ab einem Alter von drei oder vier Jahren. Während in Nordeuropa auch natürliche Bestände in Seen sowie in Brackwasserregionen und Küstenregionen der Ostsee und des Kattegat vorkommen, besiedelt die Äsche hierzulande klare, schnellströmende und sauerstoffreiche Fließgewässerstrecken unterhalb der eigentlichen Forellenregion. Erst in letzterer Zeit wurden Versuche zur Einbürgerung der Äsche in Alpenseen unternommen, wie etwa im Toblachersee oder im bayrischen Walchensee. In Südtirol findet man grössere Vorkommen vor allem in der Etsch ab Meran, im Unterlauf des Eisacks, sowie in Abschnitten der Rienz und deren Nebenflüssen, wie den Unterläufen von Ahr und Gader. Hier hält sich die Äsche, in kleineren Gruppen formiert, in stark strömenden Flussbereichen, oft inmitten des Flusses auf, um auf Drift und Anflugnahrung zu warten, oder um Bodenorganismen vom Flussbett abzuweiden. Diese Bevorzugung exponierter, oft ohne jegliche Deckungsbereiche, ist auch mit ein Grund dafür, dass die Äsche nur allzu leicht von fischfressenden Vögeln, wie etwa dem Kormoran, gejagt werden kann.

Die Nahrung der Äsche besteht vorwiegend aus Anflugnahrung, bodenlebenden Insektenlarven, darunter Eintagsfliegen-, Köcher-, Zuckmücken-, Steinfliegenlarven, sowie aus Kleinkrebsen, wie etwa Bachflohkrebsen. Nur kapitale Exemplare nehmen gelegentlich auch Fischbrut, sowie Jungfische als Nahrung auf. Im Gegensatz zu anderen lachsartigen Fischen spielt sich die Fortpflanzung der Äschen im Frühjahr ab, vor allen in den Monaten März bis Mai. In dieser Zeit wandern die Äschen meist nur kurze Strecken zu ihren angestammten Laichplätzen, welche sich im seichten, schnell strömenden Wasser über Kiesbetten befinden. Nur in Ausnahmefällen werden weiter entfernt liegende Laichplätze aufgesucht. Nach heftigen Laichspielen werden die Geschlechtsprodukte über flachen Laichgruben abgegeben, wonach sich die befruchteten Eier unter wenigen Zentimetern Kies entwickeln. Die Ei-Menge beträgt etwa zwischen 5000 bis 7000 Eier je Rogner und Kilogramm Körpergewicht.


Foto: Eva Geigl 

Die Ei-Entwicklung ist dabei wesentlich kürzer als bei Bachforellen und dauert typischerweise zwei bis vier Wochen (180–200 Tagesgrade). Die frisch geschlüpften Larven sind nach etwa 10 Tagen fressfähig und schließen sich schnell zu kleineren Gruppen zusammen. Leider ist heutzutage die natürliche Reproduktion der Äsche stark eingeschränkt. Gewässerverschmutzung und Flussverbauungsmaßnahmen, vor allem die Verkittung der für die Fortpflanzung notwendigen Kiesbetten durch wiederholte Stauraumspülungen und der vermehrte Fraßdruck durch Massenauftreten von Kormoranen haben europaweit den Äschenbeständen arg zugesetzt. Dem gegenüber waren viele Populationen hierzulande weitgehend stabil, wenngleich in den letzten Jahren auch in Südtirol Rückgänge in den Bestandsdichten festzustellen sind. Aus diesem Grund sollten die in den letzten Jahren initialisierten Rückbaumaßnahmen unserer Flüsse weiter vorangetrieben werden und Möglichkeiten zur Reduktion von Stauraumspülungen und Schwallbetrieb, der periodisch weite Kiesflächen der Flüsse trockenlegt, gefunden werden.

Denn nur in ökologisch funktionierenden Flusslebensräumen wird es langfristig möglich sein, unsere heimische Äsche, als ein wichtiges Element der Fischfauna Südtirols, zu schützen und zu erhalten. 


                                     Fotos: Eva Geigl


 
Text:   Dr. Andreas Meraner
Fotos: Michel Roggo/Roggo.ch
         Eva Geigl

 
weitere Berichte über die Äsche hier in Royal Flyfishing:
  Fisch des Jahres 2011 - die Äsche
 Die Äsche - Fisch des Jahres - was weiter ? aktueller Äschenbestand in Bayern
 zur Wahl der Äsche 2011 - gefährdeter Charakterfisch