Aalhaut Gammarus-Flohkrebs

Aalhaut Gammarus-Krebs

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Material

Haken: Pupa 02, Gr.#10-16
Faden: 6/0 oliv
Rippung: Faden 6/0 oder Kupferdraht braun oder oliv
Körper: Dachdeckerblei 1mm dick
Dubbing: Blend-Dubbing beige bis oliv
Rücken: Aalhaut

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Bild 1
Aalhaut in Form eines Weidenblattes ausschneiden
und ins Wasser legen, Breite 5–8mm,
Länge 1,5–2 cm

Bild 2
Blei ausschneiden, passend zur Hakengröße. Buckel mit Fingernagel abflachen und einkerben damit der Faden hält

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Bild 3
Haken einspannen, Bleibuckel ohne Grundwicklung
auf den Haken binden

Bild 4
Aalhaut aus dem Wasser nehmen und im Hakenbogen unter dem Blei einbinden, den Faden oder Draht zur Rippung gleich dazu einbinden

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Bild 5
Dubbing vom Hakenbogen zum Öhr wickeln

Bild 6
Aalhaut darüber spannen,
abbinden und Rest abschneiden

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Bild 7
Rippung legen, abbinden, Faden abschneiden
und Köpfchen lacken

Bild 8
Dubbing mit Nadel auszupfen und mit Klettband nach hinten ausbürsten - Fertig !

Möchte man Beinchen aus Rebhuhn machen, wird vom Öhr zum Hakenbogen gedubbt, dann eine Schlaufe für den Dubbingtwister gelegt. Rebhuhnfeder einspannen, Kiel abschneiden, eintwisten und zum Öhr wickeln. Dann wie bereits oben beschrieben den Krebs beenden.

Zur Aalhaut. Für mich gibt es kein vergleichbares Material, das die Aalhaut ersetzen könnte. Die Transparenz und die Färbung ist so natürlich und kommt den echten Flohkrebs aber auch Nymphen am nächsten. Haut von kleineren Aalen ist dünner, transparenter und eignet sich für kleinste Flohkrebse bis Hakengröße 18. Dickere Haut von grösseren Aalen verwende ich für Steinfliegen-Nymphen und für Garnelenimitationen zum Beispiel zum Meerforellenfischen oder für Hornhechte. Durch die unterschiedliche Farbe, dunkel am Rücken bis weisslich cremig am Bauch, kann man alle Farbvarianten der Flohkrebse imitieren. Durch die Transparenz der Aalhaut hat man auch die Möglichkeit verschiedenfarbige Dabbings, beispielsweise mit Glittermaterial, die Färbung zu bestimmen.
Verarbeitung. Fertig konservierte und getrocknete Aalhaut fühlt sich an wie Pergament und lässt sich hervorragend schneiden, ist hart und steif. Zum Einbinden wird das zurechtgeschnittene Stück Aalhaut kurz in Wasser gelegt. Eine Tasse mit 1 – 2 cm Wasser genügt dafür. Nach 2 bis 5 Minuten – je nach Stärke der Aalhaut - ist sie weich und dehnbar und genauso zu verarbeiten wie Latex.
Konservieren. Natürlich muss die Aalhaut konserviert werden, da diese in Verbindung mit dem feuchten Dabbing früher oder später darunter in Verwesung übergeht, was erbärmlich aus der Fliegenbox stinken würde.
Zuerst muss der getötete Aal  10 – 20 Minuten in eine Ammoniaklösung gelegt werden. 100 ml auf 1,5 Liter Wasser. Machen Sie das nur im Freien und mit einer Atemmaske! Ammoniakdämpfe sollten nicht eingeatmet werden, denn das könnte zu Verätzungen der Atemwege führen. Dann spülen Sie den Aal im frischen Wasser und ziehen ihn durch ein Tuch oder Zewa. Der Aal muss sich trocken anfühlen und darf nicht mehr rutschig oder schleimig sein, ansonsten wiederholen Sie den Vorgang. Ist der Aal sauber, schneiden Sie unter den Brustflossen die Haut ein und ziehen diese mit einer Zange ab. Nun wird die abgezogene Haut flach auf einer Unterlage –Brett oder Tisch- gelegt und mit einem Filitiermesser am Rücken bis zur Schwanzspitze aufgeschnitten. Jetzt wird die Aalhaut ausgebreitet und das Fett auf der Innenseite mit einem großen Küchenmesser abgeschabt. Das sollte vorsichtig geschehen, da sonst die Färbung verloren geht. Mit einem mit Alkohol oder Aceton getränkten Lappen oder Tuch wird die Innenhaut entfettet und der Flossensaum mit dem Filitiermesser abgetrennt. Die Aalhaut wird nochmals mit klarem Wasser gespült und anschließend mit Haushaltstüchern oder Zewa getrocknet. Zum Konservieren der Aalhaut wird auf einer glatten Fläche (ich verwende hier eine alte Tischplatte) etwas reiner Alkohol geschüttet und die Aalhaut mit der Innenseite in den Alkohol gelegt und glatt gestrichen. Über die Aalhaut kommen drei Lagen Haushaltstücher, welche satt mit Alkohol getränkt werden. Das machen Sie am besten in der Garage. Auf jeden Fall aber im Schatten, damit der Alkohol nicht zu schnell verdampft. 3 Stunden sollte die Aalhaut mindestens im Alkohol liegen und gegebenenfalls muss nachgenässt werden. Nach etwa 3 Stunden fühlt sich die Aalhaut etwas steif an. Jetzt kann sie zum endgültigen Trocknen mit Nadeln auf einem festen und dicken Karton aufgespannt werden. Zum Trocknen an einem kühlen und luftigen Ort legen. Nach drei bis vier Tagen ist sie fertig.
Sie benötigen ca. 100 – 200 ml Ammoniak und ca. 300 – 400 ml Alkohol. Ammoniak und Alkohol bekommen Sie in der Apotheke und Aceton bei jedem Maler.
Einsatzbereich. Durch den Bleikörper sinkt der Aalhautgammarus enorm schnell ab, fischt somit auch länger im fängigen Bereich. In schnellen und tiefen Rinnen kommt man rasch auf Tiefe und die „Hängergefahr“ hält sich durch die "Schwimmlage" in Grenzen, da sich der Gammarus auf den Rücken dreht und die Hakenspitze nach oben oder Seite sieht.

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Der Aalhautgammarus fängt nicht nur Äschen und Forellen. Wer auch auf Karpfen, Aitel, Brachsen, Barben und Co. fischt hat nicht nur eine Nymphe mit hohem Imitationswert sondern auch eine mit Geschmack, da die konservierte Aalhaut immer noch etwas nach Fisch riecht.
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  Viel Spass beim Binden und Fischen. Aber vor dem Erfolg hat der Herr den Schweiss gesetzt und das heisst in diesem Fall Würmer buddeln und Aale fangen. Das möchten Sie nicht?

„Aber es ist auch gut, wenn sie nicht jeder hat.“, würde Janez sagen. 

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Werner Steinsdorfer:
Als ich 1994 den 1.Preis beim Slowenischen Bindewettbewerb gewann, begleitete mich Edgar Pitzenbauer nach Ljublijana zur Preisverleihung der alljährlichen Jagd- und Fischereimesse. Edgar sprach fliessend slowenisch und kannte viele Leute mit welchen er mich bekannt machte. Einige von ihnen waren bekannte Fliegenfischer und –binder, auch über die Grenzen Sloweniens hinaus. So wurden binderische Erfahrungen, Techniken und Fliegen getauscht. Als Preis bekam ich einige Tageskarten von Unec´, Edgars Lieblingsfluss an dem er schon über 20 Jahre fischte. Beim Nachhauseweg erzählte mir Edgar vom Unec´, den wunderschönen Äschen und den riesigen Bachforellen, die es dort gibt. Nach 5 Stunden kannte ich den Fluss vom Austritt aus der Höhle bis zu den Versickerungen. Ich konnte es kaum erwarten den Fluss auch zu sehen und meine Fliegen den Äschen zu servieren. Ende Mai war es dann endlich soweit. Ich traf mich mit Edgar, Taff Price und Derrel Martin zur Maifliegenzeit am Unec´. Edgar zeigte mir den ganzen Fluss von der Höhle bis zur Schlossbrücke und weiter bis zu den Versickerungen. Gefischt haben wir meistens unterhalb der Schlossbrücke, wo nur die Trockenfliege erlaubt ist - äußerst erfolgreich nebenbei bemerkt. Am vierten Tag befischte ich alleine den oberen Teil des Unec´, wo auch die Nymphe erlaubt ist. Zur Mittagszeit stiegen immer weniger Fische, nur noch im Schatten der Ufervegetation kamen noch vereinzelt Ringe. Beim Einlauf der Malens´c´ica fing einer Fisch auf Fisch, es war Janez, den ich auf der Messe in Ljublijana kennen gelernt hatte. Ein netter Kerl, der auch etwas Deutsch sprach. Auf die Frage mit was er so gut fängt, sagte er nur „Gammarus Größe #16“, öffnete seine Box und schenkte mir einige mit den Worten „Die musst du nicht jedem zeigen. Es ist schlecht für den Unec´, wenn die jeder hat.“ So fischten Janez und ich noch eine Stunde mit dem Gammerus. Zwei Äschen über 45cm und einige kleinere sind darauf hereingefallen – gar nicht so schlecht. Daraufhin holte ich zwei kühle Bier aus der Kühlbox und Janez seinen Bindestock. Unter einer schattigen Eiche fertigte Janez noch einige Gammarus für mich. Im früheren Jugoslawien waren Bindematerealien rar. Zum Einen kannte man Kataloge nur von den Gastfischern und zum Einkaufen musste man nach Österreich fahren oder sich etwas mitbringen lassen. Zum Anderen waren Fischereiartikel gegenüber dem Verdienst sehr teuer. Not macht bekanntlich erfinderisch und so ist es kein Wunder, dass irgend ein Slowene auf den Trichter mit der Aalhaut kam.

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Fotos/Text: Werner Steinsdorfer
Layout: Eva Geigl/Royal Flyfishing