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Die Steinfliegen sind ebenfalls ursprüngliche Insekten mit unvollständiger Verwandlung (Hemimetabolie). In Ruhe sind ihre zwei Paar Flügel flach über den Hinterleib gelegt. Bei den Männchen einiger Arten (Perlodes dispar, Perlodes microcephalus, Isoperla difformis) sind sie stark verkürzt. Die Flugaktivität dieser wenig wendig fliegenden Insekten ist nur gering, hauptsächlich laufen die Tiere. Daraus resultiert eine im Vergleich zu den Köcherfliegen und auch Eintagsfliegen eingeschränkte Möglichkeit der Überwindung ökologischer Barrieren zum Beispiel in Form von Querbauwerken in Fließgewässern. Die Lebensdauer der erwachsenen Stadien beträgt zwei bis fünf Wochen. Im Jahresablauf zählen einige Steinfliegenarten zu den am frühesten schlüpfenden Insekten (Capnia, Taeniopteryx im Februar). Für viele Arten wurde nachgewiesen, dass der artspezifisch unterschiedliche Rhythmus, mit dem die Männchen ihren Hinterleib auf die Unterlage schlagen („Trommeln“), dem Sichfinden der Geschlechtspartner dient. Die Larven der Steinfliegen besitzen zweifädige gegliederte Schwanzanhänge. Äußere Kiemen sind lediglich im Brustbereich bei einigen Arten ausgebildet (zum Beispiel Amphinemura spp., Protonemura intricata, Taeniopteryx nebulosa). Mit wenigen Ausnahmen sind die vorwiegend über die Haut atmenden Steinfliegen-Larven sehr sauerstoffbedürftig und somit auf sommerkühle Gewässer, also im Tiefland gemeinhin Fließgewässer- oberläufe, angewiesen. In diesen werden stark überströmte steinig-kiesige Bereiche sowie Totholz vor anderen Substrattypen deutlich bevorzugt. Die Larven sind relativ träge und schwimmen nur selten mit alternierenden Bewegungen der Beine. Aufgrund ihrer erhöhten Nachtaktivität geraten sie zu dieser Zeit verstärkt in die Drift. Tagsüber finden dann gegen den Strom gerichtete Kompensationswanderungen im ufernahen Sohlenbereich oder in tieferen Sohlschichten statt (Leuctra spp. bis 90 Zentimeter Tiefe). Große Steinfliegenarten wie Isoperla spp. und Perlodes spp. Ernähren sich überwiegend als Räuber. Für kleine Arten, zu denen fast sämtliche Vertreter des Tieflands zählen, bilden Algen und Detritus die Nahrungsgrundlage. Die Dauer des Larvenlebens der Tieflandarten beträgt mit Ausnahme der großen Perlodes spp. (etwa zwei Jahre) in der Regel ein Jahr.

Isoperla grammatica (W)

Isoperla grammatica (W):

Die Imagines der Steinfliegen halten sich wenig flugaktiv
in der Ufervegetation auf und fliehen häufig durch Fortlaufen

Larve Perlodes dispar und Taeniopteryx nebulosa

Die Larven der Steinfliege Perlodes dispar (rechte Bildhälfte)
und Taeniopteryx nebulosa (linke Bildhälfte)
gehören zum potentiellen Arteninventar naturnaher Bäche und Flüsse des norddeutschen Tieflandes
 


In Mitteleuropa kommen Steinfliegen mit wenigen Ausnahmen nur in Fließgewässern vor. Den größten Artenreichtum weisen hier die Oberläufe auf. In Richtung Flußregion erfolgt eine Abnahme der Artenzahl, wobei die Bestände der typischen Flußarten (Isogenus nubecula) durch menschliche Eingriffe weitgehend erloschen sind. Insgesamt bewirken im Fließgewässerlängsverlauf die sich ändernden physikalischen Faktoren und Strömungsbedingungen eine Längszonierung der Steinfliegen-Fauna. Im norddeutschen Tiefland kommen einzelne Steinfliegenarten in sauerstoffreichen Seen (Nemoura avicularis, Nemoura cinerea), periodischen Gewässern (Nemoura cinerea) und Hochmoorgewässern (Nemoura avicularis) vor.






Ausschnitt aus: Rote Liste der Eintags-, Stein- und Köcherfliegen Schleswig-Holsteins und Hamburgs von 1999; Verfasser: Dr. Rainer Brinkmann und Dr. Stephan Speth - mit freundlicher Genehmigung des Landesamtes für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein. Fotos: F.Ullrich und R.Brinkmann 

Layout/Grafik: Eva Geigl