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Bei den Eintagsfliegen handelt es sich entwicklungsgeschichtlich um die primitivsten geflügelten Insekten. Auf das letzte Larvenstadium folgt eine so genannte Subimago mit vollständig ausgebildeten, aber noch leicht getrübten Flügeln. Die nochmalige Häutung dieser schon flugfähigen Form zur Imago ist einzigartig unter den Insekten. Die dicht geäderten Flügel sind in der Ruhe über dem Rücken zusammengeschlagen. Auffallend sind drei fadenförmige Körperanhänge am Hinterleibsende, die wahrscheinlich der Steuerung beim Flug dienen. Die Lebensdauer der Imagines beträgt wenige Tage bis zu zwei Wochen. Diese Zeit dient ausschließlich der Fortpflanzung, eine Nahrungsaufnahme findet nicht mehr statt. Häufig bilden die männlichen Tiere Flugschwärme, in die einzelne Weibchen hineinfliegen, ergriffen und begattet werden. 

Baetis rhodani (M) 

Baetis rhodani (M):

An den getrübten Flügeln sind die Subimagines der Eintagsfliegen zu erkennen. Bei vielen Eintagsfliegenarten sind die oberen Teile der Komplexaugen des Männchens zu sogenannten Turbanaugen vergrößert

Rhithrogena semicolorata (M):

Die fadenförmigen Körperanhänge  der Imagines dienen den Eintagsfliegen zum Manövrieren beim Schwarmflug
 

Rhithrogena semicolorata

 

Die Larven der Eintagsfliegen durchlaufen eine unvollständige Entwicklung (Hemimetabolie) mit 12 bis mehr als 20 Häutungen. Ihre Lebensdauer beträgt meistens ein Jahr. Sie ist ausnahmsweise kürzer mit bis zu zwei Generationen pro Jahr bei Baetis oder länger mit einem zweijährigen Entwicklungszyklus bei Ephemera. Mit Ausnahme der im Tiefland nicht vorkommenden Gattung Epeorus mit nur zwei Schwanzanhängen, besitzen die Larven dreifädige, gegliederte Schwanzanhänge (zwei Cerci, ein Terminalfilum). An ihren Hinterleibssegmenten fungieren Auswüchse der Hautoberfläche als so genannte Tracheenkiemen, die auf Gattungsniveau sehr unterschiedlich gestaltet sind. Die Mehrzahl der Eintagsfliegenarten ernährt sich während der larvalen Phase von Algen und abgestorbenem organischen Material (Detritus), indem mit hochspezialisierten Mundwerkzeugen der Untergrund abgeschabt und durchkämmt wird. Unter den Eintagsfliegen-Larven können verschiedene Lebensformtypen unterschieden werden. Als Anpassung an starke Strömungsgeschwindigkeiten wird die extrem flache Gestalt der Heptageniidae gedeutet (torrenticole Fauna). Die Larven bewegen sich kriechend auf festem Untergrund in der strömungsarmen Grenzschicht fort und sind somit vor der Abdrift geschützt. In Standgewässern oder strömungsarmen Randbereichen der Fließgewässer können sich Siphlonurus, Baetis und Cloeon durch ein schlängelndes auf und ab des Hinterleibes und der stark behaarten Schwanzfäden schwimmend durch den freien Wasserkörper fortbewegen.  

Baetis rhodani:

Die am Hinterleib der Eintagsfliegenlarve ausgebildeten Tracheenkiemen
können bei vielen Arten nicht aktiv ventiliert werden, so dass diese auf
sauerstoffreiche Gewässer angewiesen sind

 Baetis rhodani

 

Heptagenia sulphurea



Heptagenia sulphurea:

Ihre abgeflachte Körperform ermöglicht den Eintagsfliegenlarven der Familie Heptageniidae das Leben in der strömungsarmen Grenzschicht auf stark überströmten Substraten (torrenticole Fauna) 

Ephemera danica

Die Larve der Eintagsfliege Ephemera danica besitzt besonders breit
ausgebildete Extremitäten und spezialisierte Kopffortsätze als Anpassung
an ihre grabende Lebensweise .
 




Die Ephemeridae besitzen mehr oder weniger verbreiterte, zum Graben umgebildete Vorderbeine. Sie leben sowohl in Fließ- als auch Standgewässern in selbst gefertigten Röhren im Boden. Die meisten Larven der Eintagsfliegenarten leben in Fließgewässern. Da bei vielen Arten keine aktive Steuerung der Atmung durch Kiemenventilation möglich ist, wirkt sich hier die allgemein größere Verfügbarkeit von Sauerstoff aus. Insbesondere Vertreter der Caenidae,
Leptophlebia und Cloeon präferieren größere Standgewässer und kommen dort individuenreich in der mit höheren Pflanzen bewachsenen Uferregion (Litoral) vor. Siphlonurus besiedelt bevorzugt periodisch austrocknende Kleingewässer oder trockenfallende Randbereiche der kleineren Fließgewässer. Cloeon wurde auch in Hochmoorgewässern bei niedrigen pH-Werten von 3,5 bis 4 festgestellt (dystrophe Gewässer). 




  



Ausschnitt aus: Rote Liste der Eintags-, Stein- und Köcherfliegen Schleswig-Holsteins und Hamburgs von 1999; Verfasser: Dr. Rainer Brinkmann und Dr. Stephan Speth - mit freundlicher Genehmigung des Landesamtes für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein. Fotos: F.Ullrich 

Layout/Grafik: Eva Geigl